"Last Boy Scout" (USA 1991) Kritik – Dreckige Action aus dem Hause Scott

„Ich kann mich gar nicht entscheiden wer von euch meinem Schwanz am ähnlichsten sieht.“

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Tony Scott und Ridley Scott. Zwei Brüder, zwei Regisseure und doch so unterschiedlich. Während Ridley Scott die großen Meisterwerke wie ‚Alien‘ und ‚Blade Runner‘ inszenierte und dazu noch mit Filmen wie ‚Gladiator‘ oder ‚American Gangster‘ erfolgreich durch die verschiedenen Genres sprang, wirkte Tony Scott nie wirklich vielseitig. Sein Metier ist das Actionkino und Ausflüge in andere Bereiche wie mit ‚True Romance‘ wollten nicht voll aufgehen. In den letzten Jahren konnte er allerdings auch nicht mehr mit seiner Action überzeugen und verlor sich in chaotischen Wackelkameraaufnahmen und aufgesetzter Style-Action. Doch das war nicht immer so und gerade im Jahr 1991 zeigte Tony Scott uns, dass er es wirklich drauf hat und einen guten Actionfilm drehen kann. Die Rede ist von Last Boy Scout und dem wohl besten Scott-Actioner.

Joe Hallenbeck ist Privatdetektiv, doch seine besten Jahre sind lang vorbei. Seinen glanzvollen Job als Bodyguard hat er verloren, die Ehe mit seiner Frau geht in die Brüche und seine Tochter hält ihn für einen Versager. Sein bester Freund weiß jedoch, was er an Joe hat und bittet ihm um einen Überwachungsjob. Der Job geht jedoch schief und die Frau, die er überwachen sollte, stirbt. Joe dringt immer tiefer in die dunklen Machenschaften rundum die Footballszene und zusammen mit dem einstigen Spieler Jimmy Dix ermittelt er nun auf eigene Faust gegen den Inhaber der L.A. Stallions. Dieser möchte nämlich das Glücksspiel legalisieren, doch einer der führenden Senatoren stellt sich ihm in den Weg und muss nun ausradiert werden. Einzig Joe und Jimmy können diese Pläne noch durchstreichen.

Bruce Willis war auf dem Olymp der Actionhelden gekommen und in der Blüte seines Erfolgs. Mit ‚Stirb langsam‘ spielte er sich in die Herzen und machte sich unsterblich. Verständlich ist es deswegen auch, dass Scott ihn gleich wieder in eine ähnliche Figur stopft, die sicher seine Paraderolle ist. Willis spielt den Detektiven Joe Hallenbeck mit seinem typischen knallharten Charme und spuckt einen Spruch nach dem anderen aus. Genau das, was man auch von ihm erwartet. An seiner Seite sehen wir Damon Wayans als Ex-Footballspieler Jimmy Dix. Wayans ist sicher kein guter Schauspieler, das hat er schon oft genug bewiesen, doch in die Rolle des Jimmy passt er und schafft es dem Sprücheklopfer sogar noch einen Hauch von Emotionalität einzuhauchen. Die weiteren Darsteller fallen kaum weiter auf und Gesichter wie Kim Coates, Halle Berry oder Danielle Harris sind eher Mittel zum Zweck.

Das schwarz-weiße Duo haben wir in der Vergangenheit schon oft genug gesehen. Beispiele wären wohl ‚Nur 48 Stunden‘ mit Eddie Murphy und Nick Nolte oder die fantastische ‚Leathal Weapon‘-Reihe, um nur einen kleinen Teil zu nennen. Neu war das 1991 also auch nicht mehr, doch es macht nach wie vor Spaß. Auch heute noch. Da hätten wir Joe Hallenbeck, ein ehemaliger Bodyguard vom Präsidenten, der diesem auch das Leben retten konnte und sich so quasi einige Fehltritte erlauben darf. Inzwischen ist der Glanz längst vergangen. Hallenbeck schläft im Auto, sieht aus wie ein Wrack und steckt sich eine Zigarette nach der anderen an. Im Umgang mit Menschen ist er auch nicht unbedingt zimperlich und wer sich nicht gut benimmt, kriegt seine Faust schnell zu spüren. In der Familie läuft es nicht mehr und jeder hält ihn für einen Loser und auch Hallenbeck hält sich selbst für ein riesiges Arschloch. Doch er weiß, was er tun muss und versucht es nach wie vor auf eigene Wege die Stadt und auch seine eigene zerbrochene Welt irgendwie sauber zu halten. Und auf der anderen Seite ist Jimmy Max, ehemaliger Profi, rausgeflogen wegen Glücksspiels und inzwischen Drogensüchtig. Seine Freundin stirbt vor seinen Augen, mit der Ex hat er nur noch wenig Kontakt und die Vergangenheit lässt ihn nicht mehr los. Sicher haben weder Joe noch Jimmy eine weiße Weste vorzuweisen, doch sie können den Zuschauer schnell auf ihre Seite ziehen und mehr müssen sie in diesem Fall gar nicht.

Tony Scott machte aus ‚Last Boy Scout‘ eine Action-Komödie, wie man sie nur mögen kann. Die rotzigen und gleichermaßen extrem komischen Sprüche, der zynische Humor und die politische Unkorrektheit, wie man sie heute nur noch selten zu sehen bekommt, machen einfach Laune. Natürlich kommt auch die Gewalt nicht zu kurz und Blut gibt es an allen Ecken und Enden. Stören könnten sich viele sicher an den Ausdrucksweisen der beiden Anti-Helden, die weder die Homosexuellen, noch die Frauen immer in ein gutes Licht stellen. Klingt nach oberflächlicher, aber spaßiger Action? Nicht unbedingt. ‚Last Boy Scout‘ besitzt hinter seiner Schale auch noch einen kritischen Grundkern, der in die Richtung der geldgeilen Bosse und Führungspersonen zielt, die für die großen Scheine jeden Weg gehen würden. Zwar ist Tony Scotts Inszenierung nicht immer voll auf den Punkt und ab und an holt er auch zu weit aus, doch das bügelt die gute Unterhaltung und der ironische, coole und sarkastische Ton des Films schnell wieder aus. Feinfühlig, zahm oder liebevoll geht es hier nicht zu, das sollte man von vornherein wissen. Wer jedoch Lust auf einen gradlinigen, düsteren und verdorbenen Actionfilm hat, der ist hier an der richtigen Adresse.

Fazit: ‚Last Boy Scout‘ macht Spaß, ist dreckig und durchzogen von herrlichen wie trockenen Sprüchen. Die groben Bilder, die knackige Inszenierung und das Darsteller-Duo machen einiges her und sorgen so für gute Unterhaltung, welche durchaus Lust auf eine Wiedersehen macht.

Bewertung: 7/10 Sternen