"Krieg der Welten" (USA 2005) Kritik – Spielberg lässt die Aliens angreifen

„Wieso donnert es nicht?“

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Spielberg und die Aliens. Ein, wie wir aus der Vergangenheit zum Glück lernen durften, sehr schönes und ansprechendes Thema, welches der beliebte Regisseur mit seinem ganzen Herzblut angepackt hat und seine kindliche Seele immer wieder bewahrte, obwohl er seine Magie sowohl für klein und groß spürbar machte, egal ob alt oder jung, man konnte sich in diesen Filmen einfach verlieren und sie nicht nur mit den Augen aufnehmen, sondern auch mit dem Herzen. Die Rede ist hier an erster Stelle natürlich von Spielbergs ‚E.T.‘, den jeder kennt und einfach mögen muss, und an zweiter Stelle ‚Unheimliche Begegnung mit der dritten Art‘ aus dem Jahre 1977. Es ist klar, das Spielberg die Aliens nicht als Feinde sieht, sondern als interessante, aufschlussreiche und ebenso liebeswerte Wesen aus einer fremden Welt vorstellt. Im Jahre 2005 sollte damit dann Schluss sein, denn der amerikanische Filmemacher nahm sich H.G. Wells gleichnamigen Roman ‚Krieg der Welten‘ an und inszenierte mit Sicherheit seinen düstersten Alien-Film, aber eindeutig nicht seinen besten.

Wie erwähnt nahm sich Spielberg dem Roman von H.G. Wells aus dem Jahre 1898 an, welcher auch schon 1938 vom großen Orson Welles als Radiohörspiel gesendet wurde und die Zuhörer in Angst und Schrecken versetzte. Im Film selbst geht es um Ray Ferrier, der in New Jersey ein Kranführer für Container am Hafen und Vater von zwei Kindern ist, zum einen der pubertärer Robbie und die kleine Rachel. Nach der Scheidung von seiner Frau sieht er seine Kinder nur noch am Wochenende und auf den neuen Mann seiner Frau hält er nicht gerade große Stücke. Als seine Kinder gerade seine Wohnung wieder bezogen haben und alles auf den langweiligen Standard hindeutet, kommt es zu seltsamen Vorfällen, die sich zuerst durch eigenartige Blitze verdeutlichen, die immer an der gleichen Stelle einschlagen und keinen Donner mit sich bringen. Dann bricht das Chaos aus und riesige Maschinen steigen aus dem Erdboden empor, die mit ihren Strahlen die Menschen zu Staub verarbeiten und die ganze Stadt in ihre Einzelteile zerlegen. Ray und seinen Kindern bleibt nur noch die Flucht und die Reibungen innerhalb der familiären Gruppe werden ebenfalls immer extremer. Dazu entschließt sich Robbie noch, sich den amerikanischen Truppen anzuschließen und den Kampf gegen die Maschinen anzuschließen, während Ray und Rachel in einem alten Keller auf den verstörten Ogilvy treffen, der sich ebenfalls dort versteckt hat. Doch die Maschinen rücken immer näher und es sieht nicht gut für die Menschheit aus…

Mit Spielbergs Stammkomponisten John Williams kann man nichts falschmachen, nicht umsonst nimmt er ihn für so gut wie jeden seiner Filme, einfach weil Williams sein Handwerk immer wieder in einem hervorragend Ausmaß versteht. In ‚Krieg der Welten‘ ist das nicht anders und Williams schafft es erneut, mit seinem altmodischen Score das extreme Gefühl der Situation zu vermitteln und gleichzeitig immer zu unterstreichen. Die Kameraarbeit Janusz Kaminski lässt sich hier jedoch nur zum Teil loben, denn wenn er die unnötige Wackelkamera zum Einsatz bringt, dann kommen wir wieder zum alten Lied, welches nicht von Authentizität singt, sondern von strapazierten Nerven. Auf der anderen Seite weiß er es, durch seine grobkörnigen Aufnahmen den Charakteren immer einen hellen Schleier zu verleihen und die Lage mit blassen wie düsteren Bildern zu verpacken. Schauspielerisch befinden wir uns ebenfalls in einem Zwiespalt. Mit Tom Cruise haben wir einen guten Darsteller in der Hauptrolle, der sich auch schon unter der Regie von Spielberg in ‚Minority Report‘ beweisen konnte. Hier ist die Aufnahme seines Könnens jedoch eine durchwachsene. Auf der einen Seite treibt er immer an den Grenzen des Overactings, was sich auch durch sein Grinsen und den übertrieben Gesten manifestiert, auf der anderen Seite weiß er die Verzweiflung seiner Person und die Verantwortung auszuspielen. Dakota Fanning als Tochter Rachel Ferrier trifft das gleiche Schicksal. Wenn sie nicht durch ihr hysterisches Kreischen auf den Senkel geht, spielt sie die Hilflosigkeit, gepaart mit kindlicher Naivität gekonnt aus. Justin Chatwin als Sohnemann Robbie trifft es am schlimmsten, denn sein Charakter ist der Protoamerikaner, der für sein Land sterben würde und den haltlosen Rebellen mit treuem Herzen gibt. Ebenfalls ein Fehlgriff ist auch Tim Robbins als ehemaliger Rettungswagenfahrer Ogilvy, der seine Familie verloren hat und nun in einem Keller haust, den Aliens aber zu gerne mit einer Axt den Kampf ansagen würde. Dabei fällt Robbins in den Bereich der unfreiwilligen Komik und ernstnehmen kann man seine Figur nach wenigen Sekunden nicht mehr.

Was wäre, wenn wir die ganze Zeit von einer höheren Lebensform beobachtet werden und diese nur darauf wartet uns Menschen, in der ganzen Zufrieden- und Selbstsicherheit, anzugreifen und auszulöschen? Was wäre, wenn wir Menschen, genau wie die Härchen und Insekten unter dem Mikroskop, nur ein unnötiger Bestandteil des Universums sind, welche von einem Moment auf den anderen ausradiert werden? In ‚Krieg der Welten‘ werden wir in diese Fragen einbezogen und bekommen es mit den neidischen Wesen, tief aus den Abgründen des Weltalls zu tun. Und wenn Spielberg seine Tripods von der Leine lässt, dann kann er sein ganzes inszenatorisches Können beweisen. Angefangen mit der unsicheren wie undurchsichtigen Lage. Ein Sturm zieht auf, Blitze schlagen an der gleichen Stelle ein, der Himmel verdunkelt sich, Autos funktionieren nicht mehr, das „Gewitter“ zieht gegen den Wind, Stromausfälle, Stille und undenkbares Chaos. Die Maschinen pulverisieren Menschen im Bruchteil einer Sekunde und legen ganze Städte in Schutt und Asche. In diesen Momenten kann Spielberg eine Atmosphäre erzeugen, die sich aus Massenpanik, Zerstörung, Unsicherheit, Verwirrung und tiefsten Ängsten zusammensetzt und dem Zuschauer wirklich nahe geht und die Authentizität nur so zum explodieren bringt. Alles wird den Menschen genommen, von jetzt auf gleich, und was bleibt sind nur Flucht, Panik und Verderben. Dringen wir in der Geschichte jedoch weiter vor, dann wird die Handlung mit purem amerikanischen Patriotismus bereichert, auf den man einfach nur allergisch reagieren kann. Der Sohn will nicht fliehen, sondern sich den Aliens für sein Vaterland zum Fraß vorwerfen. Kein Wunder, das die Charaktere nie wirklich sympathisch sind oder Identifikationsmöglichkeiten geben. Wenn dann die Vorlagen getreuen, aber hier unpassenden Bakterien ins Spiel kommen, das Familienschicksal wieder in den Einklang gerät und Spielberg seiner eigentlich düsteren Inszenierung plötzlich den Rücken zukehrt, bleibt ein interessanter Eindruck, der sich durchaus sehen lassen kann, aber den faden Beigeschmack nicht wegspült.

Fazit: Spielberg hat die Aliens nicht mehr so lieb, wie er es in den 70ern und 80ern tat. In ‚Krieg der Welten‘ lässt er sie von der Leine und ohne Gnade gegen die Menschheit vorgehen. Dabei beweist er auch, dass er mit düsteren Settings und pessimistischer Atmosphäre gekonnt umgehen und den Zuschauer in seinen Bann ziehen kann. Wäre da nicht der Patriotismus und die Enge zur Vorlage, was zwar auf der einen Seite löblich erscheinen mag, aber hier vollkommen deplatziert wirkt, genau wie das Friede, Freude, Eierkuchen-Ende. Die Schauspielerleistungen schwanken zwischen solide und verstellt, die Effekte sind wunderbar, die Kamera hätte auf das Wackeln verzichten können und das Drehbuch hätte etwas mehr Ausarbeitung gutgetan. Schlussendlich bleibt ein Sci-Fi-Film, umrandet von einem Familien-Schicksal, welcher sicher kein schlechter ist, aber in seinem Ganzen etwas mehr Mut und Zeit gebraucht hätte, gerade die Drehbuchautoren Friedman und Koepp dürfen sich angesprochen fühlen.

Bewertung: 5/10 Sternen