Klassiker-Tipp der Woche "Terminator" (USA 1984) Kritik – Arnold Schwarzenegger kennt keine Gnade

„Ich bin ihretwegen durch die Zeit gegangen, Sarah.“

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Es ist schon spannend zu beobachten, wie sich manche Regisseure im Laufe der Zeit verändern und wie sich ihre Karriere in eine andere Richtung bewegen, das kann natürlich positiv oder genauso negativ sein. Interessant ist das vor allem beim kanadischen Regisseur James Cameron, der seit den letzten Jahren in aller Munde war und wohl so ziemlich jedem, ob Filmfreund oder nicht, ein Begriff sein dürfte. Sieht man sich seine letzten Filme an und geht etwas genauer auf „Titanic“ und „Avatar“ ein, dann haben wir die Ursprunggeber von Camerons schlechten Ruf. Dabei muss man sagen, „Titanic“ war nicht nur irgendeine schnulzige Liebesgeschichte mit historischem Hintergrund, sondern ein klares Meisterwerk der Filmgeschichte, welches nur den Menschen nicht gefällt, die lediglich die Oberfläche des Films blicken. Bei „Avatar“ war das schon ein wenig anders, denn den Film sollte man wirklich nur auf seine Schauwerte reduzieren, weil die Geschichte selbst natürlich von vorne bis hinten zusammengeklaut wurde, dafür aber mit den bisher besten 3D-Effekten glänzen konnte. In den 1980er und 90er Jahren war James Cameron jedoch ein ganz anderer Filmemacher und hat einige Sachen gedreht, die heute als Klassiker der Filmgeschichte gelten. Man denke nur an „Aliens – Die Rückkehr“ und „Abyss“, die ihren hohen Stand mehr als verdient haben. Allerdings hat Cameron noch einen ganz anderen Film inszeniert, der die Filmwelt nicht nur maßgeblich beeinflusste, sondern auch sein großer Durchbruch wurde. Ein Film, den inzwischen eigentlich jeder gesehen hat: „Terminator“ aus dem Jahre 1984.

Zwei Männer fallen aus heiterem Himmel auf die Erde, beide nackt. Einer von ihnen ist jedoch kein Mensch, sondern ein Cyborg, der den klaren Auftrag hat, die Frau Sarah Connor zu tötet und mit ihrem Tod die Geburt ihres Sohnes John Connor zu verhindern, der den Maschinen in der Zukunft den Krieg angesagt hat. Der andere Mann ist Kyle Reese, ein Mensch aus Fleisch und Blut, der sowohl Sarah Connor vor ihrem Tode bewahren will, als auch die Killermaschine zerstören muss, um der Menschheit eine Zukunft zu ermöglichen. Kyle muss Sarah vor dem Terminator finden und sich zusammen mit ihr in einen lebensgefährlichen Kampf begeben, der das Schicksal der Menschheit bestimmen wird…

Das Budget was James Cameron 1984 zur Verfügung stand, musste sich auf recht spärliche 7 Millionen Dollar beschränkten. Doch was der Filmemacher aus dem Geld herausholen konnte, ist bis heute noch beeindruckend, wenn auch die Effekte selbst klar als solche zu entlarven sind und nicht mehr den fantastischen Stand der 80er Jahre genießen können. Nichtsdestotrotz weiß „Terminator“ auch noch in der Gegenwart zu gefallen, sei es die Operation, der organische Verfall der Maschine, oder auch die Kämpfe der Luftmaschinen, die sich mit Laserkanonen attackieren. Kameramann Adam Greenberg hielt das Amerika der 80er Jahre in unheimlich düstere und trostlose Bilder, die zwar auch den Kern der Zeit wiederspiegeln, gerade in der Discoszene ist das deutlich, aber auch schon einen apokalyptischen Wind durch den Film wehen lassen können. Gerade diese Atmosphäre wird durch den legendären Score von Brad Fiedel auf ein Maximum geschraubt und durch seinen extrem finsteren Ton unvergesslich gemacht.

Aber „Terminator“ bedeutete auch der Durchbruch für einen ganz bestimmten österreichischen Bodybuilder: Arnold Schwarzenegger. Dass Schwarzenegger kein Schauspieler ist, wissen wir inzwischen und sein Mienenspiel gleicht einer staubigen Felswand. In die Rolle des emotionslosen Terminators passt seine statische Unbeweglichkeit aber perfekt und die Härte seiner Gesichtszüge wird eins mit der Maschine. Schwarzenegger wurde über Nacht zum Star und sein Werdegang schrieb Filmgeschichte. Linda Hamilton als Sarah Connor und Michael Biehn als Kyle Reese hatten da nicht so viel Glück wie ihr muskulöser Kollege. Obwohl beide ebenfalls tolle Leistungen zeigen und sich gerade im Gegensatz zur Maschine durch ihre menschlichen und verständlichen Darstellungen auszeichnen, blieb der große Erfolg auf beiden Seiten aus.

Interessant ist an erster Stelle die Ansiedelung der Geschichte, die sich zwischen apokalyptischer Sci-Fi, gegenwärtigem Überlebenskampf und erzwungener Romantik wiederfindet. James Cameron lässt die Kontrolle über die Technologie aus dem Ruder geraten, die Maschine werden zu übermächtigen Gegner für die Menschheit und alles läuft auf einen unvergleichlichen Krieg hinaus, in dem sich Mensch und Cyborg gegenüberstehen und das Schicksal der Menschheit bestimmen. In „Terminator“ werden wir in den 80er Jahren, die Gegenwart und Vergangenheit darstellen, mit einer der Killermaschinen konfrontiert, die keine Gefühle kennt und sich mit haltloser Gnadenlosigkeit auf die Jagd nach Sarah Connor begibt. Die humane Hülle zerbricht im Verlauf des Films immer weiter, das stählerne Metallskelett und die bedrohlichen roten Augen kommen zum Vorschein und der Kampf um die Zukunft wird verknüpft mit tiefen Ängsten vor dem, was noch auf die Menschen zukommt und den Hoffnungen, die auf dem nichtgeborenen John Connor liegen. „Terminator“ lässt sich so in keinem Fall, trotz der legendären One-Liner und Gewaltszenen, als stumpfer Actionfilm bezeichnen, sondern als intelligent gemachtes Sci-Fi-Kino, das nicht nur theologische Weltansichten durchbricht und den freien Willen zerstört, sondern auch das Schicksal der Weltbevölkerung auf die Schultern einer normalen Frau legt. Zwischen Paradoxen, erdrückender Bestimmung und unumgänglicher Sinnerfüllung wird „Terminator“ zu hochspannender Unterhaltung, die trotz ihres von Anfang an logischen Ausgangs mitreißt und uns eine brillante Idee vorweist, die es in dieser Form so nur einmal gibt.

Fazit: Ikonen, Klassiker und Kultfilme werden zumeist schlagartig über Nacht geboren. „Terminator“ ist einer dieser Fälle, die sich ihren Status in der Filmwelt mehr als nur verdient haben, auch wenn er an manchen Ecken und Enden nicht wirklich gut gealtert ist und man ihm das Produktionsjahr deutlich ansieht, aber auch das macht ja einen ganz eigenen Charme aus. „Terminator“ ist keinesfalls stumpfe Actionunterhaltung, sondern intelligentes und visionäres Sci-Fi-Kino, mit einer fantastischen Grundidee, passenden Darstellern, natürlich ganz besonders Arnold Schwarzenegger in einer seiner legendären Rollen, einer düsteren Atmosphäre, tollem Drehbuch und einem hervorragenden Soundtrack, den man nicht vergessen wird.

Bewertung: 8/10 Sternen