Klassiker-Tipp der Woche "Bullitt" (USA 1968) Kritik – Steve McQueen ist unbestechlich

„Ich dachte, ich kenne dich, aber jetzt bin ich nicht mehr so sicher. Gibt es noch irgendetwas was dich berührt, was dir wirklich nahe geht? Oder bist du bereits so abgebrüht, dass dich nichts mehr erschüttert? Du lebst in einem Sumpf, Frank!“

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Viele Filme werden oft einfach als Klassiker abgestempelt, nur weil sie aus einem bestimmten Jahrgang sind. Auf den Inhalt oder die Klasse dieser Filme, wird dabei nicht immer wirklich Rücksicht genommen und schon hat ein belangloses Werk seinen Klassikerruf weg und geistert durch die Weiten der Filmwelt. Was macht einen Klassiker aber eigentlich aus? Wahrscheinlich ist es diese Eigenart, die den Film zu etwas besonderem macht. Mit Sicherheit auch die Zeitlosigkeit und die Gefühle, die er noch viele Jahrzehnte später überträgt. Dazu müssen diese besagten Filme auch keine Meisterwerke sein. Perfektion macht in diesem Fall nicht immer einen Klassiker aus. Mit Fug und Recht darf man behaupten, Peter Yates Krimi ‚Bullitt‘ aus dem Jahre 1968 ist ohne Wenn und Aber ein solcher Film, der kein Meisterwerk ist, seinen Klassikerstatus aber mehr als verdient hat und ein wichtiger Bestandteil der Filmgeschichte ist und bleiben wird.

Der Polizist Lieutenant Frank Bullitt muss einen wichtigen Mann beschützen, der gegen das gefährliche organisierte Verbrechen aussagen soll. Das klappt jedoch nicht und der Zeuge wird bei einem Anschlag getötet. Bullitt hält den Mord geheim um einige Zeit für Ermittlungen zu gewinnen und sucht nach den Tätern. Bei seiner Suche gerät er immer tiefer in einen Strudel aus Verbrechen…

Als Frank Bullitt sehen wir Steve McQueen in einer seiner legendären Rollen, die ihn unsterblich gemacht haben. McQueen verliert keine vielen Worte, strahlt aber unglaublich viel Coolness und Standhaftigkeit aus. Niemand macht ihm etwas vor und allein seine Mimik ist wirklich herausragend. Er zieht die Blicke auf sich und als Zuschauer ist man sofort und ohne Umschweife an seiner Seite. Ohne große Gesten macht er seinen Charakter zu einer Einzigartigkeit. Diese Ausstrahlung und Präsenz von McQueen kann niemand der anderen Darsteller erreichen. Aber Robert Vaughn als Walter Chalmers, Don Gordon als Sgt. Delgetti und Jacqueline Bisset zeigen ebenfalls gute Leistung. In einer kleinen Rolle sehen wir auch Robert Duvall als Bullitts Taxifahrer Weissberg.

Aus heutiger Sicht mag ‚Bullitt‘ klischeehaft wirken, allerdings bedient der Film diese Klischeecharaktere so passend, dass sie zu keinem Zeitpunkt stören. Frank Bullitt ist ein wortkarger Polizist. Am liebsten arbeitet er für sich, ermittelt auf eigene Faust und erledigte die Aufträge auf seine ganz eigene Weise. Doch Bullitt ist kein Polizist, der käuflich ist und für bestimmte Dinge die Seiten wechseln würde. Niemals. Er kämpft auf der guten Seite des Gesetzes und ist noch ein Schützer dieser Vorschriften. Der erste Eindruck von Bullitt erscheint geschwächt, ausgelaugt und kränklich. Doch er ist immer bei der Sache, geht gewissenhaft seinen Weg und weiß genau, was er tun muss. Er ist an dem Punkt angekommen, so scheint es, wo ihn die Gewalt im Leben nicht mehr stört, denn er ist selber ein Teil von ihr. Ganz zum Schreck seiner Freundin, die ihn für so abgestumpft hält, dass ihn nichts mehr schockiert. Dann gibt es den schmierigen wie unsympathischen Partner, der Bullitt nur zu gern ein paar Stöcke zwischen die Speichen werfen würde, nur um ihn fallen zu sehen und seinen eigenen Ruf aufzupolieren. Das sorgt für Reibereien, denn Bullitt gehört noch zur ehrlichen Gattung der Polizisten, die man heutzutage viel zu selten zu sehen bekommt. Aus diesen Charakteren hat Yates seinen Krimi geflochten und egal wie oft diese Charakter schon kopiert oder geklaut werden, das Original bleibt unberührt und unverwechselbar.

‚Bullitt‘ wurde zum Vorbild für viele andere Krimistreifen, doch das Wasser konnten ihm nicht viele reichen. David Yates verzichtete auf einen Ausleuchtung oder Studie der Figuren und trotzdem sind ihre Standpunkte immer klar. Bullitt braucht nicht viel sagen, sein Blick und seine Mimik tun das für ihn. Emotionen sind in seinem Job nicht erlaubt, doch wer denkt, Bullitt ist innerlich schon abgestorben, der wird in der letzten Szene eines besseren belehrt, wenn sich das wahre, menschliche Gesicht von ihm im Spiegel betrachtet. Wir heften uns an seine Seite und lassen ihn kein einziges Mal aus den Augen. Wir schenken ihm Vertrauen und folgen auf Schritt und Tritt. Das klare Highlight des Films ist die Verfolgungsjagd mit quietschenden Reifen und brummenden Motoren, die so unglaublich packend inszeniert wurde und wahrlich perfekt gefilmt von Kameramann Fraker, das sie einen auch heute noch mitreißt und die Spannung auf die Spitze treibt. Sicher ist Yates Inszenierung nicht fehlerfrei und ‚Bullitt‘ ist kein Meisterwerk, doch der Film ist in jedem Moment echt und fühlbar und genau das reißt einfach mit. Das angenehme Tempo des Films kommt da gerade richtig und lässt die durchdachte Story schön entfalten, bis zum brisanten Schluss. ‚Bullitt‘ ist durchgehend unterhaltsam, cool und genauso spannend. Steve McQueen im blauem Rollkragenpullover und grünen Mustang ist sowieso nicht mehr zu schlagen.

Fazit: So machen Klassiker Spaß. Ein ruhiges, aber keinesfalls stockendes Erzähltempo, tolle Actionszenen, Spannung und ein fantastischer Hauptcharakter, der auch heute noch verboten cool ist. ‚Bullitt‘ ist nicht frei von Logiklöchern und ein Meisterstück ist er auch nicht, doch er ist etwas Besonderes und stellt nach wie vor etwas Eigenes dar. Dazu die tolle Kameraführung und die feine Schnitttechnik und fertig ist der Film, der für unzählige andere Pate stand und einer der unsterblichen Klassiker ist.

Bewertung: 8/10 Sternen