Kurzfilm "Der andalusische Hund" (FR 1929) Kritik – Der Ursprung des Surrealismus

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‚Der andalusische Hund‘, der 1929 seine Uraufführung in Paris „feierte“, ging als erster Skandalfilm in die Kinogeschichte ein. Auch heute noch hat Luis Bunuels Avantgardefilm nichts von seiner Kraft verloren und schafft es, 83 Jahre später, immer noch die Leute ohne Halt in seinen völlig eigenwilligen, aber doch so anziehenden Bann zu reißen. Luis Bunuel wollte hier einen seiner Träume und einen Traum des Künstlers Salvador Dali verfilmen und verweben. Der Film selbst hat keinen linearen Handlungsverlauf und verknotet die Aufenthaltsorte wie Jahreszeiten nach Belieben.

Die berühmte Anfangsszene, in der einem Mädchen mit einem Rasiermesser das Augen durchtrennt wird, gehört zu den unvergesslichsten Momenten der Filmgeschichte. Heute wie damals brennt sich dieser Moment einfach in die Köpfe, denn so erschreckend und unerwartet er auftaucht, so eiskalt und unerschrocken verschwindet er wieder. Wir sehen zwei Menschen, die sich in ihrer Wohnung streiten und kurze Zeit später schon durch die Natur laufen um sich schlussendlich eingegraben am Strand wiederzufinden. Eine Hand, aus der Ameisen krabbeln, eine abgetrannte Hand auf dem Boden und ein Eselskadaver, der aus einem Piano hängt. Bunuel beschwört ein Spiel aus Licht und Schatten herauf, getaucht in klare schwarz-weiß Muster und unterstrichen von grandioser Tangomusik, oder den Klängen von Richard Wagner. Die Bilder belegen sich langsam mit einem blassen Schleier und verschmelzen in sich. Was bleibt ist nicht nur die bloße Verwirrung, sondern auch einige Interpretationsansätze, die in die Richtung der damaligen Weltansicht, den Werten der Menschheit und den auferlegten Normen zielte.

‚Der andalusische Hund‘ ist eine Vermischung aus schwarzer Realität und weißer Traumwelt. Alles verquirlt sich und wird gewürzt mit Emotionen, Begierde, Angst und Abscheu. Wir springen durch die Zeit, durch die Räume und Aufenthaltsorte, und sind am Ende eigentlich genauso schlau wie vorher, mit dem Unterschied, dass wir einen Kurzfilm zu sehen bekommen haben, der seiner Zeit Lichtjahre voraus war und für sein Entstehungsjahr 1929 nicht nur mutig und provakant war, sondern auch wegweisend für viele andere Regisseure mit surrealistischen Vorlieben. Als Cineast und Filmlieber sollte man diesen prägenden Kurz- und Stummfilm unbedingt gesehen haben. Er wird natürlich nicht jedem gefallen, genau wie die Filme von David Lynch, Alain Resnais oder Andrzej Zulawski ist auch ‚Der andalusische Hund‘ Geschmackssache, doch diese gut 18 Minuten sind keine verschenkte Zeit.

Hier könnt ihr euch den Kurzfilm anschauen: