Kritik: xXx – Die Rückkehr des Xander Cage (US 2016)

© Paramount

© Paramount

The Good, the Extreme and the complete Insane.

Sein wir ehrlich, die Karriere von Vin Diesel galt eigentlich schon als Tod, erst mit dem überraschenden Erfolg von Fast & Furious – Neues Modell, Originalteile konnte sein Name wieder an Wertigkeit am Box Office gewinnen. Eine Wertigkeit die mit den weiteren Teilen des Fast-Franchise wuchs und es Diesel erlaubte Flops wie Riddick – Überleben ist seine Rache oder The Last Witch Hunter seinem Publikum zu zumuten. Die ließ das kalt und warteten lieber, dass der charismatische Glatzkopf mit der markanten Stimme wieder aufs Gaspedal tritt.

Nun versucht es Diesel aber erneut sich abseits von der PS-Reihe, ,die er mittlerweile auch als Produzent betreut, zu profilieren und wie bei den eben genannten Filmen versucht er wieder ein zweites Franchise aufzubauen. Diesmal mit xXx – Die Rückkehr des Xander Cage, der nun mehr dritte Teil der Triple X-Reihe, die 2002 mit Diesel erfolgreich startete, nur um 2004 ohne Diesel (dafür aber mit Ice Cube) eine schallende Ohrfeige zu kassieren. Ob es ihm diesmal gelingt? Die Chancen stehen nicht schlecht. Zum einen waren die Trailer von den Klickzahlen enorm erfolgreich, zum anderen besitzt der erste Teil von Triple X unter Fans immer noch einen guten Ruf, auch wenn viele Kritiker dies gewiss anders sehen.

In  xXx – Die Rückkehr des Xander Cage erwartet uns genau dass, was bereits der erste Teil marktschreierisch anpries: Coole Typen, coole Action. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern hat Autor F. Scottt Frazier und Regisseur D.J. Caruso aber etwas in den dritten Teil implantiert, was den Vorgängern schmerzlich fehlte: Selbstironie. Es scheint fast so, als ob Diesel mit den Jahren gemerkt hat, dass die Over-the-Top-Coolness der Vorgänger so lächerlich und teils nervtötend waren, dass sie vermutlich in den Zeiten von selbstreferenziellen Blockbuster-Hits wie Deadpool schlicht hochnotpeinlich wirken. Gewiss kann darüber gestritten werden, ob Selbstironie für verkrampfte Überstilisierung wirklich das passende Antiseptikum ist, aber bei xXx – Die Rückkehr des Xander Cage funktioniert sie recht ordentlich.

Am Konzept des Films ändert es freilich herzlich wenig. Diesel ist auch im dritten Teil der Obermacker, der alles weiß, kann, versteht oder bewältigt. Umhüllt ist das von netten Actionszenen, die durchaus mit Ideenreichtum aber nicht immer mit einer gelungenen Umsetzung glänzen, einer Geschichte deren Zusammenfassung eigentlich nur bloße Zeitverschwendung ist und dem Kniff, dass Xander Cage diesmal eine Gruppe von Helden um sich herum positioniert. Eine Art xXx-Avengers, wenn man so will. Dennoch juckt der Teamgedanke herzlich wenig. Hauptsache Diesel darf seine Maskulinität zur Schau stellen.

Da überrascht es schon – auf positive Weise – dass  xXx – Die Rückkehr des Xander Cage es gelingt seinen Nebendarsteller Donnie Yen nicht zu verheizen. Der chinesische Superstar und Martial-Art-Experte, den man aktuell im Kino auch in Rogue One: A Star Wars Story sehen kann, spielt zwar schon die zweite Geige, diese allerdings laut genug, um neben Diesel bestehen zu können. Dafür wird zwar mit Tony Jaa ein anderer Kampfkunstexperte nur unbefriedigend vom Film genutzt, aber wenn man bedenkt wie viele asiatische Stars von Hollywood einzig und alleine für die Vermarktbarkeit in der östlichen Welt verramscht werden (Gruß an The Great Wall), überrascht es schon sehr, dass die Macher von xXx – Die Rückkehr des Xander Cage scheinbar wirklich wussten, wen und was sie an Donnie Yen haben.

Fazit: Vin Diesel entdeckt die Selbstironie. Dank dieser muss Teil 3 nicht auf die übertriebenen Attribute seiner Vorgänger verzichten und entschärft gleichzeitig deren Nervfaktor. Insgesamt ist der Film – welch Überraschung – nichts, was hätte sein müssen, wer aber Doof-Action sucht, wird hier bestens bedient.