Kritik: The Comedy (USA 2012)

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© Bildstörung

I didn’t realize you were so funny!

Man kann teilweise kaum hinschauen, schüttelt sich, weil man von den Szenen angewidert ist und sich irgendwann am liebsten irgendwo in Sicherheit flüchten möchte. Es sind Gefühle, die so sonst nur von extremen Horrorfilmen erzeugt werden, doch Rick Alversons Werk ist ein Drama, mit dem noch dazu frech-provokanten Titel The Comedy.

Der Regisseur mutet dem Betrachter einen Blick ins momentane Williamsburg zu, der Hipster-Hochburg New Yorks, in der sich zwischenmenschliche Abgründe auftun. Die von Tim Heidecker grandios und beängstigend zugleich gespielte Hauptfigur ist ein 35-jähriger Mann, der mit dem Geld des im Koma liegenden Vaters täglich, und damit ist wirklich jeder Tag gemeint, durch die Gegend schlendert, auf einem Boot übers Meer schippert, Alkohol und andere Drogen konsumiert, mit Freunden abhängt, die charakterlich kaum besser zu ihm passen könnten und andere Menschen in seinem Umfeld mit ironisch gekünstelter Fassade wahlweise entwürdigt, auf Abstand hält oder zu sich zieht.

Alverson bildet ein drastisches Milieu ab, indem er komplett ohne zusammenhängenden Spannungsbogen Yuppies der Neuzeit zeigt, die mit einer dermaßen eiskalten Attitüde alles und jeden und sich selbst ins Lächerliche ziehen, kaum fähig sind, nur für fünf Minuten einer normalen Berufstätigkeit nachzugehen und selbst extremen Ereignissen mit unbeeindruckter Gleichgültigkeit begegnen, dass es einen regelmäßig erschaudert. Dabei kommt The Comedy ohne jegliche Form von Moral aus, sein Stil ist noch nicht mal ein mahnender Fingerzeig. Der Regisseur konzentriert sich stattdessen lediglich auf eine nüchterne Betrachtung bereits existierender Verhaltensweisen von Menschen, denen alles so egal geworden ist, dass sie die Leere und den angestauten Selbsthass kaum noch anders ausdrücken können als durch exzessiven Hedonismus, aufgesetzte Ironie oder ein erschreckendes Unvermögen für Empathie.

Das alles verpackt Alverson in Einzelszenen, die von bizarr-unsinnigen Konversationen, peinlich berührender Situations“komik“ und kleinen Eskalationen, wie zwei unfassbare Szenen in einem Taxi oder der Marihuana-Konsum mitsamt drastischer Folge und noch drastischerer Reaktion, lose zusammengehalten werden. The Comedy ist nicht immer einfach zu ertragen, auch wenn es vielleicht sogar gut möglich ist, dass man Teile des hier dargestellten Verhaltens wiedererkennen wird. Alversons Werk ist nichtsdestotrotz ein ungewöhnliches Novum innerhalb der amerikanischen Independent-Szene und unbedingt einen Blick wert.

The Comedy ist momentan nur als Import erhältlich.