Klassiker-Tipp der Woche "Die Ritter der Kokosnuss" (GB 1974) Kritik – Monty Python und der heilige Gral

„Ihr habt den Brautvater getötet, wisst ihr das?“„Och, das fällt doch gar nicht auf.“„Das fällt auf! Ihr habt ihm das Schwert mitten durch den Kopf gestoßen!“ – „Und? Wie geht’s ihm?“

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Wer sich durch die Filmgeschichte bewegen will und mal wieder so richtig lachen, der kommt natürlich an ganz bestimmten Genre-Klassikern und Schauspielern nicht vorbei. Da wären zum einen Oliver Hardy und Stan Laurel, die sich als Dick und Doof unsterblich machten, oder Charlie Chaplin, der mit Filmen wie ‚Der große Diktator‘ und ‚Moderne Zeiten‘ seinen Legendenstatus rechtfertigte. Geht man aber weiter durch die Filmgeschichte, dann trifft man auf Filme wie ‚Der Partyschreck‘, ‚Die nackte Kanone‘, ‚Spaceballs‘ und auch ‚Pappa ante Portas‘. Aber auch Louis de Funes, Steve Martin und Jerry Lewis dürfen in keinem Fall vergessen werden, einfach weil sie gestern wie heute noch blendend unterhalten und immer wieder zu den großen Lachern auffordern können. Heute sind solche Arten von Komödie nicht mehr angesagt und Filme wie zum Beispiel ‚Hangover‘ oder ‚American Pie – Klassentreffen‘ stürmen die Kinos, die sich nicht durch Wortwitz auszeichnen, sondern Situationen gerne voll überziehen und auf Fäkal- und Proletenhumor setzen. Welchen Humor man heute auch schmerzlich vermissen muss, ist der der legendären britischen Komikertruppe Monty Python, die sich schon mit ihrem bekanntesten Film ‚Das Leben des Brian‘ 1979 weltweit unantastbar machten. Geht man aber nochmal 5 Jahre zurück in die Vergangenheit, dann trifft man auf den ersten Film der Truppe und der steht dem fantastischen ‚Das Leben des Brian‘ in keinem Punkt nach. Die Rede ist natürlich ‚Die Ritter der Kokosnuss‘.

Die Ritter der Kokosnuss zieht uns direkt in das Mittelalter, in dem wir auf König Artus und seinen Kokosnussklappernden Diener Patsy treffen, die durch Großbritannien auf unsichtbaren Rössern galoppieren und die Ritter für Tafelrunde zusammentrommeln wollen. Auf seiner Reise trifft er Sir Lancelot, Sir Galahad und Sir Robin, die sich dann gemeinsam auf die Suche nach dem heiligen Gral machen. Doch um diesen Auftrag, befohlen von Gott selbst, ausführen zu können, müssen sie allerhand Abenteuer bestehen, die sie zum Zauberer Tim, der geheimnisvollen Höhle von Caerbannog und einer düsteren Brücke, die man nur durch das Beantworten von Fragen überqueren darf. Und dann wären da natürlich noch die großmäuligen Franzosen, die unseren Rittern immer wieder in die Quere kommen, die Ritter von Ni und Polizisten aus der Gegenwart, die einen Fall rundum die Ritter der Tafelrunde aufklären wollen.

Die Drehbuch, geschrieben von der gesamten Monty Python-Gruppe, lässt sich kaum wirklich beschreiben. Die Grundstory ist natürlich vertreten, doch wie die Komiker diese darstellen, ist schlicht fantastisch und unvergleichlich, einfach weil sie sich keinen Konventionen beugen und die Wege einschlagen, auf die sie gerade Lust haben. Wer als Zuschauer etwas Bestimmtes erwartet, wird im nächsten Moment gleich mit etwas vollkommen anderen, unvorhersehbarem konfrontiert, was dem Geschehen natürlich noch mehr Spaß einfließen lässt. Die musikalische Untermalung kommt unter anderem von De Wolfe und Neil Innes, die einen Soundtrack beisteuern, der an die guten alten Ritterfilme erinnert und immer wieder die „brenzligen“ Situationen mit heroischen, dabei aber parodistischen, Klängen unterstreicht. Schauspielerisch hat die Monty Python-Truppe natürlich immer alles gegeben und ist in ihren Rollen in jeder Szene voll und ganz aufgegangen. Das fängt mit Graham Chapman als König Arthus an, geht über John Cleese als Sir Lancelot, Eric Idle als Sir Robin, Michael Palin als Sir Galahad, Terry Gilliam als Patsy und Terry Jones als Sir Bedevere. Dazu kommen noch die weiteren Rollen, die jeder der Pythons im Film noch hat. Einfach großartig, wie Männer in ihren Rollen vorgehen und mit welchem unvergleichlichen Herzblut sie bei der Sache sind.

„Du hast keine Arme mehr!“ – „Wer sagt das?“ – „Na kratz dich mal!“

‚Die Ritter der Kokosnuss‘ ist ein Zitate- und Gagfeuerwerk der Sonderklasse, welches nicht nur heute noch blendend funktioniert, sondern auch in ferner Zukunft einer der klaren Götter des Genres sein wird. Wir finden uns im Mittelalter wieder und bekommen es mit Magiern, dreckigen Bauern, Edelsmännern, Lehnsherren, Karnickel und tölpeligen Vollidioten zu tun. In 90 Minuten schaffen es Monty Python mal wieder, im beeindruckenden Minutentackt einen perfekt getimten Gag nach dem anderen rauszufeuern und die Briten sind dabei so herrlich schwarz, dumm, dümmer, respektlos und bekloppt, das es einfach eine unglaubliche Freude ist, dem ganzen anarchischen Treiben zu folgen und jeglichen Genre-Vorschriften wie Gesetzen zu entfliehen. ‚Die Ritter der Kokosnuss‘ lässt sich aber auch wunderbar als Parodie auf die erfundenen Figuren wie König Artus, die Tafelrunde und den Gral verstehen. Der Pöbel redet von Revolution, während er sich im tiefsten Dreck suhlt und der König muss sich rechtfertigen, wieso er denn überhaupt König ist, denn schließlich hat ihn ja auch niemand gewählt. Dabei verfließen die so oft gepflegten Gesellschaftsebenen von Sauberkeit und schmutzigster Unterschicht, die in ihren verschrobenen Gegensätzen nur noch weiter die Lacher antreiben und immer wieder in blutigen Auseinandersetzungen, man denke nur an den Karnickelangriff oder das Zusammentreffen mit dem schwarzen Ritter, explodieren. Dazu gibt es Gesangseinlagen, typische Python-Zeichnungen und das Abschlachten einer ganzen Burgbevölkerung von Sir Lancelot, das so abgetan wird, als hätte er ausversehen eine Untertassen fallen gelassen, Fehler macht schließlich jeder mal. ‚Die Ritter der Kokosnuss‘ steht für britischen, schwarzen und gesetzlosen Humor, voller Anspielungen und Querverweisen, den man so heute nur schmerzlich vermissen kann.

Fazit: ‚Die Ritter der Kokosnuss‘ ist ohne Wenn und Aber eine der besten Komödien aller Zeiten. Dabei wird Gegenwart und Vergangenheit vermischt, alberner Humor mit gewitzter Gesellschaftsparodie und dreckiger Anarchismus mit edler Hochnäsigkeit. Ohne Respekt, Konventionen und jeden Erwartungen trotzend ist der Film eine der klarsten Lachgarantien überhaupt, Gesetz dem Fall, man kann mit dem speziellem Humor etwas anfangen. Ein Film, der seinen Klassiker-Status durch und durch verdient hat, genau wie Monty Python es mehr als nur verdient haben, von jedem gekannt und verehrt zu werden.

Bewertung: 9/10 Sternen