Kritik: Lady Vegas (USA 2012)

„Schnell verdientes Geld, ich werde dir alles erklären.“

null

Rebecca Hall hat in den letzten Jahren eine beachtliche Karriere hingelegt. Seit ihrem Auftritt in Christopher Nolans „The Prestige“ spielte die britische Schauspielerin unter der Ägide anderer erfolgreicher Regisseure wie Woody Allen und Ron Howard. Nun spielt sie die Hauptrolle im neuen Film der britischen Regie-Legende Stephen Frears, wobei es gerade dieser Film sein könnte, der Halls Karriere einen Dämpfer verpassen könnte.

Beth (Rebecca Hall) ist eine junge Frau, die als erotische Tänzerin ihr Geld verdient. Als sie keine Lust mehr darauf hat, zieht sie nach Vegas und lernt dort den Glücksspieler Dink (Bruce Willis) kennen, der sie ins Wettgeschäft einweist. Beth kann überaus gut mit Zahlen hantieren und kann Dink einige Gewinne bescheren. Als er plötzlich Geld verliert, schmeißt er Beth raus, die nun ihr Glück allein versucht.

Das ist die Geschichte und wem das nicht reicht, kann sich auch den Trailer ansehen, der die gesamte Handlung in kleinen Häppchen präsentiert. Was hängen bleibt, ist die Frage ob der Topos „Las Vegas“ nicht bereits zu genüge im Kinosaal beleuchtet wurde. Es gab unzählige Filme, darunter Meisterwerke wie „Casino“ von Martin Scorsese, und TV-Serien, dennoch hängt die amerikanische Filmindustrie am Mythos „Vegas“ und seinen Projektionen vom großen Geld und bunten Lichtern, auch wenn diese Projektionen an Leuchtkraft eingebüßt haben. Selbst im amerikanisierten Europa stellt man sich Vegas wenig glamourös vor, eher als Inbegriff der Dekadenz, als einen Ort an dem man mehr verliert als gewinnt. Das haben uns ja auch die Filme gelehrt. Wen wundert es da schon, dass wir uns schulterzuckend abwenden?

Somit ist es schwer zu erklären, wozu es einen Film wie „Lady Vegas“ überhaupt braucht. Das wussten die Produzenten wohl ebenso wenig und suchten händeringend nach Gründen das Publikum ins Kino zu locken. Die Besetzung liest sich schon mal sehr gut und erinnert an das Format der beliebten „Ocean’s“-Reihe. Wem Schauspieler nicht reichen, kann sich auch über den Credit des Regisseurs freuen. Zu guter Letzt holt Hollywood einen Doppeltrumpf aus der Tasche, der beim Publikum meistens sehr gut ankommt, die wahre Begebenheit und das Buch als Vorlage.

Rebecca Halls Figur Beth gab es wirklich und sie schrieb ein Buch über ihre Erlebnisse. Das klingt jetzt spannender als es in Wirklichkeit ist, denn eine ungewöhnliche Geschichte hat „Lady Vegas“ nicht zu erzählen und man kommt ins Grübeln, warum Beth Raymer überhaupt ein Buch darüber geschrieben hat, wenn es doch so wenig zu erzählen gibt, was man nicht sowieso schon kennt.

Umso eigenartiger ist der Ton des Films, der seinen Stoff trotzdem soweit fiktionalisiert, dass die reale Vorlage ganz schnell im Kinozauber verschwindet und man das Gefühl bekommt einen ganz normalen Vegas-Film zu sehen. Darüber hinaus wird kaum eine Figur in Frears Film lebendig, was auch daran liegt, dass man sie alle irgendwie schon mal in einem anderen Kontext gesehen hat. Sie bleiben Schablonen, kaum vorstellbar, dass es sie wirklich gibt. Besonders irritierend ist Rebecca Hall, die ihren Charakter überaus naiv und aufgesetzt spielt. Die Bewunderung der anderen Figuren Beth gegenüber ist kaum nachvollziehbar. Highlights wie John Carroll Lynch oder Vince Vaughn tauchen leider viel zu selten auf um das wieder wett zu machen. Zudem ist es schade, wie witzlos der Film ist, denn eigentlich müsste man „Lady Vegas“ an den Maßstäben einer Komödie messen und gerade die Dialoge von Autor DeVincentis wirken leider wie aus dem echten Leben. Sie sind banal und meistens nicht komisch. Das geht gar soweit, dass man das Husten im Kinosaal als Lachen missversteht.

Es fehlt der Verve und das Wagnis, eben auch mal der Blick in den Abgrund, den frühere Vegas-Filme hatten. „Lady Vegas“ ist zwar kein langweiliger Film, aber frei von jeglichen Höhepunkten oder Überraschungen. Die Besetzung ist gut drauf, aber gehörig unterfordert. Ja, Vegas City ist ein durchschaubarer Ort geworden, keine Schattenwelt wie früher, kein bunter Reigen menschlicher Gefühle mehr, sondern eine bloße Stadt mit Leuten, die Geld verdienen und es wieder verlieren, also so wie überall.

Bewertung: 3/10 Sternen