Kritik: Monster Trucks (US 2016)

© Paramount

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So, you’re not stupid?

115 Millionen US-Dollar. Das ist nicht das Budget von Monster Trucks, das wahrscheinlich etwas höher ausfällt, sondern die von Paramount erwartete Verlustsumme, die der familiengerechte Actionfilm dem Studio wohl einbringen wird. Vor ein paar Jahren sah das noch anders aus. Da sollte der erste Live-Action-Film von Animationsregisseur Chris Wedge, dem Erfinder von Ice Age, für Paramount ein neuer Goldesel werden. Eine Art Transformers-Epigon wurde angekündigt und dass die Interaktion zwischen realen Darstellern und am Computer erschaffenden Figuren so gut wie noch nie aussehen sollte. Käme der Film nicht im Januar 2017, sondern 20 Jahre früher, mag sich zumindest das letzte Versprechen zu bewahrheiten. Doch nach Filmen wie Der Herr der Ringe oder Planet der Affen: Prevolution, wirkt die Zusammenführung von CGI-Charakter und menschlichen Darstellern wie altbekannter Standard. Ein Standard der hier nur noch lust- und inspirationslos vorgetragen wird.

Aber worum geht es  eigentlich in Monster Trucks. Zwar soll der Film aus einer bekannten Trickserie basieren, die scheint ihren Zenit aber wohl schon seit längerem überschritten zu haben und erreicht von der eigenen Franchise-Power zu keiner Zeit den Stellenwert der Transformers, die ja bereits lange vor ihren ersten Krawall-Kinoauftritt die Kassen füllten.
Also gut, die Handlung in aller Kürze:

Ein All-American-Boy entdeckt auf einem Schrottplatz ein Alien, dass von einem bösen Konzern gejagt wird. Das Alien versteckt sich in seinem Truck und er der Held findet heraus, dass das Alien diesen ganz wunderbar antreiben kann, wie ein Motor. Da passt es auch, dass sich das Wesen von Öl ernährt. Gemeinsam mit einigen Freunden versucht der  Held nun den Außerirdischen vor seinen Häschern zu retten.

Das alles liest sich nicht nur äußerst krude, dass ist es auch. Die Geschichte von Monster Trucks wirkt trotz aller phantastischen Elemente unglaublich simple und reizlos zusammengeflickt. Die Karteikarten, auf denen die Geschichte geplant wurde, sind förmlich auf der Leinwand zu sehen. Hätten sich die Macher mehr darauf verlassen, das Naive der Handlung in den Vordergrund zu stellen, die Chance wäre existent gewesen, dass der Film als kindliches Vehikel Spaß machen würde. So aber belädt sich Monster Trucks selbst mit so viel Ballast aus falsch eingeführten Figuren und damit einhergehenden Versprechungen, dass schnell der Keilriemen reißt.

Das Schöne dabei: Das Versagen des Films auf diversen Ebenen schürt gleichzeitig auch einen unfreiwilligen Unterhaltungswert. Wenn Meredith (Jane Levy, Evil Dead) immer wieder von ihrem Vater erzählt, ohne den die Handlung im Sande verlaufen würde, man den werten Herren aber nie zu Gesicht bekommt, ist das schon irgendwie recht amüsant. Gleiches gilt für ihre eigene Figur. Meredith himmelt den Helden des Film (Lucas Till, X-Men – Erste Entscheidungen) so konsequent an, obwohl dieser ihr mehr als offensichtlich zu verstehen gibt, dass er nicht an ihr interessiert ist. Die Rolle der gutgläubigen Gefährtin ist gewiss nicht frei von anti-feministischen Tendenzen, wie Monster Trucks diese aber einsetzt, so keck und frei von jedwedem Interesse an Vielschichtigkeit, ist stellenweise einfach nur köstlich, auch wenn er damit ein Weltbild vermittelt, dass in einem modernen Film eigentlich nichts mehr zu suchen hat.

Wobei modern? Monster Trucks ist eigentlich seit drei Jahren fertig. Paramount verschob den Start immer wieder und jetzt, wo er endlich das Licht der Welt erblickte, wird auch klar, warum das Studio Chris Wedges Werk so lange unter Verschluss hielt: Die Geschichte ist kindlich ohne sich dem Spaß am Infantilen wirklich hingeben zu wollen, die Figuren sind katastrophal charakterisiert, die Action dürfte selbst für junge Zuschauer einschläfernd wirken und die Logik macht mehr Bruchlandungen als ein betrunkener Evil Knevel. Dieses Desaster anzusehen ist furchtbar und amüsierend zu gleichen Teilen. Nach der Pressevorführung wurde diesem Versagen sogar mit etwas Beifall gehuldigt. Wirklich helfen tut das Monster Trucks aber nicht.

Monster Trucks startet am 26. Januar 2017 in den deutschen Kinos.