Klassiker-Tipp der Woche "Der eiskalte Engel"

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Bar Owner: Who are you?
Jeff Costello: Doesn’t matter.
Bar Owner: What do you want?
Jeff Costello: To kill you.

Das Jahr 1967, das Jahr, indem Jean-Pierre Melville „Le Samourai“, ich nenne ihn beim Originaltitel, denn „der eiskalte Engel“ trifft den Film nicht wirklich, kreierte. John Woo nannte den Film einst den „perfektesten Film aller Zeiten“. Diesen Perfektionismus zu unterschreiben würde nicht der Realität entsprechen, denn Perfektionismus gibt es nicht. Und doch muss man dem Film zugestehen, dass er von Perfektionismus handelt und seine Inszenierung und sein Schauspiel zum Pursten zählt, was ich jemals gesehen habe.

„Es gibt keine größere Einsamkeit, als die des Samurai, es sei denn, die des Tigers im Dschungel.“ (Das Buch des Samurai)

„Le Samourai“ nur als einen Gangster-Film zu betrachten ist absolut inkorrekt, besitzt er doch, wie man schon an dem Zitat, welches den Film eröffnet, erahnen kann, eine mythische, poetische Ebene. Die Story handelt von dem Profikiller Jef Costello, der eigentlich innerlich nicht mehr lebt. Und nach außen zeigt er nichts als Kühle, sein Ausdruck ist wie versteinert, einzig was zählt ist die perfekte Umsetzung seiner Aufträge. Als eines Tages eine Frau Zeugin einer seiner Mord wird, bleibt ihm nur noch ein Weg, der Weg des Samurai…
Die Welt, welcher Melville seinen Protagonisten aussetzt, ist kalt, dunkel, unbarmherzig, unberechenbar, es scheint wie ein Weltuntergang, der Untergang von Costello, oder vielleicht doch seiner Opfer? Diese undankbare Welt, ob im Büro des ermittelten Komissars, auf den Straßen von Paris oder in Jefs Unterkunft, ist durch ein einzigartiges Farbspiel von kalten Tönen und meisterlichen Kamerafahrten, welche bis heute unvergessen bleiben, in Szene gesetzt worden.

Die Mimik von Alain Delon in der Rolle des Profikillers ist als wahrhaft außergewöhnlich in die Filmgeschichte eingegangen. Sein Gesichtsausdruck könnte nicht amoralischer sein und doch ist er der Sympathieträger in dieser Geschichte, er ist das schönste was dieser zerstörten und finsteren Welt noch geblieben ist. Und er ist der einzige, welcher sich noch an Regeln hält, auch wenn es seine eigenen sind.

Zudem schafft es Melville nicht nur seine eigene Welt zu schaffen, sondern stellt innerhalb von ein paar Sekunden das Image von Paris als „die Stadt der Liebe“ auf den Kopf. Und ebenso verhält es sich mit der so wunderbaren Musik, sie ist pessimistisch und düster, selbst die sonst so typisch fröhlichen Akkordeonmelodien dienen hier zur traurigen, aber bestmöglichen Untermalung.

Ich muss wohl noch sagen, dass dies kein Film für die meisten unserer Zeit ist, denn der Lebensabschnitt des Killers läuft ab wie das richtig Leben, und das heißt sehr gemächlich, keine Action, keine schnell erzählten Handlungsstränge, sehr viel Dialoge, die ersten 10 Minuten bestehen einzig aus Atmosphäre. Das Ende schließlich, was soll ich dazu sagen? Es hat mich erschlagen, ich bin am Ende mit meinen Kräften, ich versuche zu atmen, doch sitze ich atemlos vor dem Bildschirm. Denn selten war ich Zeuge einer solch genialen Wendung. Und hier liegt wohl der Punkt des Films, so kalt er auch ist, seine Zuschauer lässt er sicherlich nicht kalt.

Fazit: Diese zeitlose Parabel auf die Einsamkeit des Menschen und das Streben nach Perfektion ist ohne Umschweife einer der herausragendsten Beiträge zum europäischen Kino, mit der Schauspiellegende Alain Delon in seiner wohl prägnantesten Rolle.