"Das Leben nach dem Tod in Denver" (USA 1995) Kritik – Andy Garcia wird zum heiligen Jimmy

„The blood runs when the time comes.“

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Man könnte „Das Leben nach dem Tod in Denver“ so einige Dinge problemlos vorhalten: Seien es die Klischees, die sich jetzt schon seit Ewigkeiten durch dieses Genre schlängeln, die etwas unausgegorene Liebesgeschichte, die die Handlung zu keinem Zeitpunkt weiterbringt und auch allgemein haben Regisseur Gary Fleder und Drehbuchautor Scott Rosenberg nicht selten bei den großen Vorbildern abgeschaut. Wenn wir uns aber von dieser, in diesem Fall, unnötigen Engstirnigkeit distanzieren, dann lässt sich „Das Leben nach dem Tod in Denver“ mit ganz anderen Augen betrachten. Gary Fleder plagiiert hier nämlich keinesfalls die maßgebenden und erfolgreichen Glanzlichter des Gangster-Genres, sondern seine Inszenierung ist vielmehr eine Aufarbeitung, eine eigenständige Umwandelung der durchaus bekannten Tatsachen.

Wir bekommen jede Menge Charaktere vorgeführt. Den wichtigsten Part übernimmt Jimmy, der heilige Jimmy, gespielt von einem hervorragenden Andy Garcia, den man in seiner Karriere wohl nie besser gesehen hat. Der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, ein Mann mit Rückgrat, mit dem Herz am rechten Fleck, auch wenn er sich auf der falschen Seite des Gesetzes befindet. Dann der leprakranke Pieces, Christopher Lloyd in einer seiner interessantesten Rollen, ein von der Gesellschaft ausgestoßener Pornofilmvorführer, dem die Gliedmaßen langsam wegfaulen und die Erinnerungen an die Vergangenheit der letzte Glanz im eigenen Dasein sind. Die tragische Figur im Bunde, ein gefallener Stern. Und dann wären da noch der großartige Christopher Walken als durchtriebener Anführer, als Mann mit dem Plan, und Steve Buscemi als Mr. Shhh, ein schweigsamer Zeitgenosse, aber brandgefährlich und absolut zielorientiert. Stehst du auf seiner schwarzen Liste, sind deine Tage gezählt.

Und das ist nur der namhafte Auszug der Figuren. Sicher lässt sich bei dieser Aufzählung auch wieder anmerken, dass Gary Fleder versucht, möglichst viele Charaktere durch ihre mehr oder weniger skurrile Eigenarten unter einen Hut zu bringen und damit genau den Paradigmen hinterhereifert, von denen die Filmwelt noch in 100 Jahren schwärmen wird. Aber auch in diesem Fall kann man den Besserwissern und Zweiflern erneut widersprechen: „Das Leben nach dem Tod in Denver“ schert sich einen Dreck um die (Über)Stilisierung von erzwungen coolen und verrückten Charakteren, denn die wahre Intention des Films entblättert sich nach und nach, die Masken fallen und die entblößten Gesichter schauen dem Zuschauer direkt in die Augen. Das organisierte Verbrechen, die Soziopathie, das Blutvergießen und das Leben auf der Überholspur weichen der standhaften Menschlichkeit der Charaktere.

Die Wünsche, die Fehler und die Gefühlen kommen zum Vorschein, vereinen sich und „Das Leben nach dem Tod in Denver“ beweist nicht nur Tiefe, sondern auch Reife und Stärke. Fleder romantisiert das Gangster-Milieu nicht und genauso wenig verharmlost er es. Hier wird mit gekonnter Humanisierung gearbeitet, denn egal welche Taten begangen wurden oder noch begangen werden, Fleder lässt jeden von ihnen Mensch sein, auch wenn wir das gerne im Anbetracht der Verbrechen vergessen wollen. Mit leichter Poesie im Grundtonus, aber ohne jede Pseudointellektualität geht es in „Das Leben nach dem Tod in Denver“ um Loyalität und um persönliche Veränderungen, die immer angestrebt werden, aber letzten Endes ihren eigenen Weg eingeschlagen.