Kritik: Kong: Skull Island (US 2016)

© Warner Bros.

He’s not an enemy. He’s a God.

Der Versuch eine amerikanische Godzilla-Version zu realisieren, die sich klar an den Tonus des Original hält und dennoch das heutige Blockbusterpublikum begeistert, wurde zwiespältig aufgenommen. Der Erfolg reichte aber wohl aus, um nicht nur ein direktes Sequel auf die Beine zu stellen (Godzilla: King of Monsters soll 2018 in die Kinos kommen), sondern gleich ein eigenes Monster-Universum zu genieren. Was es in Japan also seit vielen Jahrzehnten gibt, soll nun auch in Hollywood Realität werden. Irgendwann wird Godzilla dann neben oder gegen die Riesenmotte Mothra oder King Kong kämpfen. Letztere wird nun von der Leine gelassen in Kong: Skull Island.

Wie bereits der Titel suggeriert liegt der Fokus bei diesem Riesenaffen diesmal nicht auf die Entführung einer weißen Frau und auch New York bleibt der Geschichte fern. Das Darstellergespann rund um Brie Larson, Tom Hiddleston, John Goodman und Samuel L. Jackson ist die meiste Zeit wirklich nur auf dieser mysteriösen Insel unterwegs, auf der nicht nur Kong haust, sondern auch andere gigantische Tierwesen, die nicht alle so harmlos sind, wie etwa die gigantischen Wasserbüffel, die ein eigenes Ökosystem auf ihrem Buckel spazieren tragen. Im Grund präsentiert uns Regisseurs Jordan Vogt-Roberts einen Reiseführer querfeldein in die Insel der Möglichkeiten. Das hat seine Reize und auch seine Oho-Momente, letztlich legt der Film aber vor allem auf eines wert: Monsteraction und davon bietet Kong: Skull Island wahrlich genug.

Inszeniert sind diese Scharmützel weitestgehend recht ansehnlich. Natürlich sind es CGI-Schlachten und manchmal kann die recht hohe Effektqualität nicht ganz gehalten werden, aber da der Film sich seiner Prämisse stets bewusst ist und er diese auch gar nicht erst versucht zu vertuschen, hat Skull Island etwas inne, was vielen Blockbuster heutzutage fehlt: er hat Charme und verfügt über die Lust realitätsfernen Gigantismus zu zelebrieren und dies auf unkomplizierte Weise. Natürlich, die Botschaft davon, dass der Mensch das wahre Monster ist, wird hier genau so aufgetischt wie allerlei charaktergebundene Klischees. Wirklich stören tut das aber nur dann, wenn man als Zuschauer immun gegen das zur Schau gestellte Biotop ist, das Jordan-Roberts visuell immer wieder herausragend einfängt. Hilfreich dabei ist vor allem die Tatsache, dass Kong: Skull Island ohne falsche Scham sich an Stilmitteln des Vietnam-War-Chic bedient und diese immer wieder mit bunten Money Shots und heroischen Posen kreuzt.

Dagegen wirken die Figuren erwartungsgemäß eher blass und dass die Geschichte im Mittelteil auf drei Gruppierungen aufgeteilt wird, macht dem Film vor allem im Pacing und der narrativen Entfaltung zu schaffen. Der eher zweckmäßige und oft recht unharmonische Schnitt sorgt ebenfalls dafür, dass Kong: Skull Island des Öfteren ins Stolpern gerät. Dank der guten Actionszenen, seiner visuellen Raffinesse und John C. Reilly, dessen Rolle ein klares Highlight des Films ist und diesem sogar einen emotionalen Fixpunkt gibt,sorgen aber dafür, dass der Riesenprimat niemals wirklich umfällt. Wer in diesem Kinofrühjahr für zwei Stunden in eine faszinierende Welt voller Spektakel entführt werden will, sollte diesem Kurztrip eine Chance geben.