Kritik: John Wick: Kapitel 2 (US 2016)

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Do you want a war, or do you give me a gun?

Wer 2014 John Wick im Kino sah, konnte es vielleicht vernehmen. Das Geräusch eines Herzschlags, das Pochen von Keanu Reeves Karriere, die sich mit dem Actionfilm aus dem Grab zurück meldete. Überraschend war das nicht. Der Film von den Regiesseuren Daid Leitch (der nun die Deadpool-Fortsetzung inszenieren soll) und Chad Stahelski hätte gut und gerne auch direkt als DVD das Licht der Welt erblicken können, alleine von der Prämisse des Films wäre sie dort gut aufgehoben gewesen. Doch es kam – zum Glück – anders und der simple allerdings erstklassig inszenierte erste Teil durfte von den Leinwänden reflektiert werden. Damit erwachte die Erinnerung, dass Reeves nicht nur als Slacker- sondern auch als Action-Held eine gute Figur macht.

Zu verdanken hat er dies seiner Präsenz, aber auch den John Wick-Machern, die mit dem Film zwar einen stupiden und hemmungslos überzeichneten Bulldozer von Film erschufen, diesen aber auch mit einer hochgradig faszinierenden Welt ausstatteten. Der Titelheld agierte hier nicht nur als Profi-Killer, der sich mit der Russenmafia anlegte, sondern eben auch in einem Universum, dass wie ein lautloser Schatten über unserer Realität schwebt. Es ist letztlich genau das, was ein Sequel zu John Wick spannend macht. Kapitel 2 ist natürlich auch eine Einladung für weitere und noch aufwendigere Actionszenen, in denen Kopfschüsse im Takt der Frames ausgeteilt werden, aber eben auch eine Schlüssel, diese mysteriöse Welt der Killer, Gangster und anderen Halbweltgestalten, noch etwas näher kennen zu lernen.

Tatsächlich hält Regisseur Stahelski sein Versprechen und führt seinen Titelhelden und mit ihm auch das Publikum tiefer in diese Schattengesellschaft ein. Die gezeigten Erweiterungen gesehenen zwar meist in etwas fauler „Ach ja, da wäre noch was“-Manier, stören tut das aber nur marginal, denn John Wick: Kapitel 2 bietet wie der Vorgänger wieder grandiose, harte und stilistisch sauber choreographierte Actionsequenzen, den Genre-Fans freudig stimmen werden. Dabei wird nicht nur der Härtegrad noch einmal dezent erhöht, auch der comichafte Charakter wird wesentlich besser als noch im Vorgänger zelebriert. Gemeinsam mit dem punktuellen Realismus ergibt sich eine faszinierende Melange , die dem Sequel auch dabei hilft über arg zähe Szenen hinweg zu helfen. Ja, auch Teil 2 lässt sich Zeit,bis die Projektile durch die Luft rasen, jedoch wirkt der Einstieg,, alleine durch die Tatsache,dass Reeves‘ Figur kein Unbekannter mehr ist, um einiges galanter und schwungvoller. Der Held muss eben nicht mehr vorgestellt werden, was den Weg frei macht, für eine Erweiterung der Wick’schen Arbeitswelt.

Regisseur Stahelski hat mit der Fortsetzung den Vorgänger klar übertrumpft. Sein Handwerk, er war jahrelang Stuntkoordinator, scheint er hier noch einmal leidenschaftlicher und offensiver ausleben zu können. Er inszeniert die Schusswechsel wie einen Tanz und variiert diesen von Szene und Szene. Ja, die Tanzschritte bleiben stetig gleich,genau so der Rhythmus,  aber er findet in den Settings immer wieder unverbrauchte Ansätze. Für Fans des  Genres, wird es dieses Frühjahr wohl keine bessere Alternative geben und das Ende des Films deutet bereits einen vielversprechenden Nachfolger an.

John Wick: Kapitel 2 startet am 16. Februar 2017 deutschlandweit in den Kinos.