Kritik: Ghostbusters (USA 2016)

Ghostbusters-2016

© Sony Pictures Entertainment

It smells like burnt baloney and regrets down here.

Die Geisterjäger Peter Venkman, Ray Stantz, Egon Spengler und Winston Zeddemore begleiten mich seit meiner Kindheit. „Ghostbusters“ von 1984 war der erste „Grusel“-Film, den ich überhaupt sehen durfte und zählt auch heute noch zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Ebenso hatte die Zeichentrickserie, die nach dem internationalen Erfolg von „Ghostbusters“ vom amerikanischen Kult-Trickfilmstudio Filmation (Filmnation produzierte unter anderem auch „He-Man“ und „Bravestarr“) produziert wurde, jeden Samstagmorgen in meinem Fernseher ein gesichertes Gastspiel. Dementsprechend möchte ich hier auch weniger eine reine Kritik, als mehr einen persönlichen Kommentar zur Neuauflage des Films und zum Rattenschwanz der Probleme schreiben, den die Produktion des Reboots nach sich zog.

Es war ein echter Mammutakt, die Ghostbusters wieder auf die Leinwand zu bringen. Bereits 2008 vermeldeten große Filmportale zum erste Mal, dass die Ghostbusters offiziell auf die Leinwand zurückkehren würden – Ganze acht Jahre und etliche Verwirrspiele um Cast, Regie und Drehbuch später ist es nun soweit: die Ghostbusters kehren endlich auf die Leinwand zurück! Doch irgendwie scheint dies keiner richtig zu wollen, schon gar nicht die Hardcore-Fans, die bereits seit dem durchwachsenen zweiten Teil auf eine weitere Fortsetzung hofften. Spätestens mit dem Tod von Egon-Darsteller Harold Ramis im Februar 2014 war jedoch klar, dass die Ghostbusters in alter Besetzung nicht mehr gemeinsam auf die Leinwand kommen würden und bereits vorher wurde ein möglicher gemeinsamer Auftritt mehr als eine Art Protonenpack-Übergabe an eine jüngere Geisterjäger-Crew angedacht, da insbesondere Bill Murray wenig Lust hatte, noch einmal in die Rolle des zynischen Dr. Peter Venkman zu schlüpfen. Eine komplette Generalüberholung der Reihe musste her und mit ihr wurde auch eine Entscheidung gefällt, die traurigerweise bereits vor Drehbeginn das Aus für die „Next-Gen-Ghostbusters“ bedeuten sollte: Zum Unmut der „Fans“ sollten nun Frauen in die Rollen der New Yorker Geisterjäger schlüpfen! „Schreck lass nach“, dachten sich da wohl einige unbelehrbare Ghostbuster-Fanboys, „Frauen, die Männerrollen übernehmen? Wo gibt es denn sowas?“ und enttarnten sich in dem folgenden Shitstorm, der über Regisseur Paul Feig und den Ghostbuster-Cast hereinbrach, als ekelhaft chauvinistische und bisweilen auch rassistische Kleingeister, die einem den Glauben an die Fankultur rauben könnte, eigentlich sogar rauben müsste.

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Wie wenig es den „Fans“ dabei um eine „Rettung“ des Franchise ging, zeigt sich allein schon daran, dass die fast zeitgleich aufkeimenden Gerüchte über einen weiteren geplanten Ghostbuster-Ableger, in welchem Channing Tatum und Jonah Hill in die locker sitzenden Geisterjäger-Overalls schlüpfen sollten, frenetisch bejubelt wurden. Frei nach dem Motto: Wenn schon keinen Film mit der Originalbesetzung, dann doch wenigsten einen Film mit einem gleichwertigen Ersatz, wobei das Wort „gleichwertig“ wohl in diesem Fall als „gleichgeschlechtlich“ zu verstehen ist. Warum genau die Geisterjagd zwingend ein männlich dominiertes Metier sein soll, erklärt sich mir bis heute nicht, schließlich waren auch die ursprünglichen Ghostbusters nicht gerade Adonis-Gestalten, die durch männliches Ideal beeindruckten. „Ghostbusters“ war doch schon immer der filmgewordene Aufstand der gesellschaftlichen Außenseiter, die auch ohne Sixpack und strahlendes Aussehen den Tag zu retteten vermochten. Gerade da passt doch die weibliche Neubesetzung wunderbar ins Gesamtbild des Ghostbuster-Konzepts, denn dass Frauen auch im männerdominierten Hollywood nach wie vor einen schweren Stand haben, ist hinlänglich bekannt (beispielsweise: http://www.stern.de/kultur/film/analyse—frauen-in-hollywood-filmen-bekommen-weniger-sprechrollen-6794106.html) (und wurde durch die Reaktion auf die weiblich besetzten Ghostbusters nur noch einmal unterstrichen).

Natürlich ist der weibliche Cast das kleinste Problem des Reboots, denn Melissa McCarthy, Kristen Wiig, Leslie Jones und Kate McKinnon machen, im Rahmen des im Drehbuch möglichen, einen guten Job. Und warum denn auch nicht? Schließlich sind diese vier Damen allesamt gestandene Comedy-Größen, von denen einige ihren Durchbruch bei SNL feiern konnten – Ebenso wie beispielsweise Bill Murray oder Dan Akroyd. Das Reboot der Ghostbusters krankt da dpcj an ganz anderen Problemen: Viele Witze zünden nur auf Sparflamme, die zwanghafte Anbiederung an das Original-Drehbuch ist stellenweise eher Fluch als Segen, da es dem impro-starken Cast kaum Raum zur Entfaltung gewährt und die Vielzahl an Action-Sequenzen und neuer Geister-Vernichtungswaffen lassen erkennen, dass die neuen „Ghostbusters“ als generisches Action-Franchise konzipiert wurden, das eher über Effekthascherei als durch Wortwitz punkten möchte. Dennoch ist „Ghostbusters“ bei weitem kein filmischer Totalausfall und dürfte insbesondere für Fans der Serie interessant sein, denn der Film verbeugt sich immer wieder knietief vor seinem filmischen Vorbild. „Ghostbusters“ ist also in erster Linie ein Film für die Fans der Serie, die den Film jedoch gar nicht wollen und ist somit das Reboot ein Film ohne Publikum. In den USA blieben am „Ghostbusters“-Startwochenende etliche Kinosäle menschenleer und auch an den Kinokassen ist der Erfolg des Reboots bisher doch recht überschaubar.

Die Probleme des „Ghostbuster“-Reboots offenbaren die Probleme der Fankultur: Der kreative Stillstand in Hollywood, den wir schon seit Jahren beobachten können, ist nicht nur Ausdruck wachsender Innovationsverweigerung auf der Führungsebene, sondern auch – und dies bedingt eben jene Entwicklung – Ausdruck einer geistig festgefahrenen Fankultur, die Neuerung als ketzerischen Akt, als Verrat an den „alten Göttern“ einstuft. Ergo produzieren die Studios immer mehr vom gleichen Mist, weil die Fans auch gar nichts anderes wollen. Eine fragwürdige Entwicklung, die mit dem Ärger um das weiblich besetzte „Ghostbusters“-Reboot einen ebenso unrühmlichen wie unnötigen Höhepunkt fand.