"Kokowääh" (D 2011) Kritik – Auf ein Neues, Herr Schweiger

„Du bist also genau acht Jahre alt?“ – „Wie kann man denn ungenau acht Jahre alt sein?“

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Puh, das war er also. Der neuste Geniestreich von Til Schweiger. Nach dem recht gelungenen und frischen ‚Keinohrhasen‘ ging es deutlich Bergab. ‚Zweiohrküken‘ war noch ok, ‚1 1/2 Ritter‘ PFUI! Und jetzt ‚Kokowääh‘. Kriegt Schweiger denn endlich wieder die Kurve und bringt etwas frischen Wind in die deutschen Kinos? Nö! Wieder der gewohnte Schweiger-Quark mit dem kleinen Unterschied, dass er seiner Tochter, die zwar wirklich süß ist, eine große Rolle gegeben hat und so der sicherer Erfolg vorprogrammiert war.

Hmm, was gibt es zur Kameraarbeit oder zur Schnitttechnik zu sagen? Eigentlich nichts. Kein Lob, keine Kritik. Sie erfüllt ihren Zweck ohne irgendwelche Besonderheiten oder schöne Einstellungen. Der Soundtrack zum Film ist dazu aber absolut nervtötend. Nicht dass die Liederwahl schlecht wäre, nein. Aber alle zwei Minuten ein neues unpassendes Lied einzuspielen ist nicht unbedingt Klug. Irgendwann nervt einen das ständige Gedudel nur noch.

Über Schweigers Talent muss wahrscheinlich nicht mehr groß gesprochen werden. Natürlich hat er auch schon annehmbare Leistungen gezeigt, überwiegend in den 90ern. In ‚Kokowääh‘ spielt er wieder die typische Rolle, wie wir sie von ihm inzwischen kennen. Der Frauenschwarm der sie alle in die Kiste bekommt und dann mit dem Ernst des Lebens konfrontiert wird. Wenn er sich dann als fürsorglicher Vater durch die Geschichte spielt, mit ständigen Dackelblick, dann ist das einfach nur extrem unglaubwürdig und öde. Töchterchen Emma Schweiger klaut Papa Til natürlich durch das unbeschwerte und niedliche Auftreten die Show, bringt aber auch keine wirklich gute Leistung. Einzig Samuel Finzi als Kuckucksvater Tristan bringt eine glaubwürdige Leistung und spielt Til Schweiger regelrecht an die Wand. Na wenigstens einer! Weitere Erwähnungen wären dann zu viel des guten oder auch des schlechten. Zu sehen sind zum Beispiel Jasmin Gerat, Meret Becker oder auch Sönke Möhring.

Til Schweiger macht alles wie immer. Süßes Kind, Schweiger spielt sich selbst und hier und da ein prominentes Gesicht. Wobei keiner dem genialen Auftritt von Jürgen Vogel in ‚Keinohrhasen‘ das Wasser reichen kann. ‚Kokowääh‘ will dramatisch und lustig sein. Ist aber nichts von beiden. Um mitfühlen zu lassen ist er viel zu oberflächlich und den Charakteren fehlt der nötige Tiefgang, bis auf Samuel Tinzi, der aber natürlich nicht so viele Szenen wie Til Schweiger bekommt. Um richtig gut zu unterhalten fehlen Leichtigkeit und die nötigen Lacher. Mit zwei Stunden ist er viel zu lang geworden und wird immer zäher und zäher. Am Ende ist dann dann natürlich alles Friede, Freude, Eierkuchen und wir sind alle zusammen glücklich. Den Abspann endlich zu sehen war pure Erleichterung.

Fazit: ‚Kokowääh‘ ist wieder typisch Schweiger und der Name allein zieht genügend Leute ins Kino. So auch hier. 4,3 Millionen Zuschauer lockte der Film ins Kino und zählt somit zu den erfolgreichsten deutschen Filmen überhaupt. ‚Kokowääh‘ ist Gefühlsbrei ohne Gefühle. Ein Drama ohne Dramatik. Eine leichte Komödie ohne Leichtigkeit und Lacher. Ein schlechter und unglaubwürdiger Film mit schlechtem Drehbuch, schlechten Darsteller (bis auf Samuel Tinzi) und mehr als nervigem Soundtrack.

Bewertung: 3/10 Sternen