Kritik: Inferno (USA 2016)

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© Sony

Humanity is the disease, Inferno is the cure.

Das kam zusammen, was zusammen gehört: Ron Howard, erfolgreicher Hollywood-Regisseur von Gefälligkeitsware wie A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn oder Rush – Alles für den Sieg inszenierte mit dem wohl niemals negativ behafteten Tom Hanks die Verfilmung eines der erfolgreichsten Bücher der letzten Jahre. Als 2006  Sakrileg – The DaVinci Code in die Kinos kam löste der Film einen rigorosen Boom aus. Überall ging es um Verschwörungen, Illuminaten, Freimaurer und die Geheimnisse der Kirche. Ein Trend der sich einige Zeit hielt und erneut aufkochte, als die Fortsetzung Illuminati (eigentlich ein Prequel) über die Leinwände flimmerte. Da verwunderte es schon, dass die nächste Dan Brown-Verfilmung stolze acht Jahre auf sich warten ließ. Doch nun ist sie ja endlich da: Inferno, in dem der Harvard-Professor Dr. Robert Langdon erneut in den Bannkreis der Geheimnisse gerät.

Diesmal macht dem Symbologen allerdings eine moderne Bedrohung zu schaffen. Ein exzentrischer Milliardär (Ben Foster, der wie so oft auch in dieser Großproduktion verschenkt wird) will in Kürze ein todbringendes Virus freisetzen, was 50% der Weltbevölkerung auslöscht. Damit will dieser die Zukunft der menschlichen Spezies sichern(Stichwort: Überbevölkerung). Wie Langdon da mit drin hängt? Das weiß er selbst nicht, denn er erwacht mit Amnesie in einem Krankenhaus in Florenz, geplagt von alptraumhaften Visionen und wird kurze Zeit später schon gemeinsam mit der  Ärztin Dr. Sienna Brooks (Oscar-Preisträgerin Felicity Jones) von einer Auftragsmörderin gejagt.

Diese ist allerdings scheinbar nicht die einzige Gefahr für Langdon und seine Gefährtin, denn wie bei Sakrileg – The Da Vinci Code hatten gleich mehrere Parteien hinter dem Professor her und wer davon nun wirklich eine Bedrohung ist, erweist sich als treibende Kraft hinter der Inferno-Verfilmung. Es ist ein klassischer Aufbau, der alles beinhaltet was man für einen unkomplizierten Thriller braucht: Jäger und Gejagter, Zeitdruck, ominöse Figuren und ein unkomplizierter, sympathischer Held. Doch diese Ingredienzien vermischt Howard zu einem  geschmacksneutralen Ergebnis.

Die Hatz nach Langdon verkommt zu einem wenig ergiebigen Erledigungs-Prozess. Wie von den Vorgängern gewohnt wird ein historisches Setting nach dem anderen besucht, untersucht und schließlich wieder verlassen – meist mit den Verfolgern im Nacken. Das war bereits bei Sakrileg – The DaVinci Code  unglaublich repetitiv und das ist auch bei Inferno so, der sich teilweise wirklich wie eine Art Reboot der ersten Dan Brown-Verfilmung anfühlt. Da sitzt man im Kino und im Prinzip wird einem die selbe Sauce wie 2006 und 2008 aufgetischt. Kein Wunder, dass Robert Langdon unter Amnesie leidet, ansonsten wäre ihm wahrscheinlich aufgefallen, dass er im Grunde jetzt schon zum dritten Mal das selbe macht. Selbst die Wendungen in Inferno kommen einem seltsam bekannt und abgestanden vor.

Wie bereits die Vorgänger weckt Inferno den Eindruck, hier war das Ziel nicht ein kundiges Genre-Publikum zu bedienen, sondern eben diejenigen, die die Romane einst im Urlaub am Strand verschlangen. Das rechtfertigt aber  nicht dieses gestrige und unergiebige Narrativ, was der Film nutzt. Was im Buch zu funktionieren scheint, wird im Film eben gerne mal zum tonnenschweren Stolperstein und es ist fast schon etwas ärgerlich, dass Ron Howard und sein Drehbuchautor David Koepp auch beim dritten Mal ohne sonderliche Raffinesse Robert Langdon durch Europa scheuchen. Wobei Inferno auch seine Momente besitzt, in denen er sich aus seiner gerontologischen Starre befreit: Die Altraumvisionen von Langdon hat Howard wirklich sehr hübsch eingefangen. Wie ein zum Leben erwecktes Bild von Hieronymus Bosch. Es ist furchterregend wie anti-klimatisch sich der Rest des Films dazu verhält.

Inferno startet am 13. Oktober 2016 in den deutschen Kinos.