Kritik: Spider-Man: Homecoming (USA 2017)

© Sony Pictures

Patience.

Mit seinen ersten beiden Filmen Clown und Cop Car konfrontierte er adoleszente Figuren mit schier unüberwindbaren Gewalten. Gemeint ist Regisseur Jon Watts, der nun das zweite Kino-Reboot der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft inszenierte. Schaut man sich seine vorangegangen Werke an, so entwickelt sich durchaus ein Interesse für seinen Spider-Man, immerhin ist dieser unter den bekannten Superhelden zweifellos derjenige, dessen Jugendlichkeit, neben seinen Kräften, eines der größten und wichtigsten charakteristischen Merkmal ist. Leider erweist sich Watts aber bei seiner ersten großen Hollywood-Produktion mehr als ein Handwerker. Die Rohheit und den Nihilismus seiner anderen Filme sucht man in Spider-Man: Homecoming vergebens. Das ist schade und dennoch liefert Watts hier gut geschmiertes Blockbuster-Kino ab.

Da Sony, die die Rechte an Spider-Man besitzen, hier erstmals mit den Marvel Studios gemeinsame Sache gemacht haben, fügt sich der Film nicht nur narrativ in das Marvel Cinematic Universe ein, sondern auch visuell. Zum Glück interessiert sich der Film aber mehr beiläufig um die Integrierung Spider-Mans in den Avengers-Stammbaum. So funktioniert Spider-Man: Homecoming auch losgelöst davon, borgt sich aber die eine oder andere Schwäche. So sind die Actionszenen sind allesamt ansehnlich, sauber getrickst und durchaus mit Ideen gesegnet, doch Momente, die sich wirklich mit Wows und Ohs in den Erinnerungen festsetzen, sind rar gesät.

Dafür bietet der neue Spider-Man etwas, was vielen Superhelden-Filmen der letzten Jahre fehlte: ein Schurke mit Profil. Michael Keaton verkörpert diesen und tatsächlich gelingt es hier endlich einen Widersacher zu generieren, der passt und mehr ist als eine leere Hülle. Der spitzbübische Spider-Man hat mit Vulture einen Kontrast, der stimmig und spannend ist und dies sogar außerhalb halsbrecherischer Actionszenen. Tatsächlich bietet Spider-Man: Homecoming seinen besten Moment in einem Auto, wenn Held und Antagonist ohne Masken und Kräfte sich gegenüber sitzen. Genau dieser Moment ist es auch, der Homecoming im letzten Drittel einen wohligen Bruch beschert. Bis dahin war der Film weit davon entfernt mehr zu sein als eine unterhaltsame, aber auch recht unbefriedigende Ansammlung von Referenzen an John Hughes Filme, Effektszenen und Geschnatter von Spider-Man.

Was Homecoming beim Schurken gut macht, versaut die Produktion dafür mit seinen weiblichen Figuren. Die sind leider allesamt langweilig, austauschbar und wenig ergiebig. Hier schludert das Script enorm. Gerade Tante May, die hier von Marisa Tomei gespielt wird, verkommt zu einer dramaturgischen sowie charakteristischen Luftnummer und das obwohl sie doch eigentlich im Leben des Peter Parker die wohl wichtigste Person ist. Das haben die anderen Spider-Man-Filme weitaus besser gelöst. Dafür befreit sch aber Spider-Man: Homecoming vom Ballast der Origin-Story. Hier gibt es keinen Onkel Ben, verschwundene Eltern oder alles verändernde Spinnenbisse. Dies alles wird (wenn überhaupt) mit einem Nebensatz abgefrühstückt. Das ergibt Für und Wider. Zum einen ist es schön, dass Homecoming ohne diesen Ballast in Sachen Narration flott und vital wirkt, andererseits fehlt dem Film somit durchaus eine dramaturgische Füllung.

Bleibt noch Spider-Man selbst übrig. Diesmal verkörpert von Tom Holland, der im Gegensatz zu Tobey Maguire und Andrew Garfield wirklich noch bubenhaft wirkt. Hollands Spidey dürfte einigen vielleicht etwas zu sehr auf der Meta-Ebene behaftet sein und auch wenn die große Klappe klar zur Figur dazu gehört, so übertreibt es diese Spinne hin und wieder doch etwas mit seiner Kommentierung. Dennoch hat Sony und Marvel mit Holland einen wirklich guten und enorm passenden Darsteller gefunden.

Fazit: Peter Parker schwingt, springt und spinnt sich wieder durch New York. Dabei erinnert dieser Spider-Man von seinem losen Mundwerk her an Deadpool, ohne dessen Härte und Meta-Fixierung. Alles in allem ein gut geschmierter Superhelden-Film mit etwas zu viel Augenzwinkern, (endlich mal) einen brauchbaren Schurken und teils wirklich gut pointierten Szenen. Unterhaltsam und wahrscheinlich ein waschechter Hit, wenn da nicht die MCU-Übersättigung wäre. Wer vom MCU also die Nase voll hat, wird hier garantiert nicht bekehrt.

Spider-Man: Homecoming startet am 13. Juli 2017 in den deutschen Kinos