Kritik: Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe (US 2017)

© Universal

„Gute Kommunikation funktioniert nur dann, wenn beide Partner bei Bewusstsein sind.“

Zwei Jahre ist es her, da beherrschte die Bestseller-Verfilmung Fifty Shades of Grey die Medien. Der Film wurde aufgebauscht, zu einem Ereignis und dank der gut betriebenen Hype-Train konnte der Film an der Kinokasse weltweit über eine halle Milliarde US-Dollar erwirtschaften. Bedenkt man, dass der Film mit 40 Millionnen US-Dollar relativ günstig produziert war, hätte Universal die Geschichte wohl auch dann fortgesetzt, wenn es keine Nachfolgeromane gäbe. Jetzt ist es also wieder soweit. Valentinstag steht vor der Tür und das Studio erhofft sich erneut einen hit am Box Office. Doch haben sich die Macher die immensen Kritikpunkte zu Herzen genommen, oder ist Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe eine genauso oberflächliche, plumpe und vor allem ärgerliche Angelegenheit?

Es mag kaum zu glauben sein, aber es ist in der Tat so,dass zwei Makel des Vorgänger angegangen wurden. Zum einen gibt es im Sequel nun wesentlich mehr und explizierter Sex und zum anderen wehrt sich Hauptfigur Anastasia nun endlich gegen die Besitzansprüche ihres Mister Perfect. Ein Schritt in die richtige Richtung? Nur mit sehr viel guten Willen.

Die Sexszenen sind zwar vielzählig, die Kamera interessiert sich aber letztlich nur für den Busen von Darstellerin Dakota Johnson. Zwar gibt es edle Beinspreitzer und den Einsatz von Liebeskugeln zu bestaunen, das geschieht aber so klinisch sauber und auf Hochglanz getrimmt, dass wahrlich kein Prickeln aufkommt. Dazu entwickelt sich die erotische Komponente nicht weiter. Jede Sexszenen gleicht der anderen. Trotz BDSM-Anklängen sind die Intimitäten und Zärtlichkeiten im Sequel nicht mehr als eine typische, immer leicht verbissene Hollywood-Fickerei, an deren Ende die beiden Liebenden eng umschlungen auf dem Bett liegen und die Decke – wie gewohnt bei großen US-Studioproduktionen – den Schambereich bedeckt. Ach ja und auch in der Fortsetzung werden sexuelle Veranlagungen abseits der Norm als (psychische) Störung dargestellt.

Der andere große Kritikpunkt wurde versucht ähnlich fadenscheinig auszumergeln. Ja, Anastasia wehrt sich nun dagegen wie ein Stück Ware behandelt zu werden, das ändert aber nichts daran, dass sie dennoch wenig stark erscheint. Dazu kommt noch, dass ihr geliebter Christian sich so vehement in ihr Leben einmischt, dass sie schließlich fast wie von ihm abhängig erscheint. Ein ebenfalls nicht zu unterschätzender Fakt ist, dass er mit allen Ratschlägen, die er ihr gibt, stets recht behält. Das wirkt nicht seltsam, das wirkt  dumm und zeigt auf wie wirklich wahnsinnig, wahnsinnig, wahnsinnig misslungen das Drehbuch ist.

Nach dem sich Romanautorin E L James beim Vorgänger mit der Regisseurin Sam Taylor-Wood und Drehbuchautor Kelly Marcel ordentlich verkrachte, wurde nun Niall Leonard die Aufgabe zu Teil den Roman in ein Script umzuwandeln. Wenig überraschend, ist dieser doch der Gatte von James. Bereits E L James wurde von Kritikern kein großes, schriftstellerisches Talent bescheinigt, aber nach der Sichtung von Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe darf nun auch behauptet werden, dass ihr Ehemann – zumindest als Scriptwriter – eine Katastrophe ist. Selbst wenn Stanley Kubrick aus dem Jenseits zurückkehren und gleich noch Billy Wilder und Alfred Hitchcock mitbringen würde, um das Script von Niall Leonard zu verfilmen, wäre die Chance non-existent dass aus diesem Drehbuch ein zumindest mittelmäßiger Film entstehen würde.

Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe versagt narrativ in so vielen Bereichen, dass es teilweise schon wieder faszinierend ist. Da werden Antagonisten eingeführt (manchmal sogar ohne Aufbau), um sie wieder fallen zu lassen, nur damit sie kurz vor knapp wieder aus dem Papierkorb gezerrt werden und sie dennoch so erscheinen zu lassen, als wären sie stetig präsent gewesen. Da wird willkürlich die große, dramaturgische Keule ausgepackt (Stichwort: Hubschrauber) und ebenso willkürlich wird das ganze wieder aufgelöst. Es ist ein Desaster, auch wenn dem ganzen eine unfreiwillige Komik nicht abzusprechen ist.

Inszeniert ist das alles als Hochglanz-Seifenoper, unterfüttert mit einem beliebigen Konsens-Soundtrack und frei von wirklichen Individualitäten – eben so, wie auch der erste Teil. Auch bei der Chemie zwischen den Hauptdarstellern hat sich weder im erotischen noch im romantischen Bereich irgend etwas verändert. Dakota Johnson und Jamie Dornan, sie wirken immer noch so ideal gemeinsam wie ein vertrockneter Spüllappen und eine rohe Bratwurst. Sexy geht anders – ein guter Film sowieso.

Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe startet am 09. Februar 2017 deutschlandweit im Kino.