"John Rambo" (USA 2008) Kritik – Rambo kehrt eindrucksvoll zurück

„Wenn man dich dazu zwingt, ist Töten so einfach wie Atmen.“

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Die Jahre vergingen wieder und Sylvester Stallone tingelte durch verschiedenste A und B-Movies. 2006 entschied sich Stallone dazu, seine erste maßgeschneiderte Rolle Rocky wieder in die Kinos zu bringen. Ein guter Schritt, wie sich herausstellen sollte, denn mit ‚Rocky Balboa‘ schaffte es Stallone, die ausgelutschte Reihe wieder aufatmen zu lassen und ein starkes Sportler-Drama zu inszenieren. Doch das war noch nicht Stallones ganzer Plan. 2008 belebte er auch die Kampfmaschine John J. Rambo wieder. 20 Jahre nach dem dritten Teil, stand also Rambo höchstpersönlich wieder vor der Tür. Die Erwartungen gingen klar auseinander, denn ‚Rambo II‘ und ‚Rambo III‘ wurden doch von vielen Menschen deutlich verachtet. Gelang Stallone auch hier wieder ein Erfolg, der sogar mit dem tollen ‚Rambo‘ mithalten konnte, oder verliert man sich in unnützer Gewalt? Stallone bewies sein Können als Regisseur erneut und inszenierte mit ‚John Rambo‘ einen effektiven wie extrem gnadenlosen Actionreißer, der wieder viel Kritik mit sich bringt und ‚Rambo‘ ohne Probleme in die Augen blicken darf.

Rambo hatte endlich die Zeit, um mit sich selbst in einen Einklang zu kommen und den Frieden zu finden. Er lebt seit Jahren zurückgezogen in Thailand, wo er als Angler arbeitet. Im benachbarten Birma wütet allerdings schon seit 60 Jahren ein grauenhafter Bürgerkrieg zwischen Birmanen und Karen. Eine Gruppe freiwilliger Helfer will sich von Rambo in ein Gebiet bringen lassen, um einem kleinen Dorf von Karen zu helfen. Rambo sagt nach kurzer Zeit zu und bringt die Truppe in das Dorf. Doch wenig später, wird das Dorf von birmanischen Soldaten vollkommen auseinandergenommen. Eine Truppe Söldner wird geschickt, um die Missionare zu befreien und Rambo schließt sich ihnen an…

‚John Rambo‘ ist durchzogen von einer unglaublich kraftvollen Bildersprache. Die ersten Aufnahmen von Rambos neuem Leben sind schon fast träumerisch angehaucht und spiegeln den inneren Frieden von Rambo genau wieder. Das dreht sich im Laufe des Films natürlich immer mehr und die Idylle wird zum Herz der Finsternis, wie auch Rambo, der erneut zur Tat schreiten muss. Die Kraft wird den Einstellungen nie genommen und die Aufnahmen des Dschungels sind eine wahre Pracht. Kameramann Glen MacPherson leistet Großes und ist immer genau an der richtigen Stelle, ohne auch nur in einer Sekunde den Blick vom Wesentlichen zu verlieren. Der Score von Brian Tyler ist nicht minder stark. Sein Score beherrscht die pushenden und feuernden Töne, aber auch die emotionalen und ruhigen, die ‚John Rambo‘ immer grandios begleiten. Vor allem am Ende erzielt Tylers Soundtrack, der schon an die Musik von Goldsmith erinnert, eine berührende Wirkung.

20 Jahre sind also vergangen und Mr. Stallone schlüpft erneut in die Rolle der unbezwingbaren Kampfmaschine. Das Alter sieht man Stallone natürlich an, stört den Charakter Rambo aber herzlich wenig. Stallone macht wieder genau das, was wir von Rambo erwarten. Ein klarer, treffsicherer und stiller Einzelgänger, der sich dem Bösen in der Welt stellt. Dazu wird keine große Schauspielkunst benötigt, aber Stallone bringt weit mehr Tiefe in seinen Charakter, als in den zwei Vorgängern, allein durch seine karge Mimik. Die anderen Schauspieler wie Julie Benz, Matthew Marsden oder Tim Kang bleiben Nebenfiguren, denn hier wird das klare Augenmerk voll und ganz auf Sylvester Stallone gerichtet.

Die Umstände in Birma (auch Myanmar oder Burma genannt) haben wir mehr oder weniger alle irgendwie mitbekommen. Ein Bürgerkrieg, der in seiner unvorstellbaren Grausamkeit keine Grenzen kennt. Das birmanische Militär gegen das für Freiheit kämpfende Karen-Volk. Vergewaltigungen, unendliche Hinrichtungen und Folterungen. Ein unermesslicher Völkermord, der vor nichts Halt gemacht hat. Und dort setzt ‚John Rambo‘ an. Zu Anfang bekommen wir einige Originalaufnahmen, von den Umständen in Birma. Wir sehen, wie die Menschen misshandelt und verprügelt werden. Die Kinder weinen, die entstellten Leichen werden entsorgt und ein kleines Land wird überschwemmt von blankem Hass und Verderben. Und da kommt Rambo ins Spiel. Eigentlich hat er genau das, was er sich immer gewünscht hat. Die Ruhe in Thailand und seine Zuflucht. Col. Trautman kreuzt nicht mehr seinen Weg und Rambo hat zu sich selbst gefunden. Doch im kleinen Nachbarland tobt die Hölle und Rambo, der schon in Vietnam, Afghanistan und an der Heimatfront unnötige Kriege führen musste, sieht sich erneut gezwungen, etwas zu unternehmen. Genau hier kommt ‚John Rambo‘ an einen kritischen Punkt, der auch schon in ‚Rambo‘, natürlich nicht in dem Ausmaß wie hier, missverstanden wurde.

In ‚John Rambo‘ geht es zur Sache und Stallone geht in seiner Inszenierung mit einer unverblümten Gnadenlosigkeit vor, wie es selten in dieser Form zu sehen war. Die Menschen werden verbrannt, erschossen, erdolcht und zersprengt und immer wird die Kamera voll draufgehalten. Das Blut spritzt literweise und auch vor Kindern und Baby, die verbrannt und erschossen werden, schreckt der Film nicht ab. Für die Zuschauer mit zarten Gemütern ist das hier rein gar nichts, denn diese Form der klaren Gewalt würde in keinem der anderen ‚Rambo‘-Teile auch nur im Ansatz erreicht. Hier gibt es keine Sympathiefiguren und Schönlinge, sondern nur brettharte, effektive und kompromisslose Maßnahmen. Effektiv in zweierlei Hinsicht. Ersteres natürlich in der Brutalität selbst, denn wo Rambo auftaucht, da wächst schnell kein Gras mehr und die Gliedmaßen werden zerrissen. Allerdings ist diese Darstellung nie eine Selbstdarstellung oder ein Möchtegern-Mittel, um wieder Grenzen zu überschreiten. Im Gegenteil.

Stallone besinnt sich darauf zurück, was einst Kotcheffs ‚Rambo‘ ausmachte. Der kritische Grundton. Und den stellt Stallone hier in einmaliger Effektivität dar. Das fängt an mit dem politischen Bild von Birma, welches nicht überzogen oder überfrachtet wurde. Diese Soldaten sind wirklich mit dieser extremen Kaltblütigkeit und erschreckend menschenverachtenden Art durch das Land gezogen. Das wird uns auch sofort klargemacht, wenn das Militär einige Karen durch ein Minenfeld jagt, um die glücklichen Überlebenden dann doch noch zu erschießen. Ein Menschenleben hatte hier einfach keinen Wert mehr. Doch das ist nicht die einzige effektive Kritik, die der Film in aller Klarheit offenbart. Er eröffnet uns Bilder der Sinnlosigkeit von Gewalt und die abstoßende Wirkung von Waffen. Wenn man dann lesen muss, Stallone würde Übertreiben, oder Fragen gestellt werden, wieso man dieses Grauen unbedingt so deutlich darstellen muss, dann darf man den Kopf schütteln. Wie soll man auf etwas aufmerksam machen, wenn man nur halbe Sachen zeigt? Stallone geht den einzig richtigen Weg und scheut sich vor nichts. Und mal ehrlich, so einen Mann wie Rambo, wünscht sich die Welt doch irgendwie, denn er packt die Dinge dort an, wo Worte längst verloren sind. Ach ja, zum Schluss noch ein Satz zum Ende des Films: perfekter hätte es gar nicht sein können und genau mit diesem würdigen Schlusspunkt muss man die ‚Rambo‘-Reihe auch ruhen lassen.

Fazit: Blutig, eiskalt, hammerhart, grauenvoll, abschreckend und so wahr. Das ist ‚John Rambo‘. Stallone inszenierte einen Film, der die Missstände auf eine der ehrlichsten und wirksamsten Weisen zeigt. Ohne falsche Moral oder unnötige Umschweife. ‚John Rambo‘ ist auf den Punkt gebracht und die starken Bilder sowie der tolle Score runden das Geschehen fantastisch ab. Wer hier noch von unnötiger Gewaltdarstellung redet, geht wirklich mit geschlossenen Augen durch die Welt.