Kritik: Yakuza Apocalypse: The Great War of the Underworld (JP 2015)

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There was a time when being a man meant being Yakuza.

Takashi Miike zählt unbestritten zu den extremsten und unkonventionellsten Filmemachern unserer Zeit. Das japanische Enfant-Terrible des Kinos hat sich in seiner jahrzehntelangen Regie-Karriere, beginnend Anfang der 90er Jahre, in einen regelrechten Rausch gearbeitet und Film auf Film abgedreht. Dabei ist es nicht nur die schwindelerregende Produktivität, die Miike auszeichnet, sondern auch sein ungeahnter Facettenreichtum, mit dem er durch die verschiedensten Genres wütet und beispielsweise unterhaltsame Kinderfilme schuf, aber auch rasende Splatter-Fantasien, die einem mit ihrer schrillen Absurdität gehörig den Kopf verdrehten.

Auch nach ungefähr hundert Arbeiten gibt sich der Regisseur so unermüdlich wie eh und je und zeigt lediglich geringe bis keinerlei Ermüdungserscheinungen. Der Bandenkrieg zwischen Yakuza-Banden ist eine Thematik, die nur zu gern in Filmen behandelt wurde. Bei Miike hingegen regiert wenig überraschend mal wieder der ganz normale Wahnsinn, bei dem er den Zuschauer wieder einmal in sein bizarres Paralleluniversum einlädt.

Hier gibt es Yakuza, die sich in blutlüsterne Vampire verwandeln. Oder einen Anführer in Gestalt eines schrägen Kappa-Dämons. Oder einen gefürchteten Terroristen, der in einem riesigen Frosch-Kostüm auftaucht. Oder eine weibliche Anführerin, der die Milch in Strömen aus den Ohren schießt. Oder… einiges mehr, das es selbst zu entdecken gilt.

Die Art und Weise, wie Miike jegliche Art schlüssiger Narration aushebelt und absurden Unsinn aneinanderreiht, sorgt mit den immer wieder herrlichen Ideen für großen Spaß und weit aufgerissene Augen. Hätte er dieses Kuriositätenkabinett auf maximale Kurzweiligkeit komprimiert, wäre dieses Werk wohl sein gelungenstes seit einigen Jahren, doch die Laufzeit von gut zwei Stunden verhindert das leider. Über diese doch üppige Länge hinweg ergeht sich der Regisseur nämlich ständig in Nichtigkeiten, die zudem minutenlang ausgewälzt werden. Mit einer Geschichte, die lediglich ein notdürftiges Gerüst darstellt und nie für übermäßige Spannung sorgt oder großes Interesse an den Figuren zeigt, erschöpft sich dieser Reigen des albernen Wahnsinns auch mal und macht den Film hier und da zur Geduldsprobe. Starke Straffungen hätten hier sicherlich Wunder bewirkt. So bleibt „Gokudou daisensou“ ein herrlicher Spaß mit groben Abstrichen, der für Fans des exzentrischen, eigenwilligen Japaners aber ohnehin ein Pflichtprogramm darstellen sollte.