Kritik: A Quiet Place (USA 2018)

© Paramount Pictures

We have to protect them.

In A Quiet Place ist die Welt zu einer postapokalyptischen Todeszone verkommen, in der schon das kleinste Geräusch, das einen bestimmten Lärmpegel überschreitet, zu einem schnellen Ableben führt. John Krasinski, der in der Vergangenheit als Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent tätig war, hat mit diesem Werk seinen ersten Horrorfilm gedreht und doch zeugt sein Debüt innerhalb dieses Genres von einem ausgereiften Verständnis für die Mechanismen des Horrors, die Krasinski regelrecht souverän beherrscht. Der Regisseur, der neben Bryan Woods und Scott Beck auch am Drehbuch des Films mitgeschrieben hat und eine der Hauptrollen spielt, beginnt die Geschichte an Tag 89. Was zuvor geschehen ist, wird dem Zuschauer erst langsam klar, als er eine fünfköpfige Familie dabei beobachtet, wie diese auf der Suche nach Lebensmitteln und anderen nützlichen Dingen durch einen geisterhaften, verlassenen Supermarkt streift.

Dabei kommunizieren die Familienmitglieder, unter denen sich die Tochter als taub entpuppt, in Zeichensprache, um sich in der Sicherheit der größtmöglichen Stille zu verständigen und fortzubewegen. Was für drastische Konsequenzen zu laute Geräusche nach sich ziehen, verdeutlicht Krasinski am Ende dieses Auftakts mit einer dramatischen Szene, in der das Spielzeug des jüngsten Kindes der Familie plötzlich laute Töne von sich gibt und ein monströses Wesen anlockt, das den Jungen mit sich reißt, bevor der Rest der Familie rechtzeitig zur Hilfe eilen kann. Ohne große Umschweife etabliert der Regisseur ein erbarmungsloses Setting, in dem keine Gefangenen gemacht werden und nicht einmal die kleinsten Figuren der Geschichte vor dem Tod geschützt sind. Die eigentliche Handlung setzt schließlich etwas über ein Jahr später nach dem verheerenden Ereignis an und zeigt die verbliebene vierköpfige Familie in einem Zustand der unaufgearbeiteten Konflikte, welcher zusätzlich durch den Umstand belastet wird, dass jedes ausgesprochene Wort das letzte sein könnte.

Den einzigen sichtbaren Hoffnungsschimmer bildet der runde Bauch der von Emily Blunt gespielten Mutter, die hochschwanger zu sein scheint und schon bald neues Leben in diese wie ausgestorben wirkende Welt bringen wird. Neben den offensichtlichen Gefahren in Form der Monster, die oftmals als unsichtbare, aber extrem tödliche Gefahr im Hintergrund lauern, ist A Quiet Place auch eine emotionale Parabel über das Verantwortungsbewusstsein von Eltern, die ihre Kinder in einer hoffnungslosen, lebensfeindlichen Zeit großziehen müssen. Auch wenn Krasinski immer wieder konventionelle Horrormomente inszeniert, die er zwischen stillem Spannungsaufbau, übereilter Panik und blankem Terror aufgrund des konsequent verfolgten Konzepts wie in einem Stummfilm orchestriert, verliert der Regisseur nie die komplexen Beziehungen zwischen seinen Figuren aus den Augen. Auf geschickte Weise erhalten zudem selbst die zurecht ungeliebten Jumpscare-Einlagen in diesem Film gewissermaßen eine Daseinsberechtigung, da gerade überraschend einsetzende, extrem laute Momente in diesem Szenario den größten Horror bedeuten und die überwiegend vorherrschende Stille mit besonders eindringlicher Intensität durchbrechen.

Nichtsdestotrotz ist Krasinskis Film immer dann am effektivsten, wenn die eigentlichen Monster gar nicht zu sehen sind und stattdessen der beschädigte, instabile Kern der zentralen Familie sichtbar ist, denen die Trauer und der Verlust nach wie vor aus den Gesichtern abzulesen ist. Schuldgefühle, die sich nicht verdrängen lassen, Angst, ein neues Kind in diese Welt zu bringen, die keine wirkliche Zukunft bereithält, und der unbedingte Wille, den eigenen Nachwuchs zu sicherer Eigenständigkeit zu erziehen, falls der dringend benötigte Zusammenhalt irgendwann nicht mehr gewährleistet ist, sind allesamt bedrückende Faktoren, die wie eine schwere Last auf der eigentlichen Survival-Horror-Geschichte liegen. Krasinski versteht es, seinem Publikum Angst einzujagen und den Zuschauer zu erschrecken, doch noch viel mehr versteht er es, Figuren ohne viele Worte zu entwickeln, an deren Schicksal man vor allem im mitreißenden, rastlosen Finale wirklich interessiert ist. Ein Finale, das zeigt, dass es an der Zeit ist, die Stille endlich zu durchbrechen.

A Quiet Place ist ab dem 12. April 2018 deutschlandweit im Kino zu sehen.