Klassiker-Tipp der Woche "The Breakfast Club" (USA 1985) Kritik – Die Seele der Jugend

„Wenn du erwachsen wirst, stirbt dein Herz…“

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Wenn wir uns heutzutage durch die Filmgeschichte bewegen und uns auf die Suche nach Filmen machen, die sich nicht nur um Geschichten über Kinder und Jugendliche kümmern, sondern auch das Innenleben dieser Heranwachsen verdeutlichen, dann fällt die Auswahl doch unheimlich schnell ziemlich knapp aus, wenn sie nicht sogar schon den Nullpunkt erreicht hat. In der Gegenwart sind es Filme wie die „Die wilden Kerle“-Reihe, „Twilight“ oder auch „Die Tribute von Panem“, in denen sich die Jugendlichen verlieren können, obwohl diese, im besten Fall nur einen winzigen Hauch von Psychologie anwenden, denn vielmehr steht nur der Unterhaltungs- und Schauwert im Zentrum, Hauptsache der Zuschauer langweilt sich nicht. Die wirklich interessanten Filme über diese Zeit findet man in den 80er Jahren. Man denke nur an Francis Ford Coppolas „Die Outsider“, Rob Reiners „Stand By Me“ oder John Hughes‘ „Ferris macht blau“. Alle gelten sie als Genre-Klassiker, doch einzig John Hughes hat sich immer und immer den Herzen der Jugendlichen angenommen und es auch gleichermaßen verstanden, diese nicht einzuschnüren, sondern zu offenbaren. Ganz besonders sein zweiter Langfilm „The Breakfast Club“ aus dem Jahre 1985 gilt hier als Paradebeispiel. Vollkommen zu Recht.

Eigentlich ist es ganz normaler Samstag. Eigentlich. Denn an diesem Samstag treffen sich fünf vollkommen unterschiedliche Schüler in der gemeinsamen Highschool zum Nachsitzen. Da hätten wir Andy, den muskelbepackten Sportler, der sich nur noch um sein Stipendium kümmern muss und eine große sportliche Karriere direkt vor Augen hat. Den Streber Brian, der einer der Außenseiter der Schule ist und sich vor allem für Mathe und Physik interessiert. Claire ist eines der schönsten Mädchen der Schule und dementsprechend beliebt, außerdem kommt sie noch aus einem reichen Haushalt und muss sich eigentlich um gar nichts Sorgen machen, so scheint es jedenfalls. Allison ist ebenfalls eine Einzelgängerin, nicht, weil sie eigentlich kaum ein Wort sagt, sondern weil sich ihre ausgefallene Art sofort entfaltet und die schrägen Blicke unausweichlich auf sich zieht. Und dann wäre da noch der Rebell John, dem alles egal ist und der immer wieder durch seine ungebremste und verletzende Wortwahl auf sich Aufmerksam macht. Alle werden sie in einen Raum gesetzt und müssen die Stunden gemeinsam miteinander verbringen. Ein Tag voller Streitereien und Selbsterkenntnisse beginnt…

Wenn man sich in einem Punkt auf Regisseur John Hughes verlassen konnte, dann bei der Schauspielerwahl, bei der sich Hughes immer unheimlich viel Zeit gelassen hat und seine Crew so manches Mal so bis in den Wahnsinn getrieben hat. In „The Breakfast Club“ zeigt sich dieses feine Händchen in jedem gewählten Darsteller, denn hier wirkt niemand als würde er schauspielern, sondern so, als würden sich die Darsteller vollkommen authentisch in ihrem „altbekannten“ Umfeld bewegen. Den größten Eindruck macht wohl Judd Nelson als Rebell John, der mit 25 Jahren eigentlich schon viel zu alt für seine Rolle war, diese jedoch mit Bravour meistert und seinem durchaus schwierigen Charakter Leben einhaucht, ohne ihn, aufgrund seiner aufbrausenden Art, in die Lächerlichkeit zu verschieben. Anthony Michael Hall als Streber Brian ist nicht minder fantastisch und verleiht seiner Figur eine Sensibilität, die wirklich nahe geht. Aber auch Emilio Estevez als Andrew, Molly Ringwald als Claire und Ally Sheedy als Allison sind wunderbar und vervollständigen den tollen Cast mit ihrer spürbaren Natürlichkeit. Es ist John Hughes Drehbuch sofort anzumerken, mit welchem Herzblut und Elan er es verfasst hat.

Dass „The Breakfast Club“ ein Kind der 80er Jahre ist, kann man dem Film ab der ersten Sekunde ansehen, denn Frisuren- und Kleidungstechnisch hat sich seit diesen Jahren doch einiges getan. Dennoch lassen sich die verschiedenen Randthemen perfekt auf die heutige Zeit übertragen und werden wohl auch noch in den kommenden Jahren eine große Rolle an den heutigen Schulen spielen. Da hätten wir zum einen die Vorurteile, die die reichen Schüler gegenüber den „Problemkindern“ haben, die sich immer mal wieder prügeln und sich durch ihre lose Zunge schlechten Ruf gemacht haben. Die Schüler, die in der Schule gute Noten schreiben, aber nur selten mal auf Partys gehen, werden gleich als Außenseiter/Streber abgestempelt, die wahrscheinlich nie in ihrem Leben mal eine Frau abbekommen werden und den Rest ihrer Zeit bei den ebenso verklemmten Eltern verbringen werden. Dabei ist es doch wirklich nur in den seltensten Fällen Schuld der Kinder, das sie eben so sind wie sind wie sind, sondern die Schuld der Eltern, die die Kinder in dieses gehobene oder problematische Umfeld eingeboren haben. Genau das wird auch in „The Breakfast Club“ deutlich, der auf seine Weise auch ein Aufruf an die Toleranz gegenüber anderen Menschen ist und das Nachsitzen wie die Gründe dafür schnell zur Nebensache werden lässt, denn hier geht es ganz klar um die Schüler.

John Hughes geht auf jeden seiner Charaktere ein, gibt ihnen Zeit sich zu entfalten und dem Zuschauer ihr wankendes Seelenleben zu offenbaren. „The Breakfast Club“ ist ein Film über die verschiedenen Gruppierungen und Cliquen, über die Ansichten und die Selbstfindung innerhalb der Gegensätzlichkeit. Jeder der Protagonisten trägt seine eigenen Probleme mit sich herum, jeder von ihnen kämpft mit den Erwartungen der Eltern und dem erdrückenden Erfolgsdruck und jeder von ihnen hat nur ein Ziel: Bloß nicht so werden wie die eigenen Eltern. Dabei sind sie auf ihre Weise schon längst wie ihre Eltern geworden und jede Rebellion kommt zu spät. „The Breakfast Club“ erzählt uns von jugendlichen Sehnsüchte und Wünsche, über die Zwänge, Ängste und die wachsende Vertrautheit untereinander. Klischeefiguren werden zu fühlbaren und verständlichen Persönlichkeiten, die man trotz ihrer Eigenarten in sein Herz schließt und auf dem Weg der gemeinsamen Annahme begleitet, wenngleich man als Zuschauer nie erfahren wird, ob diese Annahme von Dauer sein wird, oder schon am Montag wieder vergessen. „The Breakfast Club“ ist ehrliches, sensibles und liebevolles Kino und kämpft gleichermaßen gegen das elendige Schubladendenken an, um dann mit einem der schönsten Filmmomente überhaupt sein mehr als wunderbares Ende zu finden.

Fazit: Wenn ein Film die Seele der Jugend in sich trägt, dann ist es „The Breakfast Club“, denn hier werden uns keine aufmüpfigen Schablonen vorgestellt, sondern Heranwachsende, die wirklich etwas zu sagen haben und durch ihre Persönlichkeit interessant gemacht werden. Kein Wunder ist es dementsprechend, dass die Erwachsenen hier wenig Gutes zu melden haben und zu klare Randfiguren degradiert werden. Ein fanatisches Drehbuch, das wunderbare Feeling, auch dank der tollen Songwahl, und die hervorragenden Darsteller machen „The Breakfast Club“ zu einem wahren Klassiker, den man sehen, fühlen und erlebt haben muss. Ein echtes Juwel der 80er Jahre.

„And these children that you spit on as they try to change their worlds, they are immune to your consultations, they’re quite aware of what they’re going through.“
– David Bowie

Bewertung: 9/10 Sternen

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