Kritik: Teenage Mutant Ninja Turtles 2: Out Of The Shadows (USA 2016)

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Why aren’t we going with the Turtles? When something bad happens, you want to be with the Turtles!

Nachdem Michael Bay mit Genuss und finanziell leider äußerst erfolgreich die Transformers-Serie in den Kreativ-Bankrott getrieben hatte, suchte sich Hollywoods Sprengstoffmeister 2014 ein neues Opfer der 80er-Jahre-Populärkultur: Mit gehörig CGI-Zunder beförderte Produzent Michael Bay die ikonischen Ninja Turtles unter der Regie von Jonathan Liebesman aus ihrer filmischen Vergessenheit wieder zurück auf die Leinwand. Zwar war das Turtles-Reboot ein filmischer Rohrkrepierer und eine Enttäuschung für alle Oldschool-Fans der Riesenschildkröten, erwies sich aber an den Kinokassen als erfolgreich genug, um eine obligatorische Fortsetzung spendiert zu bekommen. Mit Dave Green („Earth To Echo“) auf dem Regiestuhl sollte nun alles besser werden, denn der Regisseur bezeichnete sich nach eigenen Aussagen als großer Verehrer der mutierten Ninja-Reptilien – eine Aussage, die man nach der Sichtung des Films nur anzweifeln kann – und plante zudem Fanlieblinge wie die überdimensionierten Dumpfbacken Rocksteady und Bebob, Oberfiesling Krang oder den durchgedrehten Wissenschaftler Baxter Stockman in die Fortsetzung einzubauen. Doch trotz aller Besserungsversprechen können die Turtles auch mit „Teenage Mutant Ninja Turtles 2: Out Of The Shadows“ nicht aus dem Schatten ihres missratenen Vorgängers treten. Obgleich das Wiedersehen mit lieb gewonnenen Figuren aus dem Turtles-Universum dem Zuschauer einen kurzen nostalgischen Schauer verpassen mag, wird die Gewissheit um massig verschenktes Potenzial dadurch nur umso eklatanter, denn kaum eine der neuen Mitstreiter mag wirklich zu überzeugen. Was bleibt sind fast zwei Stunden nicht enden wollendes Getöse, Pimmelwitze und ein schrecklich chaotisches Handlungsgerüst.

Ok, man will ja nicht nur nörgeln, es gibt auch gute Seiten an „Teenage Mutant Ninja Turtles 2: Out Of The Shadows“. Meist sind diese „guten Seiten“ absolut überdrehte Action-Sequenzen, die Logik und Verstand aushebeln und sich dem puren CGI-Effektgewitter-Schwachsinn hingeben. Eines der besten Beispiele dafür ist wohl die großartig abgedrehte Flugzeugschlacht, in der ein mutiertes Warzenschwein, ein durchgedrehtes Nashorn und ein sehr risikofreudig eingesetzter Panzer eine wichtige Rolle spielen. Spätestens, wenn diese spaßige Idiotie ohne merkliche Pause vom Luftraum in ein reißendes Flussbett verlagert wird, ist fast vergessen, wie unverschämt krampfhaft diese Sequenz eingeleitet wurde oder wie wenig Relevanz dieses abgedrehte Action-Feuerwerk auf den Rest des Filmes hat. Wie die meisten anderen Action-Sequenzen in „Teenage Mutant Ninja Turtles 2: Out Of The Shadows“ sind diese als Einzelszenen zwar ganz gut verträglich, wirken von der Gesamtheit des Films aber doch irgendwie losgelöst. Wer hier wem wann und wo ordentlich auf die Rübe haut, hat man spätestens nach fünf Minuten Non-Stop-Over-the-Top-Action schon wieder vergessen. Die Handlung bleibt dabei lediglich Gerüst, das schnellstmöglich von Action-Schauplatz zu Action-Schauplatz führen muss, auch wenn darunter das filmische Fundament sehr stark leiden muss. Leider besitzt lange nicht jede Action-Sequenz den Unterhaltungswert der Flugzeug-/Panzer-Schlacht und kann die eklatanten Lücken in der Handlung vergessen machen.

Wie schon im ersten Teil fällt auch dieses Mal wieder die Übersexualisierung von Megan Fox als Investigativ-Reporterin April O’Neil unangenehm auf, zumal der Film ansonsten einen recht jugendgerechten Grundton besitzt und damit seine Zielgruppe wahrscheinlich im Rahmen der 7-14 Jährigen suchen dürfte. Megan Fox als „Eye-Candy“ für die in die Kinosäle gezwungenen Väter? Eine unangenehme Vorstellung, aber wahrscheinlich die zutreffende Rollenbeschreibung für ihre „Figur“. Denn anders als im ersten Teil, als Megan Fox (aufgrund von mangelnder Persönlichkeit unpassenderweise) Dreh- und Angelpunkt der Geschehnisse war, ist April O’Neil im Sequel nur noch eine Nebenfigur von vielen und hat als einzige Aufgabe, durch ihren äußerlichen Reiz aufzufallen. Zu den unpassenden Anzüglichkeiten und der stetigen Übersexualisierung, die die Figur der toughen Reporterin im gelben Ganzkörperanzug schon vom Grundsatz her zerstören, gesellen sich noch ein paar andere fragwürdige Momente, die dem Zuschauer von Warzenschwein Bebop und Nashorn-Mutant Rocksteady geboten werden. Denn diese sind sich nicht nur für keinen schlechten Witz zu schade, sondern bringen auch noch eine Note Infantil- und Fäkalhumor in das Franchise. Ja, der erste Teil ließ den Turtles-eigenen Witz vermissen, aber Rocksteady und Bebob die humoristische Grundnote des Films diktieren zu lassen, kann nicht die Antwort sein. Richtig skurril wird es, wenn die beiden mutierten Hohlbirnen nach geglückter Mutation als erstes Mal ihr „bestes Stück“ in Augenschein nehmen und zufrieden feststellen, dass wohl auch dieses die Mutation erfolgreich überstanden hat – Eine Szene, dermaßen fehl am Platz, dass man sich fragt, ob das gerade wirklich passiert ist.

In „Teenage Mutant Ninja Turtles 2: Out Of The Shadows“ bekommen endlich auch die Turtles mehr Leinwandzeit, doch leider wissen die Drehbuchautoren Josh Appelbaum und André Nemec nichts mit dem neu gewonnenen Freiraum anzufangen. Es wird die Chance vertan, den vier Brüdern eine Persönlichkeit zu verpassen, die über eine Charaktereigenschaft hinausgeht. Und auch die Entwicklung der Turtles als soziale Gruppe unterliegt der filmtypischen Entwicklung: Die intakte Gemeinschaft bricht durch einen Streit auseinander, der letztlich – und dies nicht zuletzt auch durch einige Glückskeksweisheiten von Meister Splinter – überwunden und der Feind bezwungen werden kann. Irgendwas läuft doch schief, wenn sich die Protagonisten als das langweiligste Element des Films entpuppen…

Fazit: Cowabunga fürn Arsch: Auch im zweiten Anlauf können die vier gepanzerten Mutanten-Schildkröten nicht überzeugen. Dave Greens „Teenage Mutant Ninja Turtles 2: Out Of The Shadows“ hat außer einigen gelungenen Action-Sequenzen nur verschenktes Potenzial zu bieten.