Kritik: Taboo (UK 2017)

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„Fuck Nootka! Fuck wills, treaties. I’m the head of fucking state. And by the command of his majesty, kill him.“

Wir leben im goldenen Zeitalter der Fernsehserien. Diese Erkenntnis ist weder sonderlich innovativ noch in irgendeiner Weiße kontrovers – sondern schlichtweg die Wahrheit. Das Interesse der Zuschauer, die Budgets, die Beteiligung namhafter Regisseure und Schauspieler, alles steigt stetig in die Höhe. Welcher Blockbuster wird denn heutzutage noch so heiß erwartet wie die neueste Staffel von Game of Thrones? Und welcher Film wurde zuletzt so in den Himmel gejubelt wie es jährlich mit zwei bis drei ausgewählten Serien passiert? Ja, die Fernsehserie befindet sich aktuell auf einem Höhepunkt ihrer eigenen Geschichte – und hat diesen möglicherweise bereits überschritten.

Denn während einige Kreativköpfe die Möglichkeiten des seriellen Erzählens in der jüngeren Vergangenheit optimal ausgeschöpft und dem Format dadurch zu seinem Ruhm verholfen haben, entstehen im Fahrwasser des Erfolges nun immer mehr weniger ambitionierte und gelungene Projekte, die auf Teufel komm raus in ein acht- bis zehnstündiges Korsett gepresst werden. Ja, Serien bieten eine Vielzahl von Möglichkeiten all das auszuführen, was bei Filmen oft zwangsweise unter den Tisch fällt – blöd nur, wenn Geschichte und Figuren schon für eine zweistündige Erzählung zu uninteressant sind.

Taboo, die neueste Serie des Senders BBC One, schlägt genau in diese Kerbe. Liest sich das Projekt auf dem Papier noch mehr als vielversprechend, Tom Hardy als rachsüchtiger Halbindianer, der im viktorianischen London eine Spur der Verwüstung hinterlässt, so sorgt die Serie alsbald für einen faden Beigeschmack. Schon ab der zweiten Folge zeigt sich, das Showrunner Steven Knight kaum etwas mit seinem so stimmungsvoll eingefangenen Setting vorhat und mindestens ebenso wenig über seine Figuren zu erzählen hat. Da hilft es auch kaum, dass Tom Hardy wie eine brachiale Urgewalt auftritt und den Zuschauer dadurch schnell mit seinem irrsinnigen Charisma für sich einnimmt.

Optisch hat Taboo ohne Zweifel seinen Reiz, allein die dreckigen Gassen, Bordells und Hinterhöfe des viktorianischen Londons erzeugen eine dichte und glaubhafte Atmosphäre. Handlung und Figuren jedoch bleiben seltsam platt und unausgegoren, wandeln wie Fremdkörper durch das einnehmende Ambiente. Eine seltsame Traumsequenz hier, eine Verfolgungsjagd dort. Dazwischen kurze Gewaltspitzen und eine wirre Handlung, die entfernt an ein Katz- und Mausspiel erinnert, bei dem jedoch der Drehbuchschreiber selbst jeden Fokus aus den Augen verloren hat. Und das Ende? Das hängt merklich in der Luft, weil wie so oft auf eine zweite Staffel geschielt wird, obwohl doch schon diese hier viel zu wenig zu erzählen hatte.

Taboo ist seit dem 13. April auf Blu-ray und DVD erhältlich.