"Killer Elite" (USA/AU 2011) Kritik – Clive Owen jagt Jason Statham um den Globus

„Der Oman ist ein gottverdammtes Wespennest!“

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Manche Geschichte schreibt das Leben schon so abgedreht, dass es einem schwerfällt, diese wirklich zu glauben. Filme kann man immer schnell als realitätsfern und verdreht bezeichnen, doch was ist, wenn sich auch ein Film einer solch verdrehten, aber dennoch realistischen Geschichte annimmt? Gary McKendry tat das mit seinem Spielfilmdebüt mit dem Thriller ‚Killer Elite‘ aus dem Jahr 2011. McKendry, der vorher schon eine Oscar Nominierung für den Kurzfilm ‚Everything in This Country Must‘ einfahren konnte, nimmt sich in seinem Erstling der biografischen Vorlage „The Feather Men“ des Ex-SAS Mitglieds Sir Ranulph Fiennes an, ein entfernter Verwandter der beiden Schauspieler Ralph und Joseph Fiennes. Das Ergebnis ist mit Sicherheit kein schlechtes und für einen Vertreter dieses weitausgefahrenen Genres klar überdurchschnittlich, doch einen neuen und ebenso spannenden ‚Scorpio‘-Verschnitt konnte McKendry mit ‚Killer Elite‘ nicht schaffen, denn dafür sind seine Schwächen noch zu klar.

Danny und sein Mentor Hunter passen zusammen wie Pech und Schwefel. In den 70ern hat Hunter seinem Zögling Danny alles beigebracht, was einen guten Killer ausmacht und Danny ist nicht nur auf dem Weg Hunter zu überholen, sondern zählt auch schon zu den Topmännern der dreckigen Branche. Als Danny jedoch bei einem Job in Mexiko verwundet wird, reicht es ihm endgültig und er will aus dem Geschäft aussteigen – für immer. Für Hunter ist die Uhr noch nicht abgelaufen und er nimmt einen Auftrag im Oman an, der nach hinten losgeht und ihn schnell hinter die Gitter des Scheichtums bringt. Danny muss wieder zurück in seinen alten Kreis und Hunter befreien, doch um das zu bewerkstelligen, gibt der Scheich Danny die Aufträge, drei Männer des britischen SAS zu töten, denn diese haben die Söhne des Scheichs umgebracht. Mit SAS-Agenten ist auch nicht zu spaßen, vor allem nicht mit ihrem besten Mann Spike, der sich auf Danny ansetzt…

Die Geheimorganisation Special Air Service, kurz SAS, zählt zu den besten Spezialeinheiten überhaupt, laut Film sind die Neavy Seals, die sich zuletzt durch die Tötung von Osama Bin Laden wieder ein Denkmal gesetzt haben, nur Kindergartenkinder gegen die Briten. Nicht umsonst nennt man diese Männer Feather Man. Damit ist nicht gemeint, dass sie Federweich sind und mit Sanftheit ihre Aufträge erfüllen, sondern unbemerkt und leise ihrer Wege gehen und genau dann zuschlagen, wenn es am unvorhersehbarsten für die Ziele ist. Im Film stellen wir uns nicht auf der Seite des SAS, sondern der Auftragskiller und eine Reise um den Globus beginnt. Vom Oman geht es nach England, von England nach Australien und von Australien zurück nach Arabien. Wenn man dann noch in Anbetracht zieht, dass der Film in den 80ern spielt, weiß man, hier kriegt man es mit schönen Retroaufnahmen der verschiedenen Länder zu tun. In diesem Punkt weiß ‚Killer Elite‘ auch durchaus zu gefallen und die Kameramänner Duggan und Duplantier sorgen für atmosphärische wie dichte Aufnahmen der trockenen Wüste und dem verregneten Englands. Dazu der krachende und antreibende Score von Heil und Klimek und fertig ist das passende Rundum für einen solchen Thriller. Auch bei der Besetzung konnte Gary McKendry einige große Namen zusammentrommeln. Angefangen mit Action-As Jason Statham („The Mechanic“) als Danny und Clive Owen („The International“) als Spike. Beide passen in ihre Rolle, Owen ist natürlich der bessere Schauspieler, aber auch Statham überzeugt in den etwas ruhigeren Momente, in denen er mal nicht nur gnadenlos auf seine Gegner einprügelt. Verbraten wurde jedoch Robert De Niro („GoodFellas“) als Mentor Harry, der nicht nur einen flachen Charakter zugesprochen bekommt, sondern auch eine glatte Performance zeigt, die weder interessant noch fordernd ist.

Danny ist, und da wären wir mal wieder beim Thema von Stathams Charakteren, der Beste seines Fachs. Einen Auftrag führt er mit seinem Mentor nach dem anderen aus. Töten, töten, töten und das in kompromissloser Perfektion. Als es jedoch mal erneut hart auf hart kommt, zögert Danny aufgrund seiner Gewissensbisse im Bruchteil einer Sekunde und wird angeschossen. Dannys Freundin wusste über die Zeit nie, wo er sich überhaupt aufhält und was es wirklich mit seinen Aufträgen auf sich hat. Doch nun soll endgültig Schluss sein und Danny will zum treuen Mann werden. Wenn das doch nur so einfach wäre, denn Harry steckt schon im nächsten Schlamassel. Er sollte eine bestimmte Person im Oman liquidieren, doch als er herausfand, dass es sich um SAS-Agenten handelte, wollte er sich schnell aus dem Staub machen, lief dabei aber direkt den Handlangern des Scheichs in die Hände und landete hinter Gittern. Also liegt es nun wieder an Danny, der in den Oman reisen muss um seinen alten Freund zu retten. Aber auch das geht schief und Danny kriegt Harry nur wieder zurück, wenn er die Mörder des Sohnes vom Scheich umbringt. Dazu muss er es mit dem gefürchteten SAS aufnehmen, die jeden Gegner knacken würden und deren System unbemerkt untermauern. Nur hat Danny die Rechnung ohne Spike gemacht, ein frustrierter Ex-SAS-Agent, der seinen Stand nicht verlieren will, obwohl er längst ein gefallener Stern ist. Nun wird der Jäger zum gejagten und alles kann in jedem Moment gewaltig nach hinten losgehen.

Wer sich von ‚Killer Elite‘ einen knochenharten Actionkracher verspricht, der wird enttäuscht. Regisseur Gary McKendry inszeniert einen Spionage-Thriller, der immer weiter zum Katz-und-Maus-Spiel umgebaut wird. Dabei lässt er sich Zeit, nimmt sich den nötigen Raum und vergisst streckenweise, den richtigen Pepp in seine eigentlich vielschichtige Handlung zu legen. Die Story plätschert immer wieder trocken vor sich hin und die Dialoge werden viel zu ausgereizt. Die Actionszenen selbst treten im besten Old School-Mantel auf und hier werden keine Kugeln verschwendet, denn wir bekommen es auf allen Seiten mit Profis zu tun, und da sitzt jeder Schuss. So beginnt eine Jagd um den Globus, bei der immer klarer wird, dass die besten Männer einer Einheit, nur Marionetten in einem kalten System sind und die wahren Mächte nur in wenigen Momenten aufblitzen. Was der zuweilen schleppenden Inszenierung noch fehlt, ist das nötige Charisma und Augenzwinkern, denn das hätte hier dem Film wirklich gutgetan, wie sich am Ende in einem kurzen Moment perfekt zeigt. ‚Killer Elite‘ lässt die Ansätze bei Ansätzen und will nicht richtig in Schwung kommen, langweilig ist er zwar nicht, aber dennoch ziemlich einseitig und genau das raubt ihm die Möglichkeiten und das klar vorhandene Potenzial.

Fazit: ‚Killer Elite‘ hat seine klaren Höhepunkte immer dann, wenn er die Stars von der Leine lässt und richtig Zunder in sie stecken darf. Die Action sitzt, die Atmosphäre ebenso und der Stil passt sich der Zeit gut an. McKendrys Inszenierung wirkt nur immer wieder zu Müde und kann den Funken nicht vollkommen überspringen lassen, dazu hat er die Legende Robert De Niro kläglich verschenkt. Ein netter Film, für zwischendurch sicher geeignet, aber nichts für die Ewigkeit oder gar ein Genre-Highlight.

Bewertung: 5/10 Sternen