Kritik: Fast Convoy – Tödlicher Transport (FR 2016)

Ascot Elite

Ich habe noch nie jemanden zurückgelassen!

Fast Convoy – Tödlicher Transport zählt zu diesen Filmen, denen man nur zu gerne auf den Leim geht, und das aus einem einfachen Grund: Man möchte ihnen auf den Leim gehen. In diesem Fall liegt das vor allem daran, weil die Prämisse ein straightes Genre-Vergnügen verspricht, während auf dem Plakat der gestandene Benoit Magimel (Die purpurnen Flüsse 2 – Die Engel der Apokalypse) elegant gegen einen flotten Flitzer gelehnt anscheinend jederzeit bereit scheint, das Schießeisen in seiner Linken einzusetzen. Kurz gesagt: Die Zeichen standen mal wieder auf Kolportage. Aber auf hochwertiger Kolportage. Umso ernüchternder das Ergebnis, mit dem Regisseur Frédéric Schoendoerffer (Switch – Ein mörderischer Tausch) um die Gunst die Zuschauers buhlt, zeugt sein nunmehr viertes Werk doch weder von erzählerischer, noch von stilistischer Raffinesse.

Was zuerst ins Auge sticht, sind die penetrant-sepiagetränkten Bildwelten: Jede Einstellung wird dominiert von einem stechenden Gelb-Braun, welches das Geschehen abseits jedweder ästhetischen Logik nachweislich verzerrt. Es dauert gar bis zu den letzten 20 Minuten, bis Regisseur Frédéric Schoendoerffer auf die Idee kommt, den knalligen Sepiaton einem Farbkontrast unterzuordnen, erst dann offenbart sich Fast Convoy – Tödlicher Transport in einem angenehmen teal & orange, was auch das visuelle Erleben deutlich angenehmer gestaltet. Wenn man nun gemein sein möchte, könnte man postulieren, dass dieser optische Entwicklungssprung wohl das beste ist, was Schoendoerffer über 100 Minuten zu bieten hat – und das ist, wie könnte es auch anders sein, offensichtlich viel zu wenig.

Zu Anfang erweckt Fast Convoy – Tödlicher Transport immerhin noch den Eindruck, ihm ginge es um die Dialektik von Sehen und Gesehen werden, was den Film natürlich mit dem voyeuristischen Urschleim des Kinos kokettieren lassen würde. Wir sehen Menschen in erster Linie aus ihren Automobilen schauen – und wenn nicht, dann blicken wir von außen durch die Windschutzscheibe in die Innenräume der Vehikel. Jeder hier muss sich auf diesem begrenzten Raum entfalten und eine individuelle Handlungsebene errichten: Möchte man nur Sehen und Gesehen werden oder möchte man Sehen und unsichtbar sein? Fast Convoy – Tödliche Transport aber besitzt keinen spielerischen Gestus, um mit diesem fundamentalen Grundsatz des Kinos schwungvoll umzugehen, stattdessen hat Schoendoerffer ein 100-minütige Sonntagsfahrt von Malaga nach Paris inszeniert. Dröge.

Fast Convoy – Tödlicher Transport wird von Ascot Elite publiziert und erscheint am 22. Juli im Handel.