"Kill List" (GB 2011) Kritik

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Das Fantasy Filmfest zum Zweiten. Dieses Mal rohe, eiskalte, aber doch irgendwie nachdenklich machende Thriller-Kost aus Großbritannien, eine seltsame Mixtur aus Killer-Drama und ländlichem Horror.

Die Geschichte dreht sich um einen Ex-Soldaten, der sich vor 8 Monaten entschied, seinen Job als Killer an den Nagel zu hängen. Trotzdem lässt er sich von seinem ehemaligen Partner zu einem Auftrag überreden. Ungewollt schlittert er dabei in eine boshafte Welt, die auch ihn immer mehr zu einem Monster mutieren lässt.

Regisseur Ben Wheatley hat mit seinem ‚Kill List‘ einen sehr interessanten, wenn auch nicht überragenden Genre-Beitrag geschaffen. Er erzählt die Geschichte einer scheinbar normalen Familie. Doch schon in der ersten Szene wird klar, dass hinter der familiären Fassade etwas ganz Komisches vor sich geht. Wheatley hat zwei Trümpfe. Einerseits seine herausragenden Darsteller und andererseits seine vielen Symboliken, deren Bedeutungen dem Zuschauer erst nach längerem Nachdenken auffallen. Der Film steht als Parabel für die Dämonen in jedem von uns. Ein Bibliothekar, der Snuff-Filme hortet und schließlich auf brutale Weise von den beiden Killern ermordet wird. Die „Kill List“ und die Brutalität stellen in Wheatleys Welt eine Metapher für die Befreiung dar. So versucht sich beispielsweise der Protagonist von seiner familiären Verantwortung loszueisen.

Anfangs dachte ich mir, wo ist der Inhalt in diesem Film. Viel zu bedeutunglos scheint die erste halbe Stunde zu verlaufen. Und vor allem unheimlich zäh. Hier zeigt sich auch die Schwäche des Drehbuchs. Man soll für die Frau und das Kind des Protagonisten Gefühle entwickeln. Das klappt leider zu keinem Zeitpunkt. Zudem kündigt Wheatley bereits in den ersten Minuten seinen Endtwist an. Wieso weiss wohl nur er selbst. Auch mangelt es an wirklich überzeugenden Wendungen.

‚Kill List‘ ist zwar durchaus ein sehenswertes Psycho-Drama. Denn er erzählt seine Geschichte auf eine einzigartig beunruhigende Weise, auch wenn Extremmomente ausbleiben. Den Eintritt bezahlt zu haben, bereue ich nicht, denn erfrischend andersartig ist Wheatleys Killer-Odyssee. Doch es fehlt leider zu jedem Zeitpunkt das gewisse Etwas. Der Film ist gewalttätig, aber zu harmlos, um wirklich schockieren zu können. Der Endtwist ist langweilig. Spannung kommt, abgesehen von der letzten halben Stunde, nicht wirklich auf. Das ist schade, denn man sieht die vielen genialen Ideen, die Details sind gut durchdacht und die Inszenierung überzeugt. Doch bleibt Wheatley in seiner Konsequenz ein Anfänger. Er traut sich nicht, seinen eigenen Dämon zu zeigen. Leider!

Bewertung: 5/10 Sternen