Kritik: Der Dunkle Turm (USA 2017)

© Sony Pictures

Do the animals still talk in your world?

Die Produktionsgeschichte von Der Dunkle Turm ist lang, voller Kurswechsel und Aufs uns Abs. Sie ist eigentlich das genaue Gegenteil vom Endergebnis, dass nach über zehn Jahren in der Entwicklungshölle von Hollywood nun unsere Kinos erreicht. Wer jetzt fragend seine Schultern nach oben zieht, für den eine stark verkürzte Erklärung:

Der Dunkle Turm ist eine Fantasy-Romanreihe von Stephen King. Sie erzählt von mehren miteinander verbundenen Universen, in deren Zentrum ein dunkler Turm steht. Genau diesen will der Mann in Schwarz vernichten. Dies ist dann auch der Grund, warum ihm der Revolvermann Roland jagt. Diese epische, extrem ausufernde Geschichte dient für den cineastischen Turm mehr als Inspiration denn als echte Vorlage. Die Versatzstücke bleiben gleich, bzw. ähnlich, doch wie die Autoren und Regisseur Nicolas Arcel letztlich ihre Geschichte der Geschichte erzählen, hat mit der Vorlage nicht mehr all zu viel zu tun. Für Hardcore-Fan dürfte das die Enttäuschung schlechthin sein und auch Pedanten werden an Der Dunkle Turm wenig gefallen finden, doch auch auf die Gefahr sich sehr unbeliebt zu machen, muss hier gesagt werden, dass der Film eigentlich ganz gut geraten ist.

Nein, Der Dunkle Turm ist nicht großartig. Es ist keine Produktionen die einen ins Schwärmen bringt, über die man Tage nach dem Kinobesuch noch sinniert und die man sich immer wieder ansehen mag. Es ist aber eine die in der heutigen Blockbuster-Zeit durchaus etwas Erfrischendes hat. Das Narrative des Film verzichtet z.B. auf Subplots, ausgewalzte Expositionen, schwammige Figurenzeichnung und große Geheimniskrämerei.

Der Dunkle Turm ist eine reduzierte auf den Punkt gebrachte Wohltat mit einer einfachen aber fast schon vergessenen Prämisse. Regisseur Arcel nimmt sein Publikum sanft an die Hand und will nicht mehr und nicht weniger als eine Geschichte erzählen. Dass es nur eine von vielen innerhalb dieses Universums ist, ist klar. Dennoch vergeudet er keine Kraft daran uns großspurig irgendwelche anderen Erzählstränge anzupreisen. Der Weg der Figuren und damit auch der Geschichte kreuzt natürlich immer wieder kleine Hinweise, aber es wird sich nie darauf fokussiert. Bei Arcel steht nur eine Geschichte im Rampenlicht und diese erzählt er klar und ohne Extragepäck.

Mit eine Netto-Laufzeit von nicht einmal 90 Minuten wirkt das Pacing des Films dazu teils wunderbar eingängig und entschlackt. Das große King’sche Universum ist zwar allgegenwärtig, aber es wird darauf verzichtet in Erklärbär-Manier alles und jeden vorzustellen und zu durchleuchten. Der Dunkle Turm erlaubt sich Geheimnisse. Er sucht sich eine von sehr vielen Handlungen aus und konzentriert sich dann genau auf diese. Dank toller Darsteller und einer künstlerisch durchaus stimmigen Umsetzung kommt so ein Werk heraus, das seinem Publikum etwas sehr Befriedigendes bietet: Eine Geschichte zu erzählen. Die erweist sich als solide bis geglückt in vielen ihrer Facetten.

Der Dunkle Turm startet am 10. September 2017 in den deutschen Kinos.