Kritik: 47 Meters Down (GB/DO/US 2016)

© Dimension Films

Trust me, once you go down there you wouldn’t wanna come back up again.

Idyllische, reingewaschene Sandstrände, türkisfarbenes Wasser und strahlender Sonnenschein. Es ist ein hochglanzpoliertes Postkartenmotiv, welches wir alle bestens kennen. Und 47 Meters Down bedient sich diesem ganz gezielt: Die beiden Schwestern Lisa (Mandy Moore, Nur mit dir) und Kate (Claire Holt, H2O – Plötzlich Meerjungfrau) sollen vor der paradiesischen Mexiko-Kulisse noch einmal richtig Kraft tanken, bevor sie weit über ihre Grenzen hinausgeführt werden. Dass diese Prämisse irgendwie bekannt vorkommt, liegt wohl daran, dass vor nicht allzu langer Zeit mit The Shallows – Gefahr aus der Tiefe ein Film in die Kinos kam, der sich einem ähnlichen Konzept bediente. Hier war es Surfer Babe Blake Lively, die nicht sich nur vor einem gefräßigen Hai in Sicherheit bringen musste, sondern auch dem gierigen Blicken der Kamera ausgeliefert war, die ihren Körper, wann immer es ging, minutiös abtastete.

Der Sexismus, den The Shallows – Gefahr aus der Tiefe um sein zuweilen durchaus effektives Spannungsszenario spannte, weidete sich am Abbildungsdrang der Regisseurs. Ihm ging es immer das Präsentieren, nicht aber um das Präsentierte. In 47 Meters Down ist das anders und doch irgendwo ähnlich. Nachdem die beiden Schwestern sich dazu entschieden haben, in einen Hai-Käfig zu steigen, um mit den Königen der Meeren zu tauchen, wartet die Katastrophe selbstverständlich nicht lange. Die Seilwinde versagt, der Käfig schlägt auf den Meeresboden auf, der Funkkontakt ist abgebrochen und der Sauerstoffvorrat neigt sich zusehends dem Ende entgegen. Sicherlich, als reiner Überlebenskampf ist dieser Handlungsverlauf als ein konventioneller zu bezeichnen, wäre Regisseur Johannes Roberts (Roadkill) nicht ein derart solide Genre-Handwerker, der den Grad der Anspannung sukzessive zu intensivieren versteht.

Wie aber war das noch einmal mit dem Sexismus, den 47 Meters Down praktiziert? Müßig an dieser Stelle ist wohl die Erwähnung, dass ein gewisser Harvey Weinstein an der Produktion des Films beteiligt war. Im Prinzip aber zeichnet das Drehbuch hier ein Frauenbild, welches sich aus zwei klaren Attributen speist: Revanchegebärden und Naivität. Weil Lisa von ihrem Freund verlassen wurde, angeblich, weil er sie zu langweilig fand, sucht sie nach einem Abenteuer und lässt sich auf zwei vollkommen Fremde ein, die sie auf die Idee bringen, mit gefräßigen Bestien (so, wie es sie uns das Kino seit jeher vorstellt), zu schwimmen. Ansporn, sich auf diesen Trip zu begeben, war nicht zuletzt die sonnengebräunten Physis der Burschen, die Lisa und Kate überzeugt haben. Eben weil Frauen letzten Endes auch ganz gezielt mit Oberflächenreizen einzufangen sind – aber dafür bezahlen müssen.

Sicherlich befinden wir uns in einem Genre-Film und hier wird das Geschehen unter anderen Parametern bemessen, dennoch ist es augenfällig, wie sehr es 47 Meters Down daran gelegen ist, die beiden Frauen über ihre Blauäugigkeit und ihre Heimzahlungsgedanken herzuleiten. Ebenfalls augenfällig: Die völlig überzogene Pechsträhne, die Lisa und Kate anheimfällt, nachdem sie zum ersten Mal mit dem Käfig unter Wasser gelassen werden. Aber vielleicht ist das auch die Bestrafungsphantasie, mit der sich Regie und Drehbuch an den beiden Frauen abarbeiten, um ihnen eine Retourkutsche zu verpassen. Kompetent inszeniert jedoch ist dieser bisweilen angenehm minimalistisch angelegte Tiefenrausch. Die Stille des Meeres, die absolute Orientierungslosigkeit und die Silhouette eines unersättlichen Jägers, dessen reine Präsenz über jedem Frame lagert, machen 47 Meters Down zu einem durchaus soliden Ausflug in den maritimen Abgrund, in dem das tödliche Schwarz das liebreizende Blau vollständig ablöst.

47 Meters Down ist seit dem 01. Dezember auf Blu-ray und DVD erhältlich.