"Lady Snowblood" (JP 1973) Kritik – Gut genug zum Klauen

„Her name was Kashima Yuki… known to some as Lady Snowblood.“

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Quentin Tarantino ist sicherlich ein Mann mit Geschmack. Dennoch bin ich immer wieder negativ überrascht, von welchen Filmen er sich inspirieren liess. Manchmal habe ich eher das Gefühl, dass er bestimmte Filme ganz mies findet und den Kinofans sagen will: „Seht her, so geht das.“

Einer dieser Fälle ist „Lady Snowblood“, der allgemein hoch gelobte Rache-Film von Toshiya Fujita. Es ist nicht so, als wäre der Film nicht mein Geschmack gewesen, viel schlimmer, er ist einfach schlecht. Angefangen mit der durchgehend amateurhaften Inszenierung. Wie soll denn eine Atmosphäre aufkommen, wenn man stets das Gefühl hat, der Kameramann hat absolut keine Ahnung von dem, was er da anstellt. Ein weiteres riesen Manko ist, dass stets erkennbar ist, dass der Film hauptsächlich im Studio gedreht wurde. Zu jedem Augenblick ist das offensichtlich, da stets erkennbar ist, wo das Studio anfängt und wo es aufhört.

Dazu gesellt sich eine langweilige Hauptdarstellerin, die den kompletten Film über ein und denselben Gesichtsausdruck besitzt und ein teils sehr nervtötender Score. Der Filmsong „Flower of Carnage“ ist jedoch genial. Das hat auch Tarantino erkannt und ihn perfekt in „Kill Bill“ zur Geltung gebracht.

Die Kritik an der zeitgenössischen Politik Japans ist zwar stets erkennbar und eigentlich auch sehr interessant, dabei jedoch absolut unspektakulär umgesetzt. Die Dialoge wirken hölzern, die Darsteller austauschbar, die Soundeffekte sind ein Graus. Das Geschrei des Babys beispielsweise ist nervtötend.

Dass es revolutionierend gewesen ist, die Hauptrolle von einer Frau spielen zu lassen, ist bemerkenswert, aber weiss den Film leider auch nicht mehr zu retten. Die Naturaufnahmen und Bluteffekte bleiben solide, aber auch letzteres wusste Tarantino viel besser auf die Leinwand zu transportieren.

Wie lange habe ich mich gefreut, Tarantinos Inspirationsquelle zu sehen. Ich bin gnadenlos enttäuscht worden. Interessanter politischer Hintergrund trifft auf belanglose Technik und Fights und eine irgendwo sehr haarsträubende Rache-Story. Die Fortsetzung werde ich mir sparen.

Bewertung: 3/10 Sternen