Kritik: Imperium (USA 2016)

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For evil to triumph, it only takes good men… to do nothing.

Imperium vereint sämtliche Vorzüge und Reize in sich, die man von einem Undercover-Thriller, eine der potentiell spannungsgeladendsten Varianten des Genres, erwarten darf. Daniel Radcliffe hat sich vom Image des milchgesichtigen Zauberlehrlings mittlerweile freigespielt und besticht hier in der Hauptrolle als von Idealen geleiteter, eher schüchterner FBI-Agent, der sich hinter einem Computerbildschirm vergraben und mit Kopfhörern durch Musik abgelenkt am wohlsten fühlt. Für einen überraschenden Auftrag muss Nate Foster sein bisheriges Verhalten allerdings von Grund auf umkrempeln, denn eine Vorgesetzte will ihn verdeckt in ein terroristisches Netzwerk einschleusen, das aus Neo-Nazis besteht und demnächst eine Anschlagsserie mit schmutzigen Bomben plant. Gerade in seinem ersten Drittel entwickelt „Imperium“ langsam eine immense Spannung, indem Regisseur Daniel Ragussis bekannte Elemente eines solchen Undercover-Einsatzes mit handwerklicher Intensität verdichtet und geschickt zu Spannungsmomenten steigert, die den Puls in die Höhe treiben.

Die Verwandlung des von Natur aus eher introvertierten, vorsatzgemäßen FBI-Agenten in einen überzeugenden Rechtsextremisten, also das Erzeugen und vor allem Aufrechterhalten einer künstlichen Fassade, ist der entscheidende Faktor, der den Streifen wesentlich vorantreibt. Das Gefühl, dass jeder Schritt der letzte, jedes Wort das falsche und die kleinste auffällige Gesichtsregung gefährlich sein könnte, durchzieht viele Szenen dieses Films, in dem sich Nate durch intelligente Improvisation, überlegte Wortwahl sowie genau durchdachte Bewegungen eine Scheinidentität bewahren muss. Durch bedrohlich eingefügte Montage-Fetzen erzeugt Ragussis anfangs außerdem ein Bild des Neo-Nazi-Milieus, das wie aus einem Albtraum wirkt. Bei der Darstellung der rechten Szene setzt Imperium hingegen auf Zwischentöne. Nate selbst, der auf der Arbeit als Außenseiter gilt, den Kollegen eher müde belächeln, trifft nicht nur auf furchteinflößende Gestalten, denen man zutraut, dass sie jeden Moment in hässliche Brutalität ausbrechen könnten, sondern auf kultivierte Personen, die bevorzugt klassische Musik hören und dadurch sogar die gleichen musikalischen Interessen mit ihm teilen, oder auf junge, desorientierte Jugendliche, die in der Szene aus Verzweiflung Halt suchen.

Auch wenn das Drehbuch auf wahren Erlebnissen eines ehemaligen FBI-Agenten beruht, wirkt Imperium im letzten Drittel manchmal zu unentschlossen. Die Verbindung eines authentischen Milieu-Porträts, in dem versucht wird, einigen Gesichtern hinter ihrer fragwürdigen Ideologie Profil zu verleihen, mit Momenten eines fesselnden Thrillers wird durch konstruierte, glattgebügelte Szenen etwas verwässert. Der Film endet schließlich auf einer etwas zu gutgläubigen Note, bei der glaubwürdige Konsequenzen und realistische Entwicklungen zugunsten eines zu klischeebehafteten Finales weichen müssen. Als geradliniger Thriller hat Imperium nichtsdestotrotz einige höchst elektrisierende Momente und einen überzeugenden Daniel Radcliffe in der Hauptrolle zu bieten, so dass er seiner intensiven Undercover-Thematik überwiegend gerecht wird.

Imperium erscheint am 9. Dezember 2016 auf DVD & Bluray