"Kampf der Titanen" (USA 2010) Kritik – Von Titanen ist hier keine Spur

„Befreit den Kraken!“

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Blockbuster sind genau die richtigen Filme, die man sich im Kino anschauen sollte. Aber was versteht man überhaupt unter dem Begriff Blockbuster und welche Filme sind Teil von ihm? Ein Blockbuster ist vor allem ein Film, der Unmengen von Produktionskosten verschlingen kann und Special-Effects zeigt, die nicht nur atemberaubend sind, sondern auch revolutionär. Filme, die das Mainstream-Publikum dienen, die allein der Unterhaltung wegen gemacht sind und niemanden nach dem Ende noch wirklich nachdenklich stimmen oder gar in irgendeiner Form verletzten oder beschäftigten. Ein prophezeiter Kassenschlager und Publikumsmagnet, der die Kosten ohne Probleme wieder einspielen wird und sicher auch noch übertrifft. Vertreter dieser Blockbuster sind zum Beispiel Filme wie ‚Inception‘, ‚Avatar‘, ‚The Avengers‘ oder ‚Transformers‘. Dass diese Filme nun nicht immer gut sein müssen, versteht sich ja von selbst, denn oft sind die Vertreter so auf ihre Äußerlichkeiten fixiert, dass jeglicher Tiefgang unmöglich erscheint. Ein ganz neuer Trend, der ebenso unnötig wie nervig erscheint, ist die nachträgliche 3D-Konvertierung von Filmen, oder allgemein der 3D-Effekt. Am schlimmsten ist dann der Fall, wenn ein so genannter Blockbuster nicht auf dieser Ebene funktioniert und der 3D-Effekt ebenfalls ein vollkommener Reinfall ist. Beides trifft genau auf laschen Louis Leterriers Fantasystreifen ‚Kampf der Titanen‘ aus dem Jahr 2010.

Hades, der Gott der Unterwelt, will Zeus, dem König des Olymps, die Macht nehmen und die Welt in sie in ihr eigenes Chaos stürzen. Doch der unter Menschen aufgewachsene Perseus, Sohn des Zeus, erklärt sich bereit, den Kampf gegen die Unterwelt aufzunehmen und dem düsteren Vorhaben ein Ende zu setzen. Doch der Weg in die düstere Welt ist schwer, denn neben Dämonen und riesigen Ungeheuern, holt Perseus auch langsam die eigene Bestimmung ein, gegen die er sich sonst gewehrt hat. Nur wenn er zu sich steht, kann er den Kampf auch gewinnen.

Mit der griechischen Mythologie hat es auch das Original aus dem Jahr 1981 nicht so ernst genommen, doch Leterriers freies Remake, verwischt hier nicht nur noch mehr, sondern legt auch keinen Wert auf die Charaktere. Vertreten sind viele Götter, Halbgötter und Könige, doch einen Ansatz von Hintergrundinformation bekommen sie nicht zugesprochen. Da hätten wir Perseus, Andromeda, Zeus, Hades, Acrisius, der zu Calibos wird, Io, Draco, Ixas, Cassiopeia und auch Poseidon. Aber so schnell wie viele von ihnen auftauchen, sind sie auch schon wieder verschwunden. Was dazu noch tragisch ist, ist die Tatsache, dass ‚Kampf der Titanen‘ eigentlich einige gute Darsteller zusammentrommeln konnte, nur es zu keiner Sekunde verstand, sie auch wirklich einzusetzen. Angefangen mit Sam Worthington, der sich inzwischen immer in Großproduktionen wiederfinden, wobei er doch viel mehr Talent in stilleren Rollen besitzt, als Halbgott Perseus, Liam Neeson als mächtiger Zeus und Ralph Fiennes als Hades. Da ist Qualität vorhanden, und zwar reichlich. Dass die Figuren in Verbindung mit der Story aber einzige Schablonen bleiben, ist auch dem extrem löchrigen Drehbuch zu verdanken, dass wohl nur schnell runtergeschrieben wurde, damit man einen Stoff hat, den man mit Effekten zu donnern kann, die Zuschauer werden sich schon irgendwie dran erfreuen. Dem ist nicht aber nicht so.

Unser Hauptcharakter ist Perseus, einst vom Fischer Spyros in einem Sarg zusammen mit seiner toten Mutter aus dem Meer gezogen wurde, der seiner göttlichen Hälfte den Rücken zukehrt. Auch von den Göttern selbst will er nichts wissen, denn für ihn haben sie alle nichts Gutes in sich und sorgen nur für Schrecken und Zerstörung. Aber wie das immer so ist, kann Perseus sich seiner Bestimmung nicht entziehen und als Hades langsam loslegt, Städte in Schutt und Asche zu legen, muss er zur Tat schreiten. Mit ein paar Männern zieht er los in den Kampf gegen Hades und muss dabei so manche schwere Aufgabe erledigen, ungewöhnliche Gegner besiegen und lernt dazu auch seine Liebe kennen. Sein Wille ist aber nicht immer gerade sehr Mannschaftsdienlich, denn viel mehr ist er mit sich und seiner Verbitterung gegenüber den Göttern beschäftigt. Aber Perseus muss zu seinem Vater stehen und die göttlichen Kräfte übernehmen und verwenden, denn nur dann kann er auch etwas bewirken und einen Weg der Besserung einschlagen. Das war es in Wahrheit schon, denn mehr kommt am Ende nicht rüber.

An erster Stelle werden wir als Zuschauer bereits mit dem Filmtitel über den Tisch gezogen, denn Titanen wie Kronos, Koios oder Kreios sind hier nicht zu finden. Was es hier stattdessen gibt, ist gepflegte Langeweile. Die Charaktere, vom Fischer bis zum glitzernden Gott, haben weder Charisma, noch Leinwandpräsenz. Aber genau das trifft auch auf ‚Kampf der Titanen‘ zu, denn der Fantasyfilm ist so seelenlos zusammengesteckt worden und hangelt sich von einer Effektszene zur nächsten, dass dem Zuschauer die Lieblosigkeit der Inszenierung schon ohne Scham ins Gesicht geschrien wird. Die Mythologie interessierte hier niemanden, genau wie der Perseus-Mythos selbst, der zwar hier und da mal angeeckt wird, aber eigentlich vollkommen egal ist. So trotten die Figuren von A nach B, kämpfen mal gegen Riesenskorpione, bekommen es mit einer billigen Medusa zu tun und am Ende, das einzige Highlight des Films, mit dem gewaltigen Kraken, der allerdings auch so schnell wieder verschwindet, wie er erschienen ist. Eine Charakterzeichnung gibt es in dem Sinne gar nicht, denn hier herrscht die blasse Oberflächlichkeit, die sich mit miesen Dialogen und hektischen Schnitten paart und sich mit seinen gut 100 Minuten wirklich furchtbar in die Länge zieht. Ein lahmer, schlecht unterhaltender, zusammengefuschter, lieblos uninspirierter Streifen, der keine Zwischentöne zulässt.

Fazit: Hätte ein spaßiger Sommerblockbuster werden können, entpuppt sich aber als flacher Rohrkrepierer, der nicht mal in seiner schnöden Lächerlichkeit unterhalten kann. Die Kulissen wie die Optik sind sicher gelungen, genau wie die zuweilen recht guten Effekte, doch das reicht nicht. Die Schauspieler bleiben uninteressant und haben keine Ausstrahlung, die Story ist durchsichtiger als ein Schweizer Käse und der Unterhaltungswert ist immer nah am Nullpunkt. Nee, hier kann man keinen Spaß haben, denn das war richtig schwach.

Bewertung: 3/10 Sternen