Kritik: Baywatch (USA 2017)

© Paramount Pictures

And not a single fuck was given.

Baywatch… Sonne, Strand und Traumkörper – Pamela Anderson, David Hasselhoff und genau so viel Stretch-Nylon, dass die Serie noch zur besten Sendezeit laufen durfte, dies waren die Erfolgszutaten des 90er-Jahre-Kultformats Baywatch – Die Rettungsschwimmer von Malibu. Inzwischen sind die Körper runzelig, die Neunziger nur noch eine modische Fremdscham-Erinnerung und David Hasselhoff ein trauriger Burger-Clip auf Youtube… und dennoch ist Baywatch im kulturellen Gedächtnis unserer Gesellschaft noch immer tief verankert. Eine Frischzellenkur muss her und die Baywatch-Truppe ins 21. Jahrhundert beordert werden. Gerade der unerwartete Erfolg des 21-Jump-Street-Remakes durch die Meta-Comedy-Experten Phil Lord und Chris Miller hatte schließlich gezeigt, wie viel Geld sich mit eigentlich ausgebrannten Lizenzen drucken lässt. Der Versuch, dieses Erfolgsrezept nahezu unverändert auf die wiederbelebten Bademeister zu übertragen, endet jedoch in einem komödiantischen Desaster mit lauwarmen Kriminalplot, das selbst der sympathische und gut harmonierende Cast um den momentan omnipräsenten Dwayne Johnson nicht mehr aus den Fluten bergen kann.

Am Strand von Malibu herrscht noch Recht und Ordnung. Dies ist nicht zuletzt Verdienst von Bademeister Mitch Buchannon (Dwayne Johnson), der täglich alles für seinen Job gibt und dabei auch Aufgaben übernimmt, die weit über sein eigentliches Arbeitsfeld hinausgehen. Hinter sich weiß Mitch seine treuen Kollegen Stephanie (Ilfenesh Hadera), Ronnie (Jon Bass) und C.J. (Kelly Rohrbach). Ein neuer Kadett bereitet dem erfahrenen Rettungsschwimmer jedoch Sorge: Unfreiwillig musste die Truppe den in Ungnade gefallenen Schwimm-Superstar und zweifacher Olympia-Gewinner Matt Brody (Zac Efron) in ihre Reihen aufnehmen, der mit seiner selbstbezogenen Art eher ein Hindernis als eine Hilfe für das Gruppengefüge ist. Kein guter Zeitpunkt, denn am Strand werden Drogen gefunden und dieser neue Fall fordert den Zusammenhalt des gesamten Baywatch-Teams…

Oh, Pimmelwitz – Quell der unendlichen Freude. Wie kein Zweites ist das amerikanische Kino dem humoristischen Potenzial des männlichen Geschlechtsteils erlegen. Nichts gegen gute Zoten, Filme wie Borat oder auch die bereits angesprochene Jump-Street-Reihe zeigen, wie großartig solch komödiantische Schläge unter die Gürtellinie sein können. Auch Regisseur Seth Gordon (Kill the Boss) kennt sich auf diesem Gebiet bestens aus, schließlich ist dieser als Filmemacher nicht gerade für seinen feingeistigen Humor bekannt. In Baywatch schießt der Regisseur aber stellenweise deutlich über das Ziel hinaus und liefert einige humoristische Rohrkrepierer jenseits des guten Geschmacks. Den absoluten Tiefpunkt bildet dabei die verdeckte Ermittlung in einer Leichenhalle, in der nicht nur jede Menge Körperflüssigkeiten zum Einsatz kommen, sondern Zac Efron auch noch für einen lauen Witz an den Genitalien einer Leiche herumfummeln muss.

Seine besten Momente hat Seth Gordons Baywatch-Neuinterpretation immer dann, wenn es den eigenen leichtlebigen Schwachsinn zelebriert. Bereits die Eröffnungssequenz macht dabei klar, in welche Richtung die Kinoadaption der Kultserie gehen wird: Während Dwayne Johnson nach einem erfolgreichen Rettungseinsatz dem Meer entsteigt, knallt über ihm der Titelschriftzug ins Bild, während sich im Hintergrund Delfine und andere Meeresbewohner aus dem Wasser erheben. Baywatch 2017 möchte weniger Seifenoper am Badestrand, sondern in erster Linie selbstreferenzieller Partyklamauk sein. Dieses Vorhaben gelingt jedoch nur bedingt, denn die selbstreferenziellen Witze beschränken sich auf ein paar Zeitlupen-Gags und die obligatorischen Cameo-Auftritte von Hasselhoff und Anderson, die krampfhaft in die Filmhandlung eingewoben werden. Endgültig vorbei ist die anfängliche Leichtigkeit, wenn der dröge Plot um die Drogen schmuggelnde Immobilienspekulantin Victoria Leeds (Priyanka Chopra) in den Vordergrund gerückt wird und die humoristischen Einschübe auf die mäßig komischen Undercover-Einsätze der Baywatch-Truppe reduziert werden (Trauriger „humoristischer“ Höhepunkt: Zac Efron in Frauenkleidern.).

Selbst die bis zum Anschlag aufgedrehte musikalische Untermalung kann der filmischen Wasserleiche kein neues Leben einhauchen. Dies liegt zum einen daran, dass diese trotz passender Künstlerauswahl erstaunlich eintönig geraten ist – Das Rap-Duo Run the Jewels ist gleich mit drei Songs im Film vertreten. Zum anderen gönnt der Film seinen Zuschauern auch keinen Moment der Ruhe, sondern drückt diesen ohne Unterlass einen beatlastigen Partytrack nach dem nächsten ins Ohr. Statt akzentuiert musikalische Höhepunkte zu setzen, verschwimmt hier alles zu einem undefinierbaren musikalischen Brei. Wer nach dieser akustischen Dauerpenetration noch Lust darauf hat, sich den Soundtrack zum Film zu kaufen, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Fazit: Diese Strandparty fällt ins Wasser: Die Neuauflage der Kult-Serie Baywatch ist trotz sympathischer Besetzung eine schrecklich dröge Angelegenheit und wahrscheinlich die schlechteste Kinokomödie des Sommers.

Baywatch startet am 01. Juni 2017 deutschlandweit im Kino.