"Lars und die Frauen" (USA 2007) Kritik – Ryan Goslings ungewöhnliche Beziehung

„Ich bin von Zuhause weg so schnell wie ich konnte, doch ich hab dabei nie an ihn gedacht. Dann ziehen wir beide wieder hierher, glücklich und zufrieden, und was macht er? Er zieht in diese verdammte Garage wie der Familienhund und ich hab das zugelassen. Kein Wunder das er sich eine verlobte in einer Kiste bestellt.“

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Einsamkeit kann sich in vielen Bereichen des Lebens auswirken. Abschottung vom Wirklichen, Flucht vor der Realität, Schizophrenie oder schwere Halluzinationen. In Craig Gillespies Spielfilm ‚Lars und die Frauen‘ aus dem Jahre 2007 widmet er sich mit speziellem Fingerspitzengefühl einer Geschichte um einen Außenseiter mit schweren Einbildungen und inszeniert damit eines der schönsten und berührendsten Filmerlebnisse überhaupt. Ohne dabei auch nur Ansatzweise in flachen Humor zu enden.

‚Lars und Frauen‘ lebt zuerst von seinem ruhigen Erzählton. Dementsprechend angepasst sind auch der Schnitt und die Kamera. Kameramann Adam Kimmel setzt auf lange Einstellungen, unterstütz natürlich durch die ruhigen Schnitte. Immer an der richtigen Stelle mit der Kamera und ohne jegliche Hast verfolgt er das Geschehen rundum Lars und Bianca. Der berührende Soundtrack von David Tom tut auch hier gerade sein übrigens und untermalt die Grundstimmung des Films wunderbar. Zusammen ergibt das eine der wärmsten Atmosphären der Filmgeschichten die den Zuschauer immer wieder auf ihre herzliche Weise umarmt.

Mit Hollywood-Durchstarter Ryan Gosling hat der Film einen der talentiertesten Jungdarsteller unserer Zeit als Hauptdarsteller. Gosling schafft es in der Rolle des Außenseiters Lars zu jeder Zeit alle Emotionen beeindruckend auszuspielen und stiehlt so allen anderen ohne Probleme die Show. Das liegt aber natürlich auch daran, dass der Film voll und ganz auf ihn zugeschnitten wurde und Gosling ihn mit seiner Darstellung trägt. Neben Gosling können aber auch Paul Schneider, Emily Mortimer und Patricia Clarkson in ihren Rollen überzeugen. Den Schauspielern ist zu verdanken, dass wir uns als Zuschauer schnell mit der Puppe abfinden können und sie nach einer gewissen Zeit nicht mehr als das Ansehen was sie in Wirklichkeit ist.

‚Lars und die Frauen‘ hätte schnell in die lächerliche Filmsparte rutschen können. Liest man sich die Inhaltsangabe durch liegen diese Gedanken auch nicht fern. Die Geschichte bietet so natürlich auch genügend Ansätze um ins platte Komödien-Genre abzudriften, ausgestattet mit reichlich derbem Humor. Quasi ein perfekter Fall für die Farrelly-Brüder und Konsorten. Craig Gillespies beweist hier sein inszenatorisches Können. Er fasst die Geschichte mit den nötigen Samthandschuhen an und rutscht zu keiner Zeit in besagte Schlaglöcher. Nicht mal im Ansatz. Hier schafft er es wirklich mit Bravour die nötige Seriosität des Films und der Lage aufrecht zu halten. Das soll aber auch nicht heißen, dass man während des Films gar nicht schmunzeln kann. Natürlich, dafür ist die Situation an sich einfach zu skurril. Aber wenn ein Regisseur es schafft, eine Kussszene zwischen einer Sexpuppe und einem Mann so dermaßen gefühlvoll und berührend in Szene zu setzen, dass man für diesen Moment vollkommen vergisst das es nur eine Puppe ist, dann zählt das zur ganz großen Kunst.

Mit Lars bekommen wir mit einem unauffälligen Charakter zu tun. Lars ist der völlige Außenseiter. Er schließt sich von seiner Umwelt aus, hat keine Freunde und geht Gesprächen mit seiner Familie so gut wie möglich aus dem Weg. Auch Berührungen verabscheut er. Sie tun ihm weh. Jeder Blick in Lars traurige Augen verdeutlicht seine pure Einsamkeit. Völlig zurückgezogen in sich selbst. In seinem eintönigen Bürojob ist er unterfordert, wird aber genau auf die Idee mit der Sexpuppe gebracht. Was auf die anderen Bewohner der Stadt, samt Familie, natürlich völlig befremdlich und irre aussieht, ist für Lars das Normalste von der Welt. Lars ist hier allein durch seinen Blick immer wieder absolut mitleidserregend und der man wünscht ihm als Zuschauer nur das Beste. In seiner Puppe Bianca findet er wieder den nötigen neuen Halt, Stück für Stück kommt er mehr aus sich raus. Er fängt an zu leben und zu lieben, ohne dabei zu merken dass er eine Krankheit hat. Eine Krankheit die er alleine nicht bekämpfen kann und keinen Ausweg finden kann. Doch er bekommt Unterstützung von allen, sogar vom ganzen Dorf. Sie nehmen Bianca als Lars‘ Freundin an, behandeln sie wie einen echten Menschen und hoffen darauf, dass sich das „Problem“ nach und nach von selbst wieder in Griff bekommen wird. Doch die Situation entwickelt sich immer weiter und weiter. Lars ist völlig blind vor Liebe. Das Dorf und die Bewohner haben sich inzwischen mit Bianca abgefunden, längst in ihren Reihe aufgenommen und als Mitglied eingebaut. Doch wie soll sich die Lage ändern, wenn Lars nicht endlich wieder die Wahrheit erkennt und immer so weiterlebt? Bis eine Arbeitskollegin anfängt sich für ihn zu interessant und Lars langsam, so scheint es jedenfalls, die Augen öffnet. Die Geschichte nimmt ihren Lauf und Lars steht vor den schwierigsten Schritten seines Lebens.

‚Lars und die Frauen‘ ist also mit Sicherheit kein gewöhnlicher Film. Allein die Geschichte an sich bietet ihren skurrilen Zündstoff. Doch wir können uns mit Lars anfreunden, sehen in ihm die nötige Person an die wir uns klammern und mit der wir uns identifizieren können. Obwohl Lars längst in seiner eigenen Liebeswelt schwebt. Es kommt hier schon nicht mehr darauf an ob Lars den Weg zurück in die Realität findet. Die Frage die sich stellt ist wie er wieder zurück in die Spur findet. Wie wird er danach sein? Wird er überhaupt jemals wieder eine menschliche Frau finden? Das alles wird uns mit einer unglaublichen Menschlichkeit erzählt. Eine Menschlichkeit die sich zwischen Tragik, Schönheit und leisem Humor immer wieder abwechselt. Vor allem ist es hier die letzte viertel Stunde die mit einer unglaublichen Intensität ausgefüllt wird.

Fazit: ‚Lars und die Frauen‘ ist eine wundervolle und herzerwärmende Tragikomödie voller schöner, außergewöhnlicher und dramatischer Momente. Zu einem ganz besonderen Film wird ‚Lars und die Frauen‘ durch einen fantastisch aufspielenden Ryan Gosling, die ruhige Erzählweise, die zarte Inszenierung und nicht zuletzt durch den schönen Soundtracks. Ein Muss für alle Gosling-Fans und ein Tipp für Menschen, die sich gerne einer gefühlvollen und ungewöhnlichen Liebesgeschichte annehmen wollen.

Bewertung: 8/10 Sternen