Klassiker-Tipp der Woche "Carlito’s Way" (1993)

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‚Carlito’s Way‘ ist ein meiner Meinung nach viel zu unbeachtetes Meisterwerk, ein Filmjuwel, mit Al Pacino in einer seiner besten Rollen, ein zutiefst menschliches und zugleich brutales Drama. Ja, der Film ist für mich mehr ein Drama, denn ein Mafiafilm. Denn mit solch bis in die kleinste Nebenrolle wunderbar ausgearbeiteten Charakteren habe ich selten mitgefiebert, was mitunter wohl erklären dürfte, warum ich den Film schon an die 30 Male gesehen habe. Aber von was handelt der Film eigentlich?

Der ehemalige Drogendealer und Killer Carlito Brigante (Al Pacino) wird nach 5 Jahren vorzeitig aus dem Knast entlassen. Er möchte kein kriminelles Leben mehr führen und beginnt legal Geld zu verdienen um mit seiner Freundin Gail (Penelope Ann Miller) ein neues Leben zu beginnen. Doch Brigante kann sich nicht von seinen alten Freunden lossagen und gerät immer mehr in den Sumpf des Verbrechens. Als der Anwalt Dave Kleinfeld (Sean Penn) Carlito bittet ihm einen letzten Gefallen zu tun und einen inhaftierten Mafiaboss aus dem Gefängnis zu befreien, nutzt Kleinfeld dies aus und bringt den Mafiakönig um. Schon bald wird Carlito Brigante von Polizei und Mafia gejagt und gerät in einen Strudel aus Gewalt…

Die Darbietungen der Darsteller sind von Anfang bis Ende schlichtweg brilliant, Al Pacino mimt den Protagonisten Carlito verdammt überzeugend. Sean Penn in der Rolle seines Lebens. Penelope Ann Miller als Pacinos Freundin, welche dem Film die nötige emotionale Tiefe verleiht. Viggo Mortensen in seiner Debütrolle als Behinderter im Rollstuhl. Und so weiter…

„It’s who I am Gail, it’s what I am. Right or wrong, I can’t change that.“

Es sind Sätze wie diese, welche den Film mit ‚der Pate‘-Trilogie zum tiefgründigsten und emotionalsten Mafiafilm der Kinogeschichte machen. Ich könnte hier viele Punkte aufzählen, weswegen ich den Film so sehr schätze. Die Inszenierung, die fantastischen Songs (nie war Joe Cockers „You are so beautiful“ passender), Patrick Boyles herausragender Score, die tollen Wendungen, das epische Finale! Wenn ihr also ein authentisches Gangster-Drama sehen möchtet, welches sich durch Charakterdrama und Realismus auszeichnet, dann kann ich euch nur diesen Streich des DePalma-Pacino-Duos zu Herzen legen. Der Film bietet eine Liebesgeschichte ohne Klischees, viel Gewalt und Verrat, tolle Gangster, und behandelt zudem Themen wie Reue, Bedauern, Schicksal, Freundschaft und inwieweit wir selbst der Schmied unseres Schwertes, welches sich Leben nennt, sind.

Ob der Film euch letztendlich gefallen wird, hängt meiner Meinung nach ganz davon ab, wie weit ihr euch auf die Thematik einlässt. Seht ihr den Film nur als oberflächlichen Mafiathriller, dürfte dieser euch weniger zusagen. Setzt ihr euch aber wirklich mit dem Leben der Charaktere auseinander, werdet ihr den Film, wie ich, sofort in eure Arme schließen und nie mehr loslassen!

Und somit möchte ich euch einen kleinen Rat fürs Leben geben: „Never give up your friends, Dave, no matter what.“

Bewertung: 10/10 Sternen