"Kindsköpfe 2" (USA 2013) Kritik – Mit Adam Sandler durch die Kleinstadthölle

Autor: Stefan Geisler

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„I’m so glad we left the city, this is such a good place to raise a family.“

Starkomiker Adam Sandler steckt in der Krise, denn die Filme des ehemaligen Kassengaranten floppen an den amerikanischen Kinokassen. Ein herber Schlag für den Brachialkomiker Sandler, der seinem Publikum früher jeden Mist als pures Comedy-Dynamit verkaufen konnte. Denn lange Zeit war es egal wie abgestanden die Thematik, und wie niedrig die Kalauer-Messlatte gelegt wurde, der Name Sandler zog die Massen geradezu in die Kinos und versprach nicht nur sichere Einspielergebnisse, sondern rechtfertigte auch das unverständlich hohe Budget seiner Filme (So verschlang beispielsweise die Produktion von „Kindsköpfe“ 80 Millionen US-Dollar). Doch irgendwie ist die Luft raus, das Publikum scheint spätestens nach Sandlers Doppelrolle als ungleiches Geschwisterpaar in „Jack und Jill“ regelrecht übersättigt. Mit „Kindsköpfe 2“ versucht man nun wieder, an alte Erfolge anzuknüpfen. Eine Fortsetzung zum Komödien-Erfolg von 2010, was soll da groß schief gehen? Schließlich spielte der Vorgänger trotz miserabler Kritiken und einfachen „Zuhause ist es doch am Schönsten“-Plattitüden weltweit über 270 Millionen US-Dollar ein. „Kindsköpfe 2“ schafft es sogar noch einmal, seinen Vorgänger in allen Belangen zu unterbieten: Sandler und Kollegen blödeln sich durch zähe 111 Minuten, zünden einen humoristischen Rohrkrepierer nach dem nächsten und stellen wieder einmal fest, wie schön doch das Kleinstadtleben sein kann. Schon jetzt darf „Kindsköpfe 2“ gerne als heißer Anwärter für die Goldene Himbeere 2014 gehandelt werden.

Selbst das Leben in einer Kleinstadt kann voller Abenteuer stecken. So jedenfalls sehen das die Jungs der Kindskopf-Clique. Gemeinsam mit ihren Familien haben es sich Lenny (Adam Sandler), Eric (Kevin James), Kurt (Chris Rock) und Marcus (David Spade) in ihrer Heimatstadt gemütlich gemacht und verbringen nun jede freie Minute miteinander. Aber hey, diese Kleinstadt hat noch viel mehr zu bieten, als die Kindskopf-Bande, hier gibt es sexy Ballettlehrerinnen, schwule Yoga-Trainer, drogensüchtige Schulbusfahrer, glatzköpfige Polizisten, pissende Hirsche und viele mehr. Klingt das nicht nach einer Menge Spaß? Richtig verrückt wird es aber erst, wenn Lenny wiedermal eine seiner berühmten Partys schmeißt und dazu die ganze Stadt in seinen monströsen Garten einlädt. Junge, hier ist wirklich jeder Tag ein Abenteuer…

Schon die ersten Minuten in „Kindsköpfe 2“ gleichen einem humoristischen Eignungstest für das, was den Zuschauer in den nächsten 111 Minuten erwarten soll: Hier wird erst Adam Sandler und dann sein gerade unter der Dusche masturbierender Sohnemann von einem Hirsch mit Urin bespritzt. Wer über diese Szene kräftig lachen kann, der ist in Dennis Dugans „Kindsköpfe 2“ genau richtig. Denn anders als sein filmischer Vorgänger, durch den man versuchte Sandler-Filme auch im Feld der Familienkomödien zu etablieren, wird hier wieder verstärkt auf Fäkalhumor und derbe Zoten gesetzt. Besonders unangenehm fällt dabei einmal mehr Sandler-Buddy Nick Swardson als schamloser Busfahrer auf, dem die zweifelhafte Ehre zu teil wird, den Zuschauer durch besonders erniedrigende Comedy-Einlagen bei Laune zu halten.

Gab es im ersten Teil wenigstens noch zum Schein eine Rahmenhandlung – neureicher Großstadt-Yuppie kehrt in seine Heimatstadt zurück und lernt dort die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen – verzichtet das Sequel vollständig auf selbige. „Kindsköpfe 2“ gleicht einer überlangen Sketchparade, bei der die Protagonisten von einer Szenerie in die nächste stolpern, ohne das sich diese zwingend aus der vorhergehenden Szene ergeben hätte: K-Markt-Shoppingtouren stehen hier ebenso auf dem Programm wie ein Kräftemessen mit einer aufmüpfigen College-Clique am Rande der berüchtigten „Todesklippe“ oder eine 80-Jahre Kostüm-Party inklusive einer überraschenden Live-Performance einer bekannten Rockband. Das alles, damit man wie bereits nach dem ersten Teil zu der Einsicht kommen darf, dass man nicht extra in die Ferne ziehen muss, um sein Glück zu finden. Leider scheitert selbst diese plumpe Moral daran, dass einem das hochgepriesene Kleinstadtleben und der -charme durch die Vielzahl der unsympathischen Bewohner nicht wie der ultimative Coup, sondern eher wie eine Strafe vorkommt.

Fazit: Dennis Dugans „Kindsköpfe 2“ ist ein filmischer Totalausfall in allen Belangen. Natürlich gibt es bei der Vielzahl der misslungenen Witze auch vereinzelt ein paar Zufallstreffer, wobei besonders der wunderbar selbstironische Auftritt vom Wolfsrudelführer Tylor Lautner („Eclipse – Bis(s) zum Abendrot“) als humoristischer Höhepunkt des Films herausgehoben werden darf. Sandler hat uns mit „Kindsköpfe 2“ bewiesen, dass er nicht mal ein richtiges Drehbuch, geschweige denn eine originelle Geschichte braucht, um Fortsetzungen zu drehen. Sollte also „Kindsköpfe 2“ ein Erfolg an den Kinokassen werden, gibt es leider Gottes nichts, was einem dritten Teil im Wege stehen könnte.