Kritik: Cabin Fever – The New Outbreak (USA 2016)

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© Tiberius Film

It’s in the water!

Die Recyclingpolitik moderner Filmproduktionsstätten nimmt immer absurdere Züge an: Nicht nur, dass ein Franchise, welches längst zu einem sehr zufriedenstellenden Schlusspunkt geführt wurde, Jahre später zurück ins Leben gerufen wird, um die Cashcow mit klobigen Fingern zu melken (siehe Creed – Rocky’s Legacy oder Jason Bourne); nein, nun werden schon Remakes von Filmen bemüht, die keine 15 Jahre auf dem Buckel tragen und sich dazu auch noch ein Entstehungsland teilen: Die lachhafte Ausrede, dass Amerikaner nicht gerne Untertitel lesen, verliert dementsprechend offenkundig an Gehalt. Letzteres indes ist nun auch Eli Roths Schundperle Cabin Fever widerfahren, die mit Cabin Fever – The New Outbreak von Travis Zariwny eine Neuauflage erhalten hat, nach der vermutlich (oder besser gesagt: hoffentlich) kein Mensch gefragt hat.

Mit Cabin Fever hat Eli Roth im Jahre 2002 ein beachtliches Debüt auf die Beine gestellt, weil dem Quentin-Tarantino-Kompagnon etwas ganz Entscheidendes geglückt ist: Anstatt sich darauf zu berufen, Konventionen und Stereotype des Genres ohne Hintersinn zu reproduzieren, gestaltete sich die Hüttengaudi im Seuchendickicht als eine erquickende Mischung aus Exploitation, Parodie und Hommage, die nach Lust und Laune mit Querverweisen jonglierte und zu jeder Zeit deutlich machte: Dieser Film ist von Geeks für Geeks. Nachvollziehbar, warum Cabin Fever in Genre-Zirkeln längst zum Kult avancierte. Es sind dementsprechend große Fußstapfen, in die Travis Zariwnys Neuauflage nun treten muss; und auch wenn er sich zu jeder Zeit dem Segen von Produzent Roth sicher sein konnte, ist das Ergebnis von Cabin Fever – The New Outbreak wie zu erwarten aufgefallen.

Von Subversion ist in Cabin Fever – The New Outbreak keine Spur mehr, dafür sieht man dem Werk durchaus an, dass im Hintergrund ein höheres Budget zur Verfügung stand, was einerseits für hochwertige Aufnahmen sorgt, der Suggestion der Bilder aber diametral entgegensteht, weil es doch gerade die abgeranzte Optik von Cabin Fever war, die ihn so angenehm antiquiert aus der Zeit fallen und wie ein Kind der 70er Jahre erscheinen ließ. Travis Zariwnys zuvorderst an einer übermäßigen Misshandlung des Lautstärkereglers interessierte Inszenierung liefert dessen ungeachtet auch keine weiteren Antworten, um die Dringlichkeit des Remakes zu belegen: Die Protagonisten sind keine Spielfiguren eines Genre-Aficionados, sondern nur durchsichtige Abziehbildchen, denen man das fleischfressende Bakterium nur zu gerne an den Hals wünscht. Glattpoliert, anonym, irrelevant, das ist Cabin Fever – The New Outbreak.

Tiberius Film veröffentlicht Cabin Fever – The New Outbreak ungeschnitten am 6. Oktober auf Blu-ray und DVD.