Kritik: Assassin’s Creed (FR/GB/HK/US 2016)

© 20th Century Fox

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We want your past.

Mit Assassin’s Creed hat der französische Videospielhersteller UbiSoft ein äußerst erfolgreiches Game-Franchise aus der Taufe gehoben, das es bislang auf über zwei dutzend verschiedene Ableger gebracht hat. Mittlerweile verfügen die Spiele zwar nicht mehr über die anfängliche Faszination der ersten Teile, viele Käufer finden die verschiedenen Abenteuer aber immer noch. Das liegt neben einer guten Spielbarkeit auch an der Mixtur aus Science-Fiction und klassischen Abenteuer. Damit einher geht aber auch eine Geschichte, mit der sich die Verantwortlichen bereits ab dem dritten Teil so immens verhoben haben, dass diese mittlerweile nur noch eine marginale Randnotiz ist. Von daher ist es gut, dass sich der Assassin’s Creed-Kinofilm darauf besinnt, eine eigene Story zu erzählen.

In dieser erwacht der Mörder Callum Lynch (Michael Fassbender) nach seiner Exekution in einem Laborkomplex auf. Eine mysteriöse Firma unter der Leitung von Professor Rikkin (Jeremy Irons) und dessen Tochter Sophia (Marion Cotillard) bieten Callum einen Deal an: Mittels moderner Technik reist Callum durch in seiner DNA manifestierte Erinnerungen in der Zeit zurück und verrät somit, wo sich der legendäre Edenapfel versteckt, der sich schnell als MacGuffin erweist, um rasch aneinander geschnittene Actionszenen vor altertümlichem Setting aneinander zu reihen und hier wäre auch schon das erste große Problem des Films.

Die Action mag flüssig choreographiert sein, doch aufgrund von Stakkato-Schnitten, die auch immer wieder den Blick in die Gegenwart offenbaren, und handelsüblichen ShakyCam-Manövern wirken die diversen Actioneinlagen in der alten Epoche unübersichtlich und hektisch. Ein befriedigender Flow wird nie wirklich erreicht. Dazu bleiben die anderen Figuren aus der Vergangenheit flache Schablonen, da das Vergangene hier einzig und alleine für Actionszenen herhalten muss. Wenn uns Assassin’s Creed also emotional packen will, weil einer von Callums Mitstreiterb das Zeitliche segnet, bleibt dies ohne Wirkung, da zu keiner Zeit eine wirkliche Charakterisierung stattfindet. Das gilt allerdings auch für die Figuren aus der Gegenwart. Die anderen Probanden, die neben Callum im Labor existieren, will uns der Film als mysteriös und im besten Fall charismatisch verkaufen, aber auch sie bleiben nur Mittel zum Zweck. Das ist auf die Dauer genauso ermüdend wie die Ausflüge in die Vergangenheit. Ein Glück werden diese aber zumindest durch den tollen Soundtrack aufgewertet.

Die vielleicht größte Schwäche der Videospielverfilmung ist allerdings das fast völlige Fehlen einer Faszination. Die Spiele machten nicht bloß Kämpfe und wissenschaftliches Geschwurbel aus, sondern auch ihre Eleganz. Als Spieler steuerte man seinen Helden grazil durch die Straßenschluchten vergangener Epochen, erklimmte mit kecker Rasanz die höchsten Gebäude und sprang todesmutig in Abgründe. Davon ist im Film nur noch fragmentarisch etwas zu finden. Ja, es gibt einen Franchise-spezifischen Todessprung, aber dem fehlt es an Anmut und vor allem ist er mehr als nur enttäuschend montiert.

Es scheint fast so, als ob die Macher zwar Footage der Spiele gesehen, aber niemals selbst Hand ans Gamepad gelegt haben. Zumindest Fassbender, der den Film mitproduzierte, gab bereits zu, Assassin’s Creed nie aktiv gespielt zu haben. Da wundert es nicht, dass der Film meist mehr wie eine unfertige Emulation wirkt. Regisseur Justin Kurzel hat nicht wirklich versucht, das aktive Erlebnis des Spielens in ein passives Seherlebnis umzuwandeln. Er konzentrierte sich mehr auf das Abhaken der Statussymbole der Spiele. Herausgekommen ist ein Film der durchaus Potenzial besitzt, von diesem aber nur geringfügig Gebrauch macht. Vielleicht passiert bei der Filmversion ja dasselbe wie bei den Games. Das erste Assassin’s Creed war auch enttäuschend. Erst mit dem Sequel gelang UbiSoft ein wirklich rundes Spiel. Es bleibt also die Hoffnung, dass die Filmfortsetzung vieles besser macht und dass diese geplant ist, zeigt auch bereits das Finale des Films – leider! Im Kinojahr 2016 gab es nämlich wohl keinen gleichermaßen enttäuschenden Showdown wie hier. Selbst der Suicide Squad macht das besser und das soll schon was heißen. Kurz: Assassin’s Creed ist leider eine vollkommene Verschwendung von Talent – sowohl vor, als auch hinter der Kamera.

Assassin’s Creed startet in Deutschland am 27. Dezember 2016 in den Kinos.