Klassiker-Tipp der Woche "Das Omen" (GB/US 1976) Kritik – Die Geburt des Bösen

„Aus dem ewigen Meer steigt er empor, stampft Armeen aus dem Boden hervor.“

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Der Okkultismus konnte in der Filmwelt schon immer seinen ganz eigenen Bereich genießen. Vier Filme gelten dabei heute als absolute Klassiker: Roman Polanskis ‚Rosemary’s Baby‘, Willem Friedkins ‚Der Exorzist‘, Nicolas Roegs ‚Wenn die Gondeln Trauer tragen‘ und Richard Donners ‚Das Omen‘, um den es hier auch nun handeln wird. Nachdem sich ‚Rosemary’s Baby‘ und ‚Wenn die Gondeln Trauer tragen‘ um das unsichtbare, aber allgegenwärtige Böse kümmerte und ‚Der Exorzist‘ zeigte, wie der Teufel Besitz von einem kleinen Mädchen ergreift, geht Donner 1976 mit ‚Das Omen‘ wieder den Weg des Unklaren und doch so spürbaren Bösen und inszeniert einen der ganz großen Meilensteine des Horror-Genres, der sich seinen Klassiker-Status mehr als nur verdient hat.

Im Film geht es um das angesehenes Ehepaar Robert und Kathrine Thorn, die sich nach einem eigenen Kind sehnen. In der Nacht, in der das Kind das Licht der Welt erblicken sollte, verstirbt es und um Kathrine nicht mit diesem Schock zu belasten, tauscht Robert mit Hilfe von einem Priester und Hebamme das Kind aus. Der kleine Damien ist nun Teil der Familie und Robert vertuscht die Lüge perfekt. Doch irgendetwas scheint mit Damien nicht zu stimmen und der Eindruck, dass er ein normaler Junge ist, schwindet immer mehr. Dazu kommen auch ein Priester, der immer öfter im Leben von Robert auftaucht und ihn warnen möchte und die schrecklichen Todesfäll, die allesamt aussehen wie Unfälle. Ist Damien etwa der Sohn des Leibhaftigen?

Richard Donner beweist sein brillantes Händchen für die Inszenierung. Der erste Eindruck eröffnet uns gleich etwas düsteres und unklares. Das Gefühl der Bedrohung durch etwas Übermächtiges ist sofort gegeben. Doch Donner will uns im Dunkeln tappen lassen. Wir spüren die Gefahr ganz deutlich, doch uns werden durchweg plausible Bilder gezeigt. Es ereignen sich grausame Vorfälle, doch all das wird auf einen klaren Grund zurückgeführt. Und doch, fast paranoid, sind wir davon überzeugt, dass wir es hier mit höheren Kräften zu tun haben. Und diese Kräfte, diese Macht der Finsternis, muss erkundet und erklärt werden. So werden wir an die Seite von Robert Thorn und seinem Gefährten, dem Fotografen Keith Jennings, gestellt und machen uns auf die nervenaufreibende und hochspannende Suche nach der Wahrheit.

Aber auch die Schockszenen kommen nicht zu kurz. Donner setzt diese Moment wohl dosiert und gekonnt ein und lässt es immer im richtig Augenblick urplötzlich krachen. Es ist aber nicht eine dieser Schocksequenzen, die den Höhepunkt der Spannung bieten, sondern eine Szene, die sowohl an Spannung und Atmosphäre nicht mehr zu überbieten ist. Gemeint ist die Szene, in der Robert und Jennings das Grab der angeblich wahren Mutter von Damien finden und ein Blick hineinwerfen, während sich um den Friedhof ganze Rudel von Rottweilern zähnefletschend versammeln und jegliche Fluchtmöglichkeit verbieten.

So ist es eben auch diese furchterregende Atmosphäre, die jeden Zuschauer fesselt und immer tiefer in den Sitz presst. Kameramann Gilbert Taylor trägt dazu die schaurig-düsteren Bilder bei und Jerry Goldsmith die grandiose Musik, die zu Recht den Oscar gewinnen konnte. Auch das Lied Ave Satani hätte den Oscar verdient gehabt, denn besser kann man die Stimmung des Film in keinem Fall unterstreichen. Gänsehaut und angst sind vorprogrammiert.

Schauspielerisch werden hier auch die ganz großen Geschütze aufgefahren. Legende Gregory Peck spielt den Vater Robert und zeigt wie immer eine hervorragende Leistung. Ebenso Lee Remick als Mutter Kathrine, die auch eine tolle Darstellung abliefert und als zunehmend verzweifelnde Frau glänzen kann. Harvey Stephan als Damian füllt seine Rolle nicht nur teuflisch gut aus, sondern verfügt auch über einen der angsteinflößendsten Blicke der Filmgeschichte. David Warner als Fotograf Keith Jennings und Billie Whitlelaw als schauriges Kindermädchen sind ebenfalls blendend besetzt.

Fazit: Richard Donners führt uns mit ‚Das Omen‘ in einen Kreislauf aus Religionen, schrecklichen Wahrheiten und der Angst vor dem Übernatürlichen. Die grandiosen Darsteller, der mehr als brillante Score, so wie die tollen Bilder und die packende Atmosphäre machen den Film zu dem was er ist: ein Meisterwerk des Horror-Kinos, den nicht nur Genre-Fans gesehen haben sollten.

Bewertung: 9/10 Sternen