"Le Havre" (2011) Kritik – Die Welt ist so wunderbar

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Eine herausragende Kinematographie, einen wunderschönen Song, einen grandios aufspielenden André Wilms und einige gute Lacher (wobei die Besten erneut im Trailer verbraten wurden), viel mehr hat Kaurismäkis neuer Film nicht zu bieten. Eine naive Story, wobei das noch absolut untertrieben ist. An ein Märchen kann hier unmöglich gedacht werden, dazu fehlen zumindest die märchentypischen Stilmittel, und andererseits ist der Film viel zu politisch.

Zerstört haben den Film primär zwei Dinge: Zunächst einmal ist es unzumutbar, wie Kaurismäki mit der Zeit spielt. Die Zeit scheint wie stehen geblieben, alles erinnert an die Stadt Le Havre der 60er und 70er. Das Problem dabei sind die Details. Hier wird mit dem Euro bezahlt, dort mit Handys telefoniert. Was zum Teufel haben diese Dinge in diesem Film zu suchen?

Noch schlimmer jedoch, womit ich zum zweiten Punkt komme, ist die grausame, naive, politische Einstellung des Films. Frankreich wird als das Land der Wunder dargestellt, in dem todkranke Menschen innerhalb kürzester Zeit geheilt werden und sich Polizisten für schwarze Kinder bei der illegalen Einwanderung erbarmen. Auch hier wieder die Frage: Was haben aktuelle, soziale Probleme in einem zu Film suchen, der eigentlich vor einigen Jahrzehnten spielt?

Die Anspielungen auf die Nouvelle Vague und die malerischen Bilder sind natürlich allesamt ganz nett mitanzuschauen, jedoch retten sie das Blendwerk auch nicht mehr. Als Wahlfilmchen für die Linken (dabei tut es nichts zur Sache, welche politische Richtung der Film einschlägt) sicherlich zu gebrauchen, ein Werk, welches die sozialen Aspekte (Multikulturalität und Gesundheitswesen) beschönigt und dessen Probleme überspielt. Kunstfilm? Meinetwegen, aber doch bitte nicht ein dermaßen falsches, zu keinem Zeitpunkt emotionales und fernab der Wirklichkeit durchdachtes Werk.

Die Kritiker sehen es als Märchen, ich nenne es Falschheit und Feigheit, sich nicht wahrheitsgetreu mit den aktuellen Problemen auseinanderzusetzen, Ursachen zu erkunden und Lösungen zu finden.

Bewertung: 4/10 Sternen