Kritik: Die Entführung von Bus 657 (USA 2015)

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This is about principle, not money.

Robert De Niro ist ohne Zweifel eine Schauspiellegende, welche sich vor allem durch seine zahlreichen Leistungen als skrupelloser Verbrecher oder Mafia-Boss in die oberste Liga der denkwürdigen Darsteller in der gesamten Filmgeschichte einreihen konnte. In den letzten Jahren ereilte ihn allerdings ein ähnliches Schicksal wie einige andere seiner berühmten Kollegen. Im hohen Alter ist auch er immer häufiger in kleineren Produktionen oder sogar B-Movies zu sehen, in denen er sein Talent für Rollen hergibt, die meist nur wenige Minuten Screentime haben oder kaum Relevanz für die Geschichte besitzen.

Nun erscheint mit „Bus 657“ hierzulande eine weitere Direct-to-DVD-Produktion, auf deren Cover groß mit De Niro geworben wird. Der spielt mal wieder die Figur eines kriminellen Casino-Bosses, eine Paraderolle also möchte man meinen. Im Mittelpunkt steht aber ein verzweifelter Familienvater, der für De Niro´s Charakter arbeitet und der schnell eine große Summe Geld für die notwendige OP seiner schwer kranken Tochter auftreiben muss. Wer jemals einen Film aus ähnlich gelagertem Genre gesehen hat, wird sich jetzt ungefähr ausmalen können, wie sich der weitere Verlauf der Handlung entwickeln wird. Auch wenn dem Film sicherlich jegliche Originalität abhanden geht und sich für das Drehbuch offensichtlich bei bekannten Elementen berühmter Streifen bedient wurde, welche zusammengefischt und zu einer Mischung aus Heist und Verfolgungsjagd angeordnet wurden, ist „Bus 657“ in seinem B-Movie-Sektor trotzdem ein durchaus brauchbarer Film geworden.

Regisseur Scott Mann, der auch schon mit dem temporeichen, auf positive Weise leicht neben der Spur laufenden „The Tournament“ sichtbares Können im Action-Thriller-Bereich bewies, hält diesen Streifen angenehm kurzweilig und setzt auf durchgängiges Tempo sowie Spektakel. Sobald die entscheidenden Figuren etabliert sind, emotionale Grundpfeiler gesetzt wurden und der Plot erstmal Fahrt aufnimmt, verlässt er seinen eingeschlagenen Kurs relativ selten und ist ein solide produziertes Thriller-Vehikel mit angemessenem Tempo, etwas Spannung und Action sowie dem ein oder anderen Twist, der zwar nicht immer komplett glaubwürdig wirkt, aber für Abwechslung sorgt.

Des weiteren ist „Bus 657“ zwar nicht überragend, aber dafür ansprechend besetzt. Jeffrey Dean Morgan passt gut in die Hauptrolle des verzweifelten Vaters, der zur letzten Möglichkeit greift, um seine Tochter zu retten und damit die Sympathien des Zuschauers auf seiner Seite hat. Als Komplize hat er einen gewohnt wuchtigen Dave Bautista an seiner Seite, der zwar eher durch knurrige Physis denn nuanciertes Schauspiel überzeugt, aber dafür hier überzeugend. Gina Carano, die sonst mit körperbetonten Mixed-Martial-Arts-Aktionen eingesetzt wird, ist hier allerdings etwas unterfordert. Und dann ist da eben noch De Niro. Der hat zwar wie man es sich bereits vorstellen konnte nur eine Nebenrolle, ist aber trotzdem mehr als bloßer Stichwortgeber und nimmt vor allem im Schlussakt noch eine Schlüsselposition ein. Dadurch kann er zwar längst nicht an alte Glanzzeiten anknüpfen, wird aber wenigstens nicht so dreist verpulvert, wie manch andere ehemalige A-List-Darsteller.

So ist „Bus 657“ insgesamt zwar weit entfernt von einer großen Nummer und alles andere als innovativ oder überraschend, zieht sein Konzept aber geradlinig, temporeich und auf simple Art kurzweilig unterhaltsam durch. Durch den soliden Look und die passenden Darsteller sicher nicht die schlechteste Wahl, was Filme aus diesem oftmals lieblos heruntergespulten B-Movie-Sektor angeht.