Klassiker-Tipp der Woche "Zurück in die Zukunft" (USA 1985) Kritik – Eine wunderbare Zeitreise

„Warum nennst Du mich andauernd Calvin?“„Aber so heißt Du doch, oder? Calvin Klein. Das steht jedenfalls da auf deiner Unterhose.“

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Wenn man an seine Lieblingsfilme aus der Kinder- und Jugendzeit zurückdenkt und mit den heutigen Favoriten vergleicht, dann dürften wohl nicht gerade viele die Zeit überstanden haben. Dinge, die früher gar nicht aufgefallen sind und durch die schöne Kindlichkeit übersehen wurden, sind heute Störfaktoren und bremsen den einstigen Spaß viel mehr aus, als das man über sie hinwegsehen könnte. Aber es gibt auch noch die andere Seite und die Filme, die sich als zeitlos herausstellten und heute wie damals einfach nicht von ihrer Magie verloren haben. ‚E.T.‘, ‚Gremlins‘, ‚Stand By Me‘, ‚Die unendliche Geschichte‘, ‚Der Flug des Navigators‘ oder auch ‚Die Goonies‘ wären Vertreter dieser Sparte, die man sich eigentlich immer und immer ansehen kann, egal wie alt man ist oder wie viele Jahre jeder einzelne Film auf dem Buckel haben mag. Was auffällt, bei fast allen dieser genannten Werke hatte Steven Spielberg seine Hände im Spiel, wenn auch nur als Produzent. Doch in dieser Zeit wusste Spielberg einfach, was das Publikum anspricht und auch noch auf lange Sicht gefallen wird. Es gibt aber noch einen ganz anderen Film, der nicht nur zu den erfolgreichsten Filmen aller Zeiten zählt, sondern auch zu den beliebtesten, egal welches Jahr wir schreiben: Robert Zemeckis‘ ‚Zurück in die Zukunft‘ von 1985.

Marty McFly ist kein Fan von der Schule, aber welcher Jugendliche ist das schon? Viel lieber verbringt er seine Zeit bei dem verrückten, aber genialen Doc Brown, der ohne das Wissen von Marty etwas revolutionäres entwickelte: eine Zeitmaschine in Form eines DeLorean. Beim ersehnten Test wird Doc jedoch von einigen Terroristen getötet und Marty kann gerade noch mit der Zeitmaschine ins Jahr 1955 fliehen. Dort trifft er seine Eltern wieder, die jedoch noch nicht zusammen sind und Marty bekommt so manches Problem, die nicht nur seine Familie betreffen, sondern auch den kauzigen Doc…

Wie ein roter Faden ziehen sich die erschwerten Produktionsbedingungen durch die Filmgeschichte. Doch in den meisten Fällen werden daraus wahre Klassiker der Geschichte. Sergio Leones ‚Spiel mir das Lied vom Tod‘ oder Werner Herzogs ‚Fitzcarraldo‘ sind nur zwei der besten Beispiele. Der Dreh bedeutete Stress pur und so mancher Nervenzusammenbruch holte das Team ein, das Ergebnis ist jedoch prägend gewesen und beide Filme sind nicht mehr wegzudenken. Das gleiche Schicksal holte auch ‚Zurück in die Zukunft‘ ein. Das erste Problem eröffnete sich mit Michael J. Fox, der an seine Rolle in der Serie „Familienbande“ gebunden war und vom Sender NBC nicht hergegeben werden sollte. Das nächste Hindernis eröffnete sich mit dem Drehbuch von Bob Gale und Regisseur Robert Zemeckis, denn es interessierte niemanden und wollte von keiner Firma angenommen werden. Den einen war es zu anzüglich, den anderen zu lasch, bis sich der begeisterte Steven Spielberg zu Wort meldete und zum Glück alles ins Rollen brachte. Das Drehbuch wurde Oscar nominiert und die Idealbesetzung Michael J. Fox, der unter schwerem Schlafmangel während der Dreharbeiten litt, wurde zum Teenie-Idol und Publikumsliebling. Genau wie Christopher Lloyd als schrulliger Doc Brown, der ebenfalls zur Kultfigur wurde.

Das Thema rundum eine Zeitreise ist auch heute noch unheimlich reizvoll. Wer Träumt nicht davon, einmal durch die Zeit zu reisen und die großen Geheimnisse der Menschheit aufzudecken, die wir sonst niemals auflösen werden. Wer wünscht es sich nicht, seine verstorbenen Idole und Vorbilder noch einmal in ihrer Blütezeit zu erleben. ‚Die Zeitmaschine‘ oder ‚Bill und Teds verrückte Reise durch die Zeit‘ behandelten diese Thematik mal auf ernstem und mal auf humorvoll überzogenem Wege. Auch Zemeckis, der rein kommerziell zu den erfolgreichsten Regisseuren überhaupt zählt, ging den lockeren Pfad, ohne aber in die Lächerlichkeit abzurutschen oder das Ruder aus der Hand zu verlieren.

Alles beginnt im Hill Valley der 80er Jahre. Hier lebt Marty, ein Standardjugendlicher, sein unspektakuläres Leben. Er mag Rockmusik mit reichlich Bass und Verzerrung, trägt flotte Klamotten und Schule interessiert ihn herzlich wenig. Sein Vater (wunderbar bemitleidenswert: Crispin Glover) George wird von seinem Vorgesetzten herumgeschubst wo es nur geht und seine übergewichtige Mutter Lorraine hat nicht gerade viel Spaß in der Ehe mit dem Waschlappen. Mit seiner Freundin will Marty einen Ausflug ins Grüne machen, doch bevor er das in die Tat umsetzen kann, kommt schon wieder alles anders als erwartet. Sein alter Kumpel Doc Brown veranlasst ein Treffen auf einem Parkplatz mitten in der Nacht, um ihm seine neuste Erfindung vorzuführen: eine Zeitmaschine in Form eines DeLorean. Doch sie werden von lybischen Terroristen überrascht und Marty rettet sich in letzter Sekunde mit Hilfe des DeLorean in das Jahr 1955. Genau in das Jahr, in dem der Schulabschluss seiner Eltern bevorsteht. Dumm nur, das Marty ausgerechnet dann dort eintrifft, wo seine Eltern sich noch nicht kennen und Lorraine Interesse an ihrem eigenem Sohn entwickelt. Marty muss seine Eltern irgendwie zusammenbekommen, doch George war auch schon in seiner Schulzeit seine Flasche und besitzt weder noch Mut noch Rückgrat. Als wäre das schon nicht schwierig genug, muss Marty nun schließlich auch noch irgendwie zurück in die 80er kommen und seinem Freund Doc Brown klarmachen, dass er aus der Zukunft kommt. Probleme über Probleme und Marty mittendrin, der den Annäherungsversuchen seiner eigenen Mutter entgehen muss, seinem Vater den Rücken stärken und den DeLorean wieder reparieren.

Robert Zemeckis arbeitet mit den bekannten Klischees: wir haben den coolen „Fremden“, den dummen Schläger und den ängstlich verlorenen Loser. Das soll jedoch kein Kritikpunkt sein, sondern passt sich genau dem kreierten Bild des Films an. ‚Zurück in die Zukunft‘ nimmt sich dem wohl interessantesten und spannendensten Thema der Wissenschaft an: der Zeitreise. Allerdings konzentriert sich der Film nicht auf den epochalen Fortschritt, sondern um die Menschen. Ein Kind trifft seine Eltern in ihrer Jugendzeit wieder und erlebt die Zeit, die er niemals mit eigenen Augen hätte sehen dürfen und bestimmt deren Schicksal maßgeblich. Das ist so einzigartig wie beeindruckend. Das ‚Zurück in die Zukunft‘ jedoch so blendend funktioniert, ist dem tollen Drehbuch von Gale und Zemeckes zu verdanken, die den Film mit Details und Andeutung bestreut haben und aus diesen augenscheinlichen Nebensächlichkeiten ein komplexen Gerüst zaubern, welches einiges an Intelligenz mit sich bringt, die man auf den ersten Blick gar nicht vollkommen erfassen kann. Vor allem ist ‚Zurück in die Zukunft‘ aber ein toller Unterhaltungsfilm der aller ersten Güte. Langeweile gibt es nicht im Ansatz und die Inszenierung ist so temporeich wie spritzig, dass es einfach nur Freude macht dem leichten und ebenso amüsanten Geschehen zu folgen. Mit viel Liebe zum Film, einigen irren Einfällen, viel Kreativität und flotter Vielschichtigkeit wird ‚Zurück in die Zukunft‘ zu einer Sci-Fi-Komödie, die man wirklich immer wieder genießen kann, ohne dass sie einen Hauch ihrer Klasse verliert.

Fazit: ‚Zurück in die Zukunft‘ hat seinen Klassikerstatus vollkommen verdient, denn dieser Film wird einfach nicht alt. Wer mal wieder mit der ganzen Familie lachen will und sich in eine Zeit zurückversetzen, in der Rettungsjacken noch in Mode waren, der ist hier an der richtigen Adresse. Die mehr als passenden Darsteller, der tolle Soundtrack, das wirklich ausgearbeitete Drehbuch und die schöne Inszenierung machen ‚Zurück in die Zukunft‘ zu einem Film, den man nicht mehr missen will und einfach mögen muss.

Bewertung: 8/10 Sternen