"Kill the Boss 2" (USA 2014) Kritik – Die Rückkehr der fiesen Brötchengeber

Autor: Stefan Geisler

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„Have you ever done it in a dentist’s chair?“

Fortsetzungen, Sequels, Prequels… Auch im Kinojahr 2015 sucht man im Mainstream-Programm vergebens originäre Stoffe und findet die Kinolandschaft stattdessen durch Altbewährtes geprägt. Diese ewige Wiederverwertung und Fortführung bereits bekannter Konzepte erscheint mal mehr („Planet der Affen – Revolution“), mal weniger sinnvoll („300: Rise Of An Empire“) – ganz ungeachtet der qualitativen Umsetzung. Während jeder Spielzeit schafft es dann aber doch mindestens ein Sequel/Reboot/Prequel in die Lichtspielhäuser, bei dem man sich ernsthaft fragen muss, was die Produzenten geritten hat, als sie diesem Film grünes Licht gegeben haben. Der Preis für die unnötigste Fortsetzung hat sich in diesem Jahr mit Sicherheit „Kill the Boss 2“ gesichert, denn eigentlich erwies sich bereits „Kill the Boss“ storytechnisch erschreckend schwach auf der Brust. Natürlich steht hinter einer solchen Entscheidung rein finanzielles Kalkül, schließlich konnte „Kill the Boss“ bei Produktionskosten von 35 Millionen US-Dollar über 209 Millionen US-Dollar an den weltweiten Kinokassen einspielen. Wünschenswert wäre es jedoch, wenn bei solchen Entscheidungen die Frage nach einer sinnvollen Fortführung der Geschichte zumindest eine Nebenrolle im Entscheidungsprozess einnehmen dürfte, ansonsten läuft man Gefahr einen Film wie „Kill the Boss 2“ zu produzieren, der seinem Vorgänger nicht nur in sämtlichen Aspekten unterliegt, sondern den Ausgangsfilm ganz nebenbei gleich noch zunichtemacht.

Nachdem sich Nick (Jason Bateman), Dale (Charlie Day) und Kurt (Jason Sudeikis) endlich aus den Fängen ihrer Horror-Chefs befreien konnten, planen die drei Freunde, ihr eigenes Unternehmen zu gründen. Natürlich soll hier alles besser werden, denn die liebenswerten Vollchaoten wollen sich nach den Erfahrungen ihrer Vergangenheit natürlich als absolute Muster-Vorgesetzte präsentieren. Doch leichter gesagt als getan, denn das Leben eines Unternehmers ist gar nicht so einfach – ihr Produkt, der „Shower-Buddy“, will sich einfach nicht so recht verkaufen lassen. Wie gelegen kommt da der Vertrag mit Multi-Millionen-Dollar-Investor Bert Hanson (Christoph Waltz), der den „Shower-Buddy“ exklusiv in seinem Versandhaus anbieten will. Leider erst viel zu spät erkennen die Jungunternehmer das wahre Gesicht von Bert Hanson, der durch einen perfiden Plan die Firma in den Ruin treiben will…

Waren die drei Freunde Nick (Jason Bateman), Dale (Charlie Day) und Kurt (Jason Sudeikis) im ersten Teil noch als Identifikationsfiguren der mittelständischen Arbeiterschaft angelegt, die sich lautstark und drastisch gegen unfaire Arbeitsbedingungen, sexuelle Belästigung und Mobbing am Arbeitsplatz zur Wehr setzten, verkommen diese liebenswerten Verlierer im neuen Film zu lautstarken Nervensägen, deren charakterliche Integrität ohne großes Schulterzucken für jeden noch so billigen Lacher schamlos geopfert wird. Wo im ersten Teil noch die fiesen Chefs durch stetige Überzeichnung zu Karikaturen realer Büro-Schreckgespenster mutierten, sind es jetzt Nick, Dale und Kurt, die zu einem Spottbild eben jener mittelständischen Schicht werden, für die sie noch im ersten Teil einstanden.

Doch nicht nur die drei Hauptcharaktere, auch die fiesen Vorgesetzten haben in der Fortsetzung deutlich an Biss verloren. Konnte „Kill the Boss“ gerade durch Jennifer Aniston („Friends“), Kevin Spacey („House of Cards“) und Collin Farrel („7 Psychos“) als Dreieinigkeit der verschrobenen Dienstherren punkten, bleiben Christoph Waltz („Django Unchained“) und Chris Pine („Star Trek“) als neues Vater-/Sohn-Horror-Chef-Gespann erschreckend zahnlos. Ähnlich sah das wohl auch Regisseur Sean Anders („Der Chaos-Dad“), denn statt sich voll und ganz auf sein neues Horror-Duo einzulassen, wurden krampfhaft die Überbleibsel des Vorgängers in das Sequel eingearbeitet und so dürfen sich auch wieder Jennifer Aniston und Kevin Spacey um den Titel „Horror-Boss des Jahres“ bewerben. Leider lassen sich diese Handlungsstränge nie zu einem kohärenten Ganzen zusammenfügen und so wirken insbesondere die Szenen mit Jennifer Aniston wie Fremdkörper im Handlungsgefüge, die einzig und allein dazu dienen, den ehemaligen Serienstar ein weiteres Mal leicht bekleidet auf der Leinwand zeigen zu können.

Fazit: Wenn die drei Vollchaoten Nick, Dale und Kurt am Ende von Sean Anders Komödien-Sequel „Kill the Boss 2“ wieder genau an dem Punkt stehen, an dem man sie eingangs des ersten Teils abgeholt hatte, dann erweist sich die Fortsetzung nicht nur als überflüssig, sondern wird im höchsten Maße zum Ärgernis. „Kill the Boss 2“ ist ein Film ohne Daseinsberechtigung, denn abgesehen von ein paar gelungenen Szenen, die größtenteils dem harmonischen Miteinander Dynamik zwischen den drei Hauptdarstellern zurückzuführen ist, bleibt das Ganze eine lahme Wiederverwertung der aus dem ersten Teil bekannten Comedy-Mechanismen. Wie lieblos das ganze Komödien-Konstrukt zusammengeschustert ist, dürfte einem spätestens mit der Auflösung klar werden, denn selten gestaltete sich dieses dermaßen hanebüchen wie in „Kill the Boss 2“.