Kritik: Stolz und Vorurteil & Zombies (USA, UK 2016)

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My daughters are trained for battle, sir, not the kitchen.

Eine scherzhafte Regel der Unterhaltungsindustrie besagt „Everything is better with Zombies“. Egal welches Genre, egal welches Medium, einfach ein paar Zombies hinzufügen und schon verwandelt man einen alten Hut wieder in den heißesten Scheiß. Und ja, manchmal funktioniert diese Regel auch wunderbar, wie beispielsweise das herrlich absurde Comic-Schlachtfest der „Marvel Zombies“-Serie beweist, in der sich die Aushängeschilder des Comic-Giganten gegen Zombiehorden erwehren müssen. Auch in Videospielen kann eine Zombie-Komponente altbekannten Spielen (paradoxerweise) neues Leben einhauchen, wofür wohl das Zombie-DLC „Red Dead Redemption: Undead Nightmare“ ein gutes Beispiel sein dürfte. Manchmal scheint es jedoch, als wäre die Idee zu einem Zombie-Crossover im Laufe einer durchzechten Nacht gekommen, wie im Falle von Seth Grahame-Smiths Parodie-Roman „Stolz und Vorurteil & Zombies“. Grahame-Smith „zombifizierte“ Jane Austens klassischen Roman aus dem Jahre 1813, durchsetzte ihn mit allerlei Pulp-Elementen und eroberte so die amerikanischen Best-Seller-Liste. Eine Idee zumindest in der Theorie so einfach wie bekloppt genial. Regisseur Burr Steers („17 Again – Back to High School“) hat nun „Stolz und Vorurteil & Zombies“ für die große Leinwand umgesetzt und trotz der launigen Prämisse einen erstaunlich unterhaltungsarmen Film erschaffen.

Es ist schade, dass „Stolz und Vorurteil & Zombies“ kein guter Film geworden ist, denn das Potenzial wäre durchaus vorhanden gewesen. Wenn aus den Bennet-Töchtern kampfkunsterprobte Power-Frauen werden, die sich neben dem fachgerechten Enthaupten von Untoten auch noch mit den gesellschaftlichen Zwängen ihrer Zeit herumschlagen müssen, dann scheint es so, als hätte man den leisen feministischen Grundgedanke aus Jane Austens Werk lautstark und großkalibrig weitergedacht. Doch Regisseur und Drehbuchautor Burr Steers weiß diese offensichtliche Steilvorlage nie richtig zu nutzen, verpasst die Chance aus dem der Horrorkomödie einen kritischen Mehrwert zu schlagen, der über die ohnehin schon vorhandenen gesellschaftskritischen Beobachtungen der Vorlage hinausgeht oder diese modern weiterdenkt. Denn trotz Muskelpower und Killerinstinkt bleiben die Bennet-Schwestern noch immer an das gleichen misogynistische System gebunden, das Zwangsheirat unterstützt und der weiblichen Eigenentscheidung kritisch gegenübersteht, ohne gegen dieses wirklich zu rebellieren. Obwohl dem Film insgesamt eine modernere Herangehensweise an die Thematik gut getan hätte, beleben die kampferprobten und im wahrsten Sinne des Wortes schlagfertigen Schwestern um Elizabeth Bennet (Lily James) das Filmgeschehen allemal.

Der Fairness halber muss dem Film jedoch zugestanden werden, dass es sich bei „Stolz und Vorurteil & Zombies“ nicht um eine kopflastige Gesellschaftsstudie handeln soll, sondern um einen reinen Unterhaltungsfilm. Das Problem dabei ist nur, dass der Film jedoch genau das versäumt, denn die „Mash-up“-Horrorkomödie kann weder als Komödie, noch als Horrorfilm richtig überzeugen und verschenkt ihr Potenzial irgendwo in den Grauzonen der Genregrenzen. Allzu lange ruht sich die Kostüm-Schlachtplatte auf der eigenen Grundidee des „zombifizierten“ Jane-Austen-Romans aus. Doch der skurrile Witz, in die Handlung eines literarischen Klassikers Zombies einzubauen, hat spätestens nach dem gelungenen Eröffnungsakt schnell an Reiz verloren. Regisseur Burr Steers wagt es letztlich nie, sich vollständig der eigenen Absurdität hinzugeben und versucht tatsächlich die klassische Geschichte um Liebe, Verrat und Eifersucht nachzuerzählen – nur eben mit Zombies. Doch letztlich können nicht einmal mehr die Untoten den dahinsiechenden Film retten, denn die Horrorelemente des Films werden nie organisch in die Handlung eingebaut, sondern verkommen zu einer bloßen Notwendigkeit der skurrilen Grundidee und werden lediglich für ein paar Splattereffekte und schnelle Lacher missbraucht.

Auch dem ästhetischen Empfinden ist mit einem Besuch des Films keinen gefallen getan, denn wer gehofft hat, einen von vorn bis hinten durchgestylten Trash-Film serviert zu bekommen, der zumindest durch seine Optik überzeugen kann, sollte seine Erwartungen lieber schleunigst herunterschrauben: Ganz egal ob Kostüm, CGI, Requisite oder Kampfchoreografie – „Stolz und Vorurteil & Zombies“ kommt stellenweise nicht über das Niveau einer besseren Fernsehproduktion heraus. Zudem scheint es so, als sei dem Produktionsteam während der Dreharbeiten allmählich das Geld ausgegangen, denn mit zunehmender Laufzeit nimmt sowohl die Qualität der Zombie-Masken als auch der CGI-Effekte merklich ab – was insbesondere das „große“ Finale zu einem unfreiwillig komischen Klamauk verkommen lässt.