Klassiker-Tipp der Woche "…denn sie wissen nicht, was sie tun" (USA 1955) Kritik – Die ewige Rebellion

„Mein Gott, ich möchte einen Tag mal erleben, an dem ich nicht ganz durcheinander bin, einen Tag, an dem ich nicht das Gefühl habe, dass ich mich schämen muss.“

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Der bekannteste Rebell der Filmgeschichte kehrt nach seinem ersten großen Auftritt in ‚Jenseits von Eden‘ wieder zurück. Natürlich kann die Rede hier nur von James Dean sein. Der unglaubliche Mythos um seine Person ist noch bis heute beständig und schier unsterblich. In Nicholas Rays ‚…denn sie wissen nicht, was sie tun‘ von 1955 tauchen wir direkt in die verlorene Generation dieser Zeit und erleben ein impulsives und einfühlsames Jugenddrama, das aber aus heutiger Sicht nicht mehr ganz so wirkungsvoll erscheint, wie im Erscheinungsjahr.

Auch ‚…denn sie wissen nicht, was sie tun‘ überzeugt an erster Stelle durch seine große visuelle Klasse. Die Farben sind satt, die Bilder klar und die unbehagliche Atmosphäre wird immer aufdringlicher. Zu dieser starken Atmosphäre trägt aber auch der tolle Soundtrack von Leonard Rosenman seinen großen Teil bei und gibt den bitteren, sowie den herzlichen Momenten, den richtigen Klang.

Wie erwähnt, die Hauptrolle wird von Superstar James Dean verkörpert. In seiner Musterrolle als unverstandener Rebell, gibt er seinen Jim Stark mit absoluter Hingabe. Er versetzt sich in seine Rolle und spielt nicht nur, sondern er wird zu diesem Charakter, er lebt ihn in vollen Zügen aus. Dieses Eins werden mit der Figur hatte natürlich auch damit zu tun, dass er sich einfach mit der Person identifizieren konnte, er konnte die Ansichten fühlen und vertreten. Aber auch die hochkarätigen Nebenrollen können ganz besonders im Zusammenspiel mit Dean begeistern. Natalie Wood, Oscar nominiert, spielt Judy, die ebenfalls aus ungeraden Familienverhältnissen kommt und geht in ihrer zarten Rolle voll auf. Sal Mineo, auch nominiert, kann als verstörter Plato voll und ganz überzeugen und vervollständigt das tragische Besetzungsdreieck. Dean verstarb bei einem Autounfall mit 24, Wood ertrank bei einem Bootsausflug mit 43 und Mineo wurde im Alter von 37 erstochen. In weiteren Rollen sind Jim Backus als Vater Stark, Ann Doran als Carol Sark und der blutjunge Dennis Hopper als Bandenmitglied Goom, zu sehen.

James Dean knüpft mit seinem Jim Stark an einen sehr ähnlichen Charakter an, wie er ihn schon in ‚Jenseits von Eden‘ als Cal Tarsk verkörpert hat. Jim Stark ist ein sogenanntes Problemkind. Er prügelt sich, betrinkt sich und zwingt seine Eltern so immer wieder zum Umzug. Dabei sind sie der Grund für sein Verhalten. Seine Mutter gibt den Ton in der Familie an und sein Vater ist ein bemitleidenswerter Pantoffelheld. Das verärgert Jim immer mehr und die unsinnigen Streitereien zwischen den beiden werfen ihn aus der Bahn. Dazu kommt das ständige Umziehen, durch das er keine sozialen Kontakte knüpfen kann und keine Freunde gewinnt. Er ist ein Einzelgänger. Das soll sich aber jetzt endlich ändern und nachdem er Judy kennengelernt hat, sieht er dafür auch gute Chance. Allerdings hat er wieder falsch gedacht und bekommt es mit Judys Freund, Buzz, zutun und der erste Schultag endet in einem unentschiedenen Messerkampf. Eine weitere Herausforderung muss her, doch die Mutprobe wird ihre tödlichen Folgen nach sich ziehen. Nun wird Jim von den Bandenmitgliedern gejagt, zusammen mit Judy, in die er sich verliebt und dem jungen wie verwirrten Plato an seiner Seite sucht er sich Schutz in einer alten Villa. Aber auch hier bleiben sie nicht lange unentdeckt und die Situation eskaliert.

Erwachsenwerden ist schon ’ne schwierige Angelegenheit. Wer kennt es nicht? Die Schule stresst, die Eltern verstehen einen nicht, eigentlich wird man von niemandem verstanden. Überall bahnt sich ärgern an und dann auch noch das elendige Thema mit der Liebe. Das haben wir alle schon durchgemacht. Einige hatten es schwerer, anderen konnte diese Zeit leichter überstehen. Diese schwierige Zeit für jeden Jugendlichen ist der Grundbaustein für ‚…denn sie wissen nicht, was sie tun‘. Das unverstanden fühlen, das Kräftemessen unter den Jugendlichen, der Gruppenzwang und das rebellieren gegen alles und jeden. Allerdings gerät hier alles gehörig aus den Fugen und diese verhängnisvolle Nacht fordert nicht nur ein Opfer. Der jugendliche Leichtsinn und der Übermut nehmen überhand und die Gewissensbisse und Schuldgefühle verankern sich.

Judy und Jim, beide sind einsam und finden sich in ihren gemeinsamen Schmerz. Ein Schmerz, verursacht durch die Verlogenheit der Eltern und die eigenen Zukunftsängste. Rebellion, Respektlosigkeit und Wut gegen sich und gegen die gesamte Gesellschaft. Doch Jim merkt, dass er nicht allein ist, auch wenn er sich ist Leben lang so fühlen musste. Jim möchte einfach nur einmal irgendwo ankommen und angenommen werden. Und dieser Ort wird das Versteck in der verlassenen Villa. Plato, Judy und Jim werden zu einer kleinen Scheinfamilie in dieser Zeit. Sicherheit, Geborgenheit und Nähe kommen endlich auf. Aber die schönen Momente halten auch nicht lang an…

‚…denn sie wissen nicht, was sie tun‘ hat leider auch mit den gleichen Problemen wie ‚Jenseits von Eden‘ zu kämpfen. Das Thema an sich ist immer noch aktuell und auch Zeitlos, allerdings ist die Umsetzung und Darstellung bei weiten nicht mehr so brisant wie damals. Schockieren wird das Ende heute niemanden mehr, dafür sind die heutigen Zuschauer viel zu abgestumpft und auch die verhassten Durchhänger treten gelegentlich, allerdings nicht weiter schmerzhaft, auf. Dafür ist der Film immer noch zu spannend und die Charaktere, wie der gemeinsame Weg, zu mitreißend.

Fazit: ‚…denn sie wissen nicht, was sie tun‘ ist nach wie vor ein kraftvolles, trauriges aber auch herzhaftes Jugenddrama voller falscher Entscheidung und schrecklichen Folgen. Die bedrückende Atmosphäre, der schöne Soundtrack, die feinen Bilder und ganz besonders die exzellenten Schauspieler machen den Film, der zwar seine Schwächen hat, zu einem eindringlichen Klassiker, den wirklich jeder Mal gesehen haben sollte.

„Einmal möchte ich wissen, wo ich zu Hause bin.“

Bewertung: 8/10 Sternen