Klassiker-Tipp der Woche "2001 – Eine Odyssee im Weltraum" (1968)

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„‚2001‘ ist wie eine Oper komponiert – die Ouvertüre in ‚The Dawn of Man‘, der Hauptteil im Jahre 2001 und der tragische Schluss –, doch zugleich so offen und verletzlich wie eine tiefe Wunde. Es entbehrt daher nicht nur eines Fazits. Es gibt kein Fazit. Oder wie sich Arthur C. Clarke ausdrückte: ‚Wenn Sie 2001 vollständig verstanden haben, haben wir versagt: Wir wollten viel mehr Fragen stellen, als wir beantwortet haben.‘“ (Ulrich Behrens bei Filmstarts.de)

Wie soll man ein epochales Werk, welches in knapp 143 Minuten die Evolutionsgeschichte der Menschheit (bzw. des Lebens im All), Raum und Zeit, die Bedeutung von Technik und Fortschritt und noch so vieles mehr thematisiert, in Worte fassen?

Zur Technik braucht hier nicht viel gesagt werden, der Film zählt nicht ohne Grund zu den einflussreichsten Filmen aller Zeiten. Nahezu perfekt inszeniert, hat er nicht nur den Grundstein für Sci-Fi-Klassiker wie Blade Runner und Alien gesetzt, sondern bleibt zugleich mit seiner Inszenierung bis heute einzigartig. Opernhaft, wenn die Raumschiffe zu klassischer Musik wie „An der schönen blauen Donau“ im endlosen Raum zu tanzen scheinen. Tragisch, wenn man die Evolution des Homo Sapiens mitanschauen (mitertragen?) muss. Philosophisch, religiös, mystisch, rätselhaft, nie wieder hat ein Film all diese Punkte technisch dermaßen überzeugend zu einem logischen (?) Ganzen vereint. Der Schnitt als Übergang vom ersten zum zweiten Akt bleibt in der Filmgeschichte ein Unikat. Was will man also noch viel mehr, als eine perfekte Bild- und Tonkomposition? Natürlich braucht der Film einen Inhalt, und den hat er definitiv.
Regisseur Stanley Kubrick beschreibt hier die Entwicklung vom Affen zum Menschen, vom Zusammenleben von Mensch und Tier zum Mensch als Jäger und Brutalo, vom Gesellschaftswesen zum einsamen „Helden“. Kubrick sucht in Namen des Menschen eine Ursache für die Entstehung von Leben. Er stellt Gott als schwarzen Monolithen mit magnetischem Feld dar. Oder ist der Monolith vielleicht doch ein Synonym für Adamsapfel? Man weiss es nicht, aber, wie bereits aus dem Anfangszitat deutlich geworden ist, hier geht es nicht um Beantwortung von Fragen, sondern darum viele Fragen aufzuwerfen und Diskussionen zu entfächern. Geschafft hat das Kubrick mit seiner Sci-Fi-Oper sicherlich, ob einem das liegt, muss jeder Betrachter für sich selbst entscheiden. Aber seit vorgewarnt, das hier ist Kunst, Geschichte, Religion und Philosophie und hat mit Unterhaltung wenig gemein. Mir persönlich hat diese Art des Geschichtenerzählens wunderbar gefallen, und daher war das auch nicht das letzte Mal, dass ich mir den Film angeschaut habe.

Die volle Punktzahl kann ich dem Film trotzdem nicht geben, denn es fehlt mir ganz einfach an Emotionen. Umso genialer jedoch ist die Wirkung auf die Sinne, denn für Augen und Ohren bietet der Film eine Symbiose aus wunderschönen und schockierenden Eindrücken und nicht weniger als die perfekte Symphonie aus Bild, Ton und Technik.

Fazit: Wie soll ich ‚2001: Odyssee im Weltraum‘ letztendlich zusammenfassen. Soll ich eine Empfehlung aussprechen? Ich weiss es nicht, denn den Film als Meisterwerk zu betiteln wird ihm zwar gerecht, jedoch werden ihn viele nicht als dieses sehen. Daher passt meines Erachtens wohl eher der Begriff meisterliches Kunstwerk, denn über Kunst lässt sich bekanntlich streiten, und über diese 143 Minuten auf Zelluloid gebannte Menschheits- und Universumsgeschichte sicherlich auch.

Bewertung: 9/10 Sterne