"King Kong" (USA 2005) Kritik – Es lebt!

„Das Biest erblickte das Antlitz der Schönheit, seine Hand erstarrte und von diesem Tage an war es dem Tode geweiht.“

Ich habe lange überlegt, ob ich „King Kong“ eine „sehr sehenswert“ oder ein „außergewöhnlich“ gebe und bin zu dem Schluss gekommen: Peter Jackson hat den Koloss hervorragend ins 21. Jahrhundert übersetzt. Der Film nimmt sich zu Beginn viel Zeit, die Charaktere vorzustellen und die Geschichte aufzubauen, was mit wunderschönen Bildern und sehr guter Musik nicht ins Gewicht fällt. Im Gegenteil: Es ist zu keiner Sekunde langweilig. Stattdessen baut sich langsam eine messerscharfe Atmosphäre und Spannung auf.

Nach Anns Entführung bis zum zweiten Antritt auf der Insel hat sich ein extrem hohes Interesse aufgestaut, denn der Film versteht es blendet, Nervenkitzel zu erzeugen und die Insel unheimlich zu präsentieren. Auf Skull Island warten viele tolle Ideen und Langeweile kommt absolut nicht auf. Die Actionszenen sind Jackson-typisch herausragend in Szene gesetzt. Technisch gibt es an dem Film rein gar nichts auszusetzen, Kong ist zu jeder Zeit toll animiert, gerade mimisch (Motion-Capture lässt grüßen), fügt sich fast perfekt in die Umwelt; die Saurier stehen dem in nichts nach und die zahlreichen Krabbelviecher sind schön ekelig (mir läuft bei den Riesen-Tausendfüßlern in dem großen Baumstamm auf Anns Schulter jedes mal ein Schauer über den Rücken). Einen großen Teil der Atmosphäre zieht „King Kong“ außerdem aus dem grandiosen Soundtrack. Dramaturgie, Harmonie, Humor: Komponist Howard hat hier eine herausragende Arbeit geleistet und für jede Situation die passenden Noten gefunden.
Einziger Knackpunkt des Films: Die schauspielerische Leistung. Jack Black macht seinen Job hier erstaunlich gut und beweist mal wieder, dass er ein kleiner Alleskönner ist. Brody spielt wie immer solide und überzeugend. Erste Enttäuschung war für mich allerdings Naomi Watts. Legte sie in „21 Gramm“ und „Mulholland Drive“ erstaunlich gefühlvolle Auftritte hin, konnte sie in „King Kong“ nicht recht überzeugen. Zugegeben, sie hat viele „Schreckmomente“ und schreit mindestens vier Mal, aber das kommt irgendwo zu gekünstelt und für mich schlicht nicht überzeugend rüber. Da hat sogar der vergleichsweise unerfahrene Jamie Bell als Schiffsjunge Jimmy eine bessere Arbeit geleistet und war für mich eine kleine Überraschung. Bis auf Colin Hanks konnte mich allerdings kein Nebencharakter überzeugen. Gerade Thomas Kretschmann, der sich hier sinnloserweise auch noch selbst synchronisiert, spielt im Schatten von Jack Black einfach schlecht. Der letzte Kritikpunkt richtet sich an die Emotion: Die Momente zwischen Kong und Ann sind zu schmalzig geraten, wodurch sich immer wieder Situationen des Fremdschämens einstellen. Zum Glück gibt es davon nicht viele, sodass es nicht zu sehr stört. Und es soll ja auch kein Liebesfilm sein.

Fazit: Ich sehe „King Kong“ als einen Versuch, den liebenswerten Gorilla für die Nachwelt zu erhalten, technisch auf ein gewisses Level zu bringen und einer neuen Generation zu erschließen. Und das hat Peter Jackson mit Bravour gelöst. Schön düster, ungemein atmosphärisch, spannend, technisch hervorragend, musikalisch grandios und mit wunderschönen Bildern ist Peter Jacksons „King Kong“ ein ausgezeichneter Streifen geworden.

Bewertung: 8/10 Sternen