Klassiker-Tipp der Woche "Interview mit einem Vampir" (1994)

„The world changes, we do not, there lies the irony that finally kills us.“

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Kennt ihr ‚Twilight‘? Diesen Albtraum, dieses Schundwerk. Die Zerstörung und Vergewaltigung, die Verkindlichung und ja, recht traurige Verarschung könnte man es auch nennen, eines ganzen Mythos bzw. einer Literaturgattung. Ein Synonym für die Verblödung der Jugend. Stephanie Meyer sollte für ihre Tat bis ans Ende ihrer Tage in die ewigen Jagdgründe verbannt werden.

Auf der anderen Seite Anne Rice, die mit ihrer ‚Chronik der Vampire‘-Saga eine Figur geschaffen hat, mit deren Komplexität nur wenige andere Romanfiguren mithalten können. Die Rede ist von der Geschichte des Lestat de Lioncourt, einem Jahrhunderte alten Vampir. Man habe ich diese Bücher geliebt! Nun, der Film ‚Interview mit einem Vampir‘ ist die Adaption des ersten Romans. Lange habe ich in der Angst, enttäuscht zu werden, gezögert, mir die Verfilmung anzuschauen. Heute war es dann doch soweit, und was soll ich sagen, ich bin begeistert.

Der Film handelt von dem Vampir Louis (Brad Pitt), welcher im hier und jetzt dem Journalisten Malloy (Christian Slater) die Geschichte seiner Existenz erzählt: Als Plantagenbesitzer wird er, nachdem er im Anschluß an den Tod seiner Frau jeden Lebensmut verloren hat, im Jahre 1791 von dem Vampir Lestat (Tom Cruise) auf eigenen Wunsch gebissen und selbst zu einem Vampir gemacht. Doch Louis fängt schon bald an, seine Existenz zu hassen und will schon bald keine Menschen mehr töten. Damit Louis wie in einer Familie leben kann, macht Lestat auch ein kleines Mädchen (Kirsten Dunst) zu einem Vampir. Die Geschichte erstreckt sich über mehrere Jahrhunderte. Erstaunlich ist dabei die lockere Umsetzung der Jahrhunderte. Wie mit einem Fingerschnipsen präsentiert uns Neil Jordan wunderschöne Kostüme und eine sagenhafte Atmosphäre, welche durch Eliott Goldenthals Soundtrack optimal untermalt werden. Die Vampire werden durch Tom Cruise, Brad Pitt, Kirsten Dunst und Antonio Banderas sehr überzeugend verkörpert. Sie alle verleihen ihrem Vampir einen eigenen Charme, Charakter und innerlichen Kampf mit sich selbst.
Die Dialoge kommen zwar teils etwas schwülsigst daher, aber das passt sehr gut in das gothische Gesamtbild. Sehr viele Emotionen und Mitfiebern mit den Figuren wird dadurch garantiert. Zudem hat der Film einige gute Lacher und Schockeffekte zu bieten, ist also insgesamt neben dem dramatischen Grundton sehr abwechslungsreich gestaltet. Ein weiteres Stichwort zum Erfolg ist der altbewährte Ideenreichtum. Das Blut der Ratte als Vampirwein wäre nur eines zahlloser vorbildlicher Beispiele.

Das große Dankeschön geht natürlich an Neil Jordan, der hier ein Meisterwerk geschaffen hat, ein romantisches, melancholisches, wunderschönes Vampirepos, eine Parabel über den Fluch der ewigen Jugend und den Fluch der Unsterblichkeit, ein Märchen über Liebe, Verlust, Trauer, Einsamkeit, Hass und Blut, oder um es auf den Punkt zu bringen, DEN Vampirfilm aller Vampirfilme.

Und daher bitte ich darum, verfilmt die anderen Bücher, denn diese haben Potential, diese haben Inhalt, diese erzählen die wahre Geschichte über Vampire!

Bewertung: 9/10 Sternen