Kritik: Batman V Superman: Dawn Of Justice (USA 2016)

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We know better now, don’t we? Devils don’t come from hell beneath us. They come from the sky.

Mit Spannung wurde das Aufeinandertreffen der Comic-Ikonen Batman und Superman erwartet. Diesmal fieberten nicht nur Comic-Geeks dem Showdown entgegen, sondern auch das gewöhnlich recht elitäre Feuilleton, das wissen wollte, ob das Comic-Blockbustermonster des MCU bald ein ebenbürtiger Gegner an den Kinokassen herausfordern würde. Denn egal was man von dem Comic-Hype der letzten Jahre halten mag, Fakt ist, dass auch in den nächsten Jahren Cape- und Maskenträger die Kinolandschaft dominieren werden. Bereits jetzt lässt sich jedoch festhalten, dass „Batman v Superman: Dawn of Justice“ bei den Kritikern gnadenlos durchgefallen ist und dennoch dürfte man sich im Hause Warner momentan keine Gedanken um die Zukunft des DCCU(?) machen, denn dass das Aufeinandertreffen der beiden Aushängeschilder des Comicgiganten DC ein finanzieller Erfolg werden dürfte, garantiert schon die gigantische Fanbase, die bereits seit Jahren sehnsüchtig auf den „größten Gladiatorenkampf der Weltgeschichte“ wartet.

Und ehrlich, ich hätte nichts gegen einen finanziellen Erfolg von „BvS“ an den Kinokassen einzuwenden, denn schon jetzt freue ich mich auf die nächsten DC-Verfilmungen (insbesondere Wonder Woman hat bereits jetzt bewiesen, dass sie sich vor der männlichen Konkurrenz nicht zu verstecken braucht). Zack Snyder dürfte mit „BvS“ vielleicht nicht der erhoffte Meilenstein gelungen sein, denn die großkalibrige Comic-Klopperei hat ganz sicher Schwächen und ist weit davon entfernt ein perfekter Film zu sein, hat man während des ganzen Films doch das Gefühl, lediglich das Grundgerüst für eine deutlich größere Installation gesehen zu haben, die deshalb so vollgestopft wurde, um einen sehr eng gestrickten Zeitplan einzuhalten. Dennoch liefert Snyder mit „BvS“ eine gelungene Comic-Verfilmung ab, die die durch Frank Millers angefangene Negierung des amerikanischen Superheldentraums konsequent fortführt und diese mit der Post-9/11-Entwicklung der Comicszene kreuzt.

Freunde im Mainstream-Publikum macht sich Zack Snyder durch diese Entscheidung ganz sicher nicht, zumal sich Comic-Verfilmungen in den letzten Jahren den eher zweifelhaften Ruf erarbeitet haben, familienfreundliche Massenunterhaltung bieten zu müssen, die konsequent schwierige moralische Entscheidungen umschifft. Erinnert sei dabei nur an Joss Whedons „Avengers: Age of Ultron“, wo man durch einen storytechnischen Taschenspielertrick moralische Fragen im Sinne der utilitaristischen Idee umging, und aus der zur zerstörerischen Waffe umfunktionierten Stadt sogar noch den letzten Hund retten konnten, bevor sich die Helden daran machten, dem Cyber-Antagonisten Ultron das Handwerk zu legen.

Zack Snyders „BvS“ ist dementsprechend viel mehr als ein Gegenentwurf zu den Saubermann-Comicverfilmungen des MCU zu sehen, denn hier wird die Verträglichkeit von absoluter Macht und dem absolut Guten durch die Figur des Superman (Henry Cavill) grundsätzlich verneint. Denn egal mit wie viel gutem Wille sich der Mann aus Stahl seinen Widersachern stellt, allein durch die ihm innewohnende Zerstörungskraft kann er zivile Opfer nie gänzlich ausschließen. Zumal auch Superman, anders als beispielsweise der ähnlich omnipotente Dr. Manhatten in Alan Moores fantastischem Comic „Watchmen“, nie objektiv handelt, sondern immer subjektiv. Dies wird in der Figur der Louis Lane (Amy Adams) deutlich, deren vornehmliche Aufgabe es ist, sich wieder und wieder von ihrem persönlichen Helden aus schier ausweglosen Situationen retten zu lassen. Ein Umstand, der mehr als einmal gegen den Kryptonier ausgenutzt wird.

Mit einer weißen Weste verlässt hier keiner der Protagonisten das Schlachtfeld. Interessant ist dabei, dass selbst Batman (Allen Unkenrufen zum Trotz super besetzt: Ben Affleck) seinen moralischen Kodex über Bord werfen muss, der ohnehin schon, bei schwer bewaffneten Batmobil und explosivem Gadgetwahn, immer etwas fragwürdig erschien. Bruce Wayne präsentiert sich hier als gealterter und verbitterter Kampfkoloss, der vom Leben gezeichnet ist und keine Gefangenen nimmt, wenn es um die Handhabung seiner Feinde geht. Diese Entwicklung ist ein konsequentes Weiterdenken des albtraumhaften Miller-Batmans, der zwar nach wie vor das Töten ablehnte, jedoch kein Problem damit hatte, seine Gegenspieler zu verkrüppeln. Nicht umsonst dankt Snyder Frank Miller noch einmal explizit im Abspann.

Zack Snyder nimmt seinen Charakteren die Unschuld und lässt sie als Sozio- oder Psychopathen wieder auferstehen, was dazu führt, dass die gesamte Begrifflichkeit des „Superhelden“ fragwürdig erscheint. Dadurch macht es Snyder seinen Zuschauern auch fast unmöglich, in den gebrochenen Helden eben jene Identifikationsfiguren zu sehen, die sich in den grundsympathischen und integeren Kumpel-Charakteren der Avengers zur Genüge finden lassen. Letztendlich ist der Regisseur damit thematisch deutlich näher an den „Watchmen“, als an dem Konkurrenzprodukt der Marvel-Verfilmungen. Sollte Zack Snyder den schlechten Kritiken zum Trotz den Mut haben, diese düstere und schwer verdauliche Schiene weiterzufahren, kann man sich nur auf dessen „JLA“-Verfilmung freuen.